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Im Jahre 1930, dem Jahr, in welchem sich führende Wissenschaftler und Politiker aus 50 Ländern zur Erörterung der künftigen Energieversorgung im Rahmen einer Konferenz trafen, wurde der Weltöffentlichkeit ein von Solarenergie betriebener Mini-Elektromotor vorgestellt – eine Spielerei. Ebenfalls aus der Vorkriegszeit stammte die Vision riesiger Solaranlagen in der Sahara. Gleichfalls jedoch, wie der Bau von Windkraftwerken, mußte das Vorhaben mangels Durchführbarkeit verworfen werden.

Letzten Freitag ging die Bonner Energiekonferenz „Renewables 2004“ zu Ende, zu der Gerhard Schröder zwei Jahre zuvor in Johannesburg lud, wie bestellt, vor dem Hintergrund aktuell stark gestiegener Ölpreise. Der damit einher gegangene Werbeeffekt dürfte die Initiatoren der Veranstaltung in gleicher Weise erfreut haben, wie die über 150 vorgeschlagenen Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien. Keine bloßen Visionen, konkrete Absichten finden sich darin wieder, wenngleich es bis zu deren nachhaltiger Durchführung nicht unerheblicher Anstrengungen bedarf.

Geplant ist eine Erhöhung des Anteils regenerativer Energien an der Stromversorgung von derzeit weltumspannenden 4 % auf 20 % bis zum Jahr 2020. Darüber hinaus erwartet man sich aus Wind- und Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse und Erdwärme hierzulande zur Mitte des Jahrhunderts eine hälftige Bedarfsdeckung. Ein ehrgeiziges Ziel, doch ist ein Umdenken unumstößlich. Gerade Deutschland ist in hohem Maße vom Import fossiler Brennstoffe abhängig. Tendenz steigend. Daran ändern eigene Ölvorkommen mit einem Energieversorgungsbeitrag von 2% ebenso wenig wie eine unwirtschaftlich stark subventionierte Kohleförderung.

Der längst zum Alltag gewordene Terror und dessen Bedrohung für eine reibungslose Erdöl- und Erdgaszufuhr machen klar, daß zumindest ein Energiemix vonnöten ist. Es macht sich aber auch die Erkenntnis breit, daß mit der unaufhaltsamen Globalisierung den Industriestaaten nicht nur neue Absatzmärkte generiert wurden, sondern der Rohstoffbedarf unterentwickelter Regionen mehr oder weniger stark zu steigen beginnt. Bis 2020 um vorausgesagte 40 %. Lokomotive der Schwellenländer ist eindeutig China, deren Hunger nach Kohle und Öl in rasantem Tempo in die Höhe schnellt. Darum konnte man auf dem Bonner Treffen auch dem Reich der Mitte ein Bekenntnis zur regenerativen Energie abgewinnen. 10 % soll deren Anteil in wenigen Jahren betragen.

Kurzfristig geht das Gezerre um die fossilen Ressourcen aber unausweichlich weiter. Ob sich US-Unternehmen im Kaukasus in Erdgasfirmen einkaufen, China in Konkurrenz zu Europa um sibirische Quellen buhlt oder aber Rußland seinen Energiemarkt abschottet – hinter dem in wenigen Tagen anlaufenden Gerichtsverfahren gegen Rußlands einstiges Staatsunternehmen Yukos vermutet man unlängst nichts weiter als zentralistische Intervention, mithin den Versuch, den Einstieg der beiden US-Riesen Exxon Mobil und Chevron zu unterbinden.

Es kann mittelfristig nur die praktisch unbegrenzt zur Verfügung stehende alternative Energie für Entspannung sorgen. Auch die dieser Tage wieder zur Sprache gekommene Atomenergie, im Jahre 1930 noch für ein mögliches Allheilmittel gepriesen, ist keine ewige Alternative. Die Vorfälle um den tschechischen Reaktor Temelin sorgten zum einen für neuerliche Gefahrensensibilität. Andererseits wird Atomenergie kaum im Energieverbraucher Nummer eins zum Einsatz kommen: dem Auto.

Ein durchschlagender Erfolg ist nur möglich, wenn alle Regierungen sich das Problem endlicher fossiler Energien bewußt machen Zudem werden die latenten Kosten deren horrenden Konsums in Form von Umweltschäden und Klimaveränderung immer beachtlicher. Und das Drittel der Erdbevölkerung, welches keinen Zugang zu modernen Energiequellen hat, kann unmöglich auf dem bisherigen Weg versorgt werden. Erst wenn Jimmy Carters Aussage, daß wir ohne Öl nicht leben könnten und er sogar dafür kämpfen würde, an Aktualität verliert, läßt sich das Versorgungsproblem in den Griff bekommen.

Markus Lenzbauer

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.