Auch die Sache mit den Neuemissionen ist keine auch nur halb so todsichere Angelegenheit, wie es oft den Anschein macht. Aber gerade dort werden besonders ungeübte Anleger schnell das Opfer von findigen Marketingstrategen, die versuchen, durch umfassende IPO-Werbekampagnen den Kauf der angepriesenen Aktien schmackhaft zu machen.

Der Erwerb von Firmenanteilen sollte aber kein unüberlegter Impulskauf sein, wie der Griff nach einem Schokoriegel an der Supermarktkasse, sondern ein durchdachtes Investment. Das gilt natürlich ganz speziell bei den Technologiewerten des Neuen Marktes, aber ebenso bei Mega-Emissionen, wie z.B. Infineon – oder nun der dritten Tranche der T-Aktie, die derzeit an die Börse gebracht werden soll.

Vom 31. Mai bis zum 16. Juni läuft die Zeichnungsfrist für die neuen Anteile der Deutschen Telekom. 200 Mio. Aktien sowie eine Mehrzuteilungsoption von weiteren 30 Mio. Stück stehen bereit. Adressat ist nicht nur der deutsche Kleinanleger, sondern genauso institutionelle Investoren sowie Anleger aus dem ganzen Euroraum, der Schweiz, Norwegen, Dänemark und sogar USA, Kanada und Japan. Der Ausgabepreis soll je nach Kursentwicklung während der Zeichnungsfrist festgelegt werden.

Das besondere an dieser Emission ist weniger die Größe, als vielmehr der Emittent der Aktien, denn das ist nicht die Dt. Telekom selbst, sondern der Staat, genauer gesagt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Aktien aus der öffentlichen Hand sollen dem Staat rund 11 Mrd. Euro in die Kassen spülen. Finanzminister Eichel will die Einmaleinnahmen aber nicht zur unmittelbaren Steuersenkung, sondern einzig zur Tilgung von Staatsschulden verwenden. Das heißt in seiner Konsequenz aber auch, daß von den etwa 11 Mrd. Euro Einnahmen kein einziger Cent dem Telekom-Konzern zugute kommt.

Trotzdem werben unzählige Anzeigen – wir kommen zum Anfang des Artikels zurück – für die Zeichnung der neuen T-Aktien. Mehrere Optionen sollen dabei die Anleger auf den Geschmack bringen. So sollen Frühzeichner, die sich bis zum 9. Juni für die Rosa-Aktie entscheiden, einen Rabatt von 3 Euro auf den Emissionspreis erhalten. Zusätzlich will die Telekom diejenigen Investoren, die ihre Papiere bis Ende 2001 halten, mit Bonusaktien im Verhältnis 1:10 belohnen.

Sie, und mit Ihnen viele andere mehr, sollen also die „Zukunft zeichnen“ – das fordern zumindest die vielerorts zu sehenden Plakatwände. Sicher, die Zukunft kauft man letztlich mit jeder technologielastigen Aktie, ob aber die Zukunft, die man mit der T-Aktie erwirbt, so rosig ist, wie dem Anleger suggeriert wird, muß bezweifelt werden. Abgesehen von einer mehr als labilen Börsenstimmung, bei der sich ein Engagement in Aktien sowieso nicht aufdrängt, werden insbesondere Werte der Telekommunikationsbranche von Investoren mehr als skeptisch beäugt. Das liegt unter anderem an dem immer noch stattfindenden Preiskampf bei den Telefongebühren als auch an den teuer gekauften UMTS-Lizenzen. Falls Sie sich nicht ganz besonders stark mit Finanzminister Eichel verbunden fühlen, und ihm deswegen gerne beim Schuldenabbau helfen wollen, drängt sich eine Zeichnung der dritten Tranche T-Aktien nicht auf.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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