Solche Probleme können nur Monopolisten bekommen. Der Software-Riese Microsoft hat nicht wie viele andere Unternehmen der Branche mit schwindendem Geschäft und leeren Kassen zu kämpfen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die üppigen Margen beim Verkauf des Betriebssystems und seiner Standardanwendungen haben die Cash-Bestände auf annähernd 50 Mrd. US-$ anschwellen lassen, dagegen konnten selbst weniger erfolgreiche Sektoren wie der für Spiele-Konsolen nichts ausrichten. Der Kassenbestand wächst jedes Quartal um 3 Mrd. US-$.

Aber Unternehmen sollen mit ihren Mitteln wirtschaften, sie zu horten ist nicht ihre Aufgabe. So sahen das zumindest die meisten Anleger. Die hohen Kassenbestände betrachteten sie mit Argwohn – und gaben das auch deutlich zu erkennen. Seit Beginn des Jahres stagniert der Microsoft-Kurs neuerlich, verglichen mit Anfang 2002 verlor er sogar 22 %.

Und dann kam das sagenhafte Gerücht auf, das sich wie ein Lauffeuer ausbreitete. Microsoft habe sich mit diesem Problem beschäftigt und soll zu einer Lösung gekommen sein. Vier Optionen zur Mittelverwendung ständen zur Debatte, und eine davon wäre das, worauf viele Anleger schon so lange warten: Der Geldsegen in Form einer Mega-Dividende von „deutlich über“ 10 Mrd. US-$ – verteilt auf ein, zwei oder auch mehrere Quartale – und damit weit mehr als die mickrigen 871 Mio. US-$, die im letzten Jahr als erste Dividende überhaupt mal bezahlt wurden. Als weitere Alternativen stünden noch ein verstärkter Aktienrückkauf sowie Unternehmenszukäufe zur Disposition, so das Parkettgeflüster.

Aber wie es jetzt scheint, müssen Anleger noch etwas länger träumen. Microsoft-Finanzchef John Connors machte während einer Telefonkonferenz dem Traum von der Sonderdividende / Dividendenerhöhung den Garaus. Verschieden Risiken, darunter das sich noch in der Schwebe befindliche Kartellrechtsverfahren der EU und der Antitrust-Klage vom Rivalen Sun Microsystems, stellten eine erhebliche Bedrohung für die finanzielle Zukunft und das Geschäftsmodell des Konzerns dar. Dem werde mit dem hohen Kassenbestand Rechnung getragen, weswegen auch eine Erhöhung der Aktienrückkäufe nicht vorgesehen sei.

So bleibt also alles wie gehabt. Microsoft sitzt weiterhin wie Dagobert auf dem Geld und sichert sich gegen die ach so düstere Zukunft ab. Die Microsoft-Aktie – das erste Sparbuch mit Betriebssystem.

Die GoingPublic Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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