Das Hauptaugenmerk der SdK gilt in erster Linie einem gut funktionierenden Aktienwesen mit gleichen Chancen für alle Anleger. Gerade Privatanleger, die nicht über die Zeit und schon gar nicht über dieselben Möglichkeiten der Kontrollmechanismen wie institutionelle Investoren verfügen, benötigen „professionelle Hilfe“. Zwar hat sich die vielbeschworene Aktienkultur in Deutschland in den letzten Jahren stetig verbessert, jedoch nicht in dem Maße, wie es die Vertreter der Aktionäre für durchaus machbar halten.

Privatanlegern steht die Gesellschaft mit Rat und Tat zur Seite: Berechtigte ideelle und auch materielle Interessen der Aktionäre, insbesondere von denen des Streubesitzes, müssen gewahrt und vertreten werden. Eine kostenlose Wahrnehmung der Stimmrechte in den Hauptversammlungen kann übrigens auch beantragen, wer nicht zahlendes Mitglied der SdK ist.

Die SdK hat eine Reihe von Projekten laufen, die auch auf die Mitarbeit der Kleinaktionäre setzt. In einer vor kurzem durchgeführten Fragebogenaktion hat man die Erfahrungen der Privatanleger mit den deutschen Börsenplätzen unter die Lupe genommen, um daraus ein Börsenranking zu ermitteln. Gerade in letzter Zeit versuchten die Regionalbörsen um die Gunst der Privaten zu buhlen: Price-Plus-Garantie, Quality-Trading und Best-Price-Prinzip waren Schlagworte, die man inhaltlich kaum noch voneinander unterscheiden konnte. Angesichts der Börsenfusion zwischen London und Frankfurt werden sich die Regionalbörsen mehr denn je den Kleinaktionären zuwenden müssen.

Gegen DaimlerChrysler hat man derweil sogar ein Gerichtsverfahren angestrengt. Hintergrund ist die nach Ansicht der SdK zu lasche Zielsetzung für die Ausübung der Mitarbeiteroptionen. Gleichgültig, wie sich die anderen Indices entwickeln, die Daimler-Papiere müssen lediglich um 20 % zulegen, damit die bezugsberechtigten Mitarbeiter ihre Zusatzleistungen einlösen können. Da die Wandel-Optionen aber die Bewertung der Anteilscheine verwässern, sehen „Alt“aktionäre in die Röhre. Sie erleiden einen potentiellen Wertverlust, den niemand gerne hinnimmt. Grund genug für die SdK, auf die Barrikaden zu steigen: Die Benchmark für die Ausübung der Optionen dürfe ruhig etwas anspruchsvoller ausfallen – vor allem bei einem Multikonzern wie DaimlerChrysler. Nicht umsonst wittern die SdKler hier eine drohende Bereicherung der Führungsebene.

Auch der Rosa Riese und dort speziell deren Hauptverantwortlicher, Ron Sommer, steht im Visier der Interessenvertreter. Spätestens mit Emission der dritten Tranche habe Ron Sommer den Bogen überspannt: Versprochen wurden Unternehmensgewinne, doch was blieb, war nur die Hoffnung darauf. Mit dem viel zu teuren Kauf des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream habe die Deutsche Telekom den Aktienkurs auf eine Talfahrt geschickt, von der dieser bis dato nicht zurückgekehrt ist. Eine von der SdK für Aktionäre geforderte Wiedergutmachung könne so aussehen, daß die vielen Privatanleger der Telekom bei dem bevorstehenden Auskopplung der T-Mobil „deutlich bevorrechtigt behandelt“ werden.

Aber auch viele Unternehmen des Neuen Marktes inklusive deren Konsortial-Begleiter bekommen ihr Fett weg. Der Vorwurf: Einige AGs haben ihren Börsengang nur deshalb angestrebt und trotz mangelhafter Qualität durchgezogen, weil ein Börsengang eine so interessante Sache ist – und man einiges an liquiden Mitteln einfahren kann. Vor diesem Hintergrund fordert die SdK auch eine stärkere Verantwortung der Konsortialbanken ein. Diese sollen als Vertrauensbeweis ihr eigenes Engagement bei den IPOs offenlegen, um die Einflüsse bei der Festlegung des Emissionspreises richtig einschätzen zu können. Ein kleiner Schritt für die Konsortialbegleiter, ein großer für die Aktionäre.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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