Werbung

Die Solarworld AG meldete gestern in einer Ad hoc-Meldung, der Halbjahresgewinn steige „auf 324 %“. Naja, man muß ehrlich sagen, daß sich dies besser anhört als „um 224 %“ und von daher kann man die „gewieften Strategen“ von Solarworld gut verstehen. Doch selbst die Kommunikationsprofis haben aus fehlender Umsicht schnell die Übersicht verloren und nun mehr Aufsehen erregt, als ihnen lieb sein konnte…

Der Gewinn der Gesellschaft wurde von 93.000 DM im ersten Halbjahr 1999 auf rund 300.000 DM im Vergleichszeitraum dieses Jahres gesteigert. Normalerweise spricht man in solchen Zusammenhängen von einem Gewinnwachstum um 224 %. Nicht aber Solarworld. Das Unternehmen steigerte den Gewinn „auf 324 % des Vorjahreswertes“. Genauso sei der Umsatz „auf 318 %“ gestiegen (sh. adhoc). Nach dieser Taktik befragt, antwortete Herr Dipl.-Pol. Oliver Ristau – der Ansprechpartner Solarworlds für die Wirtschaftspresse – es sei richtig, daß diese Berichterstattung nicht unbedingt üblich sei, jedoch habe man sich im Unternehmen dafür entschieden.

So weit so gut. Abgesehen von der Tatsache, daß eine solche Begriffsduselei wenig mit offener Kommunikation zu tun hat, könnte man die Aktion in der „billige Investor Relations-Tricks“-Schublade ablegen. Doch es geht noch weiter…

Zu Beginn des letzten Monats berichtete Solarworld nämlich, der Umsatz sei „um 328 %“ gestiegen und der interessierte Anleger kann die entsprechende Ad-hoc vom 04.07. noch immer unter www.solarworld.de/investor/pages/ad_hoc_dt_idx.htm nachlesen. Die neue Ad-hoc ist übrigens überhaupt noch nicht auf der Unternehmens-Website. Was ist nun richtig, haben wir Herrn Ristau gefragt. „So wie es jetzt dargestellt wurde, ist es richtig“, meinte dieser. Nicht „um“ über 300 %, sondern „auf“ über 300 % sei der Umsatz angestiegen. Nach einigen weiteren Fragen gestand er dann ein: „Wir haben uns mit dem ‚um’ und dem ‚auf’ selbst einen Bock geschossen.“

…tja das kann man wohl sagen!  Das ist nun wirklich peinlich. Vielleicht sollte man sich von Herrn Baader – selbst Experte in solchen Rechenspielen – einmal Nachhilfe in Prozentrechnung geben lassen.

Wichtiger jedoch wäre es, den eigenen Aktionären gegenüber eine klare Sprache zu pflegen. Eine nachvollziehbare Korrektur dieses Fauxpas hat Solarworld nämlich bis heute noch nicht veröffentlicht.

„Klarheit ist der Ruhm des Ausdrucks“, sagte der amerikanische Dichter Walt Whitman. Mit Ruhm hat sich SolarWorld hier wahrlich nicht bekleckert.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.