Der Investor heutiger Prägung als solcher ist ja hart im Nehmen: Unerwartete Veränderungen der Leitzinsen wichtiger Zentralbanken, Ölpreissteigerungen, Konjunkturängste, überraschende Wirtschaftsindikatoren, Terrordrohungen, Unwetterwarnungen  – so leicht lässt sich der homo oeconomicus des Jahres 2006 nicht aus der Ruhe bringen. Und auch von der generellen Gefahr, dass die US-Wirtschaft schon lange die besten Zeiten hinter sich hat und die Party derzeit nur dank – sagen wir unpräzisen – Statistiken in einer Art Over-Time noch läuft, soll hier nicht weiter erörtert werden. Man hat sich dran gewöhnt.

Nein, in den bewegten Zeiten dieser Tage belasten auch absolut unvorhersehbare Ereignisse ganze Märkte und auch Einzeltitel. Die thailändische Börse zum Beispiel hat sich in den vergangenen Jahren professionell entwickelt, und die Demokratie wurde als hinreichend gefestigt angesehen. Und nun der Putsch des Militärs, mit allen Unsicherheiten, die solch eine Machtübernahme mit sich zu bringen pflegt.

Ziemlich absurd wirkt auch der Streit um den Wettanbieter bwin, besser bekannt unter dem alten Namen als betandwin.com. Wer nach den gravierenden Kursrücksetzern eingestiegen war in der Vermutung, dass die deutschen Behörden ihren Kurs gegen den Wettanbieter juristisch nicht würden durchhalten können, musste zur Kenntnis nehmen: Französische Behörden nehmen schon mal ganz gerne die Vorstände ausländischer Aktiengesellschaften über Nacht in Polizeigewahrsam – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Kurs. Und dann stellt sich stets die Frage: Welches angesehene, solide, bestens im Markt positionierte und deshalb hoch im Kurs stehende Unternehmen erwischt es als nächstes mit einem umfänglichen Bilanz-Skandal?

Viele Beispiele lassen sich noch anführen – aber dennoch zählt die Investition in Aktien nach wie vor zu den beliebtesten und renditestärksten Anlageformen. Mehr denn je kommt einer guten Streuung auch innerhalb des Aktienanteils in einem Gesamtportfolio grundlegende Bedeutung zu – denn viele Risiken haben nichts mehr mit Analysen oder Markteinschätzungen zu tun, sondern sind absolut unvorhersehbar.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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