Die wohlmeinende Message diesmal schon vorneweg: Vor der Rente (bzw. ihren Ansprüchen) gibt es kein entkommen. Wer glaubt, mit der treuen Überweisung des gesetzlichen Rentenbeitrags sei der Pflicht in ausreichendem Maße nachgekommen, der irrt. Die Investition in Aktien, die implizit auch vom Kapitaldeckungsverfahren propagiert wird, ist genauso von Rentenanwartschaften betroffen wie der Staat.

Das hat einen einfachen Grund. Besonders in den angelsächsischen Ländern USA und Großbritannien, wo das staatliche Rentensystem nicht in unserer Form existiert, hat die betriebliche Altersvorsorge einen hohen Stellenwert. Amerikanische Unternehmen führen Pensionskassen, durch die zukünftigen Betriebsrentnern die Pension finanziert wird. Das für sich genommen, könnte eine elegante Substitution der staatlichen Rente sein, wie sie in ähnlicher Form auch in Deutschland schon von einigen großen Konzernen wie DaimlerChrysler, ThyssenKrupp oder Siemens angewandt wird.

Aber die heile Renten-Welt gibt es auch hier nicht. Weil die Betriebsrenten nicht im Prinzip des Umlageverfahrens, sondern des Kapitaldeckungsverfahren aufgebaut sind, ist die Kapitalmarktrendite von entscheidender Bedeutung. Die aber hat in den letzten Jahren deutlich zu wünschen übrig gelassen, mit der Konsequenz, daß sich bei vielen Unternehmen dramatische Deckungslücken aufgetan haben. Genau wie beim Staat ist im betrieblichen Rententopf zu wenig, um allen Ansprüchen / Anwartschaften gerecht zu werden. Für den S&P 500 liegt das durchschnittliche Finanzierungsdefizit bei 230 Mrd. US-$, mit noch immer Besorgnis erregend hoher negativer Tendenz. Zugespitzt wurde das Ganze durch verfehlte Prognosen in der Vergangenheit, als mit einer kaum zu erreichenden langfristigen Vermögensrendite von 9 % systematisch zu hohe Ansprüche aufgebaut wurden.

Für die Unternehmen aber bedeuten die Rentenzusagen eine Zahlungsverpflichtung. Die speziell bei traditionellen Branchen wie Auto, Stahl, Telefongesellschaften und Luftfahrt hohen Defizite müssen ausgeglichen werden, dazu gibt es keine Alternative. Immer höhere Anteile des jährlichen Cash Flows fließen deswegen in die Pensionskassen. Bei Akzo Nobel beispielsweise waren das im letzten Jahr 340 Mio. Euro und damit ein Vielfaches des 2000er Wertes. Was aber bedeutet das für die Aktionäre?

Für Investoren bzw. Aktienbesitzer heißt das im Klartext: Das ihnen verbriefte Konzernvermögen wird sukzessive in die Taschen ehemaliger Betriebsangehöriger umverteilt. Doch damit nicht genug. Neben dieser zweifelhaften Vermögensreallokation werden die Pensionsforderungen auch Wachstum kosten. Investmentbanken gehen von einem durch die Pensionslasten verursachten Minderwachstum bei amerikanischen Konzernen von 4 bis 6 % im nächsten Jahr aus.

Wer heute in Deutschland arbeitet, zahlt mit den Rentenbeiträgen die Zeche für den demographischen Wandel, die verfehlte Sozialpolitik und die Wirtschaftsmisere. Wem das noch nicht reicht, der könnte Aktien kaufen und mit seinem Vermögen für die betriebliche Altersvorsorge gerade stehen.

Die GoingPublic erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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