Mit rund 300 Produkten, viele von ihnen unter Patentschutz, und Vertriebsstrukturen in über 30 Ländern hat sich Qiagen eine sattelfeste Position in der bio- und gentechnischen Forschung geschaffen. Durch die Effizienz der weißen Pulver beim Herausfiltern unerwünschter biologischer Inhaltsstoffe bei der Reinigung von Erbsubstanz entstehen weitere Vorteile. Laborprozesse, die früher mehrere Tage dauerten, werden auf einige Stunden reduziert. Allenfalls im Bereich der Arztlabors bei der Routineuntersuchung von Blut können Unternehmen wie Macheray-Nagel oder Pall Stellung beziehen. Seit etwa einem Jahr bildet die Führungsspitze um den Gründer und CEO Metin Colpan intensiv strategische Allianzen, um das bisher sehr dynamische Unternehmenswachstum in den Zukunftsmärkten aufrecht zu erhalten. In einem Joint Venture mit EVOTEC sollen Automatisierungs- und Miniaturierungstechniken weiterentwickelt werden. Ein weiteres Joint Venture wurde im Bereich der medizinischen Diagnostik mit dem amerikanischen Spezialisten Becton, Dickenson & Company gegründet.

Eine intensive Forschung, strategische Partnerschaften und ein herausragendes Management gehören zu den Top-Stärken von Qiagen. Insbesondere die Kooperationen mit Affymetrix und Zeptosens, aber auch der Erwerb von Operon Technologies und Rapigene weisen den Weg zu neuen Produkten der Genforschung: synthetische Gene, Analyse von Einzelmutationen im Erbgut (SNPs, auch Snips) und Biochips. Risiken, die den Unternehmensbestand gefährden oder Schwächen, die ein kontinuierliches Wachstums unterbinden könnten, sind bei Qiagen nicht auszumachen.

Zwei Jahre nach dem Zweitlisting am Neuen Markt konnte die zunächst an der Nasdaq gestartete Qiagen-Aktie im Zuge der allgemeinen Biotech-Euphorie seit Mitte August 1999 kräftig durchstarten: Wertzuwachs fast 600 %. Die zehnjährige, ununterbrochene Gewinn-Historie erlaubt die Bewertung des in 16 Jahren gereiften „Biotech-Oldies“ nach klassischen Bewertungskennzahlen. Für die nächsten Jahre sind Gewinnzuwachsraten von rund 65 % zu erwarten. Doch auch bei dieser Perspektive ist die Aktie bei einem 2001er KGV von über 190 derzeit zu teuer. Qiagen-Aktien sollten daher ungeachtet der hervorragenden Qualität der Gesellschaft auf dem jetzigen Kursniveau verkauft werden.

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