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Somit bietet die Deutsche Börse für Unternehmen aller Größenordnungen eine organisierte Plattform für die Erstnotierung und den Handel von Anleihen an. Für mittelständisch orientierte Emittenten existiert seit Frühjahr 2011 der „Entry Standard für Anleihen“, in dem neun Anleihen mit einem Gesamtemissionsvolumen von rd. 400 Mio. EUR gelistet sind.

Der „Prime Standard für Anleihen“ richtet sich an größere börsen- und nicht börsennotierte Emittenten, die ein Anleihevolumen von mindestens 100 Mio. EUR anstreben und im Unterschied zum Mittelstandssegment die Gepflogenheiten institutioneller Emissionspraktiken berücksichtigen. Dazu gehört als typisches Emissionsverfahren die Fremdemission, in der für die Anleiheplatzierung i.d.R. ein Banken- bzw. ein Underwriterkonsortium mandatiert wird. Bei der Fremdemission sind die Anleihebedingungen stark standardisiert, vor allem im Hinblick auf Covenant-Regelungen, und unterliegen oft einer international ausgerichteten Prospektierung und Dokumentation. Der Primärmarkt institutioneller Corporate Bonds deutscher Non-Financials-Emittenten betrug im Jahr 2010 fast 50 Mrd. EUR bzw. zum 30.09.2011 rd. 32 Mrd. EUR und liegt damit deutlich über dem Equity-Primärmarkt. Grundsätzlich wird im institutionellen Bondmarkt zwischen „High-Yield“- und Investmentgrade-Emissionen unterschieden. Rund drei Viertel der Emissionen 2010 und 2011 gehören zur letztgenannten Kategorie. Zum Standard ist geworden, dass High-Yield-Anleihen eine Freiverkehrszulassung erhalten und für die Investmentgrade-Emissionen üblicherweise eine Primärmarktbilligung in einem EU-regulierten Marktsegment vorgenommen wird.

Aufgrund praktikabler Zulassungs- und Billigungsverfahren und der eingespielten Routine werden Luxemburg und Dublin als bevorzugte Börsenplätze von den Emittenten bzw. von den Konsortialbanken gewählt. Frankfurt bildete bisher die Ausnahme. Die typischen Primärmarktinvestoren sind vor allem große international ausgerichtete, institutionelle Fonds, die auch das Pricing und den Ablauf der Emission wesentlich bestimmen. Nicht selten erfolgen die Platzierungen innerhalb von wenigen Stunden. Kleinere Fonds oder sogar Privatanleger spielen keine Rolle. Ebenfalls findet der anschließende Sekundärmarkthandel zu 90% im OTC-Markt statt, der wiederum fest in der Hand institutioneller Investoren bzw. der Banken ist. Angesichts dieser Rahmenbedingungen kann es sowohl für den Emittenten als auch für den Anleger nur von Vorteil sein, mehr Transparenz in den Sekundärmarkt zu bekommen, indem der öffentliche Börsenhandel ein höheres Gewicht erhält. Die Absicht der Deutschen Börse, eine 10%ige Free-Float-Quote als Zulassungsvoraussetzung zu verlangen, kann dabei helfen, bereits in der Primärmarktphase eine transparentere Preisbildung zu bewirken. Hierzu möchte die Deutsche Börse den Emittenten eine neuartige Platzierungshilfe bereitstellen, um vor allem dem Unternehmen nahestehende Anlegerinteressenten (Stakeholder) in die Erstplatzierung einzubinden. Wir halten zudem die Idee für schlüssig, dass der Zugang in den „Prime Standard für Anleihen“ sowohl über den Freiverkehr als auch über den regulierten Markt erfolgen kann. Insbesondere nicht börsennotierte Familienunternehmen können somit weiterhin nach HGB bilanzieren.

Wir sind der Überzeugung, dass dieses Segment sowohl bei den erfahrenen Anleiheemittenten als auch bei Neulingen Zuspruch finden wird, da hier erstmalig Instrumentarien angeboten werden, die nicht mehr Transparenz in der Preisbildung, sondern auch Liquidität im Sekundärmarkt fördern. Dies ist umso wichtiger, da die Liquidität maßgeblich das Pricing von späteren Folgeemissionen beeinflusst.

Von Prof. Dr. Wolfgang Blättchen

Ursprünglich erschienen im GoingPublic Magazin 01/2012.