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Dieses Aperçu ist nicht nur wenig schmeichelhaft für einen großen Teil des Heeres der Karrieristen, Lehrer, Verwaltungsbeamten und Juristen, die uns regieren. Es enthält auch eine Aufforderung an erfolgreiche Manager und Interessenvertreter, nicht nur in wohlfeilen Sonntagsreden tief greifende und vor allem für andere schmerzhafte Veränderungen zu fordern, sondern diese selber in der politischen Verantwortung anzugehen. Im Sport würde man sagen: Was zählt, ist auf dem Platz.

Liegt es am mangelnden Willen der Manager, gut dotierte Posten aufzugeben, oder den Zwängen von Wahlsiegern, nach erfolgreichen Stimmgängen verdiente Parteiarbeiter zu belohnen? Wie auch immer: Die Diffusionsfähigkeit des Systems muß verbessert werden. Das bedingt Veränderungswillen bei den Parteien, während sich die wirt- und wissenschaftliche Elite eines Satzes John F. Kennedys erinnern muß: nicht zu fragen, was das Land für einen tun kann, sondern was man selber für das Land zu leisten bereit ist.

Das heißt nicht, daß vermehrt wortkarge Bodybuilder Ministerpräsidenten und Schauspieler Bundeskanzler werden sollten, obwohl das nicht immer die schlechteste Lösung sein muß. Und es heißt in der Gegenrichtung auch nicht, daß immer mehr Politiker bei Lottogesellschaften, Landesbanken oder Energieunternehmen versorgt werden sollen.

Der Wechsel eines erfolgreichen Unternehmers, Vorstands oder eines wissenschaftlich profilierten Kopfes in die Politik darf nicht mehr als Abstieg angesehen werden und der Transfer eines Politikers in die Wirtschaft nicht mehr als Versorgungs-, sondern als Normalfall. Man kann dem Standort Deutschland nur wünschen, daß der Umdenkprozeß bald beginnt. Es wäre ein wichtiger Schritt, die allgegenwärtigen Verkrustungen aufzubrechen.

Stefan Preuß

Mehr zu diesem Thema („Quo vadis Deutschland?“) im aktuellen Smart Investor Magazin 4/2004.

Die GoingPublic erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.