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Moskau ist seine Ölverträge, die es mit dem Pre-Bush-Irak geschlossen hatte, los. Sozusagen auf das falsche Pferd gesetzt, Pech gehabt. Das ist die Strafe für die antidevote, impertinente Haltung gegenüber dem Krieg; den ersten übrigens, bei dem der Kriegsgrund erst noch im Nachhinein, und das auch noch aufwendig, gesucht werden muß. Die Entscheidung über das Ausschlachten der irakischen Ölvorkommen würde von der künftigen irakischen Regierung gefällt werden, ließ die Besatzungsstreitmacht wissen. Und da die kaum etwas anderes als eine Marionettenfunktion mit Knotenpunkt im Weißen Haus darstellen dürfte, heißt das, daß Uncle Sam letztlich persönlich über die russischen Ausbeutungsabsichten abstimmen wird. Man darf gespannt sein, welcher Kuhhandel hierbei rauskommen wird und welche Manövriermasse die beiden Verhandlungspartner ins Spiel bringen.

Bush Juniors neu entdecktes Interesse am schwarzen Kontinent koinzidiert nun zufällig gerade mit dem Fund von nicht unbeträchtlichen Erdölvorkommen z.B. im Tschad. Dieses Land im Zentrum Afrikas war bislang nur durch Dürren und Hungersnöte auffällig geworden, plötzlich kann es sich unter die exquisite Auslese künftiger Ölexporteure einreihen. Dazu ist aber erst einmal eine Pipeline erforderlich, die finanziert werden will. Und zwar von keinem geringeren als der Weltbank, dem Emerging-Markets-Aufpasser-Satelliten der USA, und einer Interessensgemeinschaft von Mineralölkonzernen unter Konsortialführung von US-Schlachtschiff ExxonMobil. Da sind die richtigen Adressen am Werk, um das Geschäft auch wirklich profitabel zu gestalten. Vor allem aber ganz im Sinne der Betreiber, weniger wohl der Eigentümer. Denn was sollen die 8 Mio. Menschen im Tschad schon mit Rohöl anfangen, die meisten dürften nicht einmal etwas davon erfahren haben, daß sie urplötzlich auf Schwarzem Gold sitzen. Öl kann man nicht trinken. Im Übrigen sollte sich die Ausbeutung des Fundes für das Konsortium lohnen: Neben etwa 4 Mrd. US-$ Anschubinvestitionen müssen sicherlich nochmal einige Hundert Millionen zur Schmierung des bürokratischen Räderwerks in Kauf genommen werden, doch bei 1 Mrd. Barrel Öl zu einem avisierten Marktpreis von ca. 30 US-$ würde der Batzen unter dem Strich noch einen Profit von weit über 20 Mrd. US-$ für die Macher abwerfen.

Daß ausgerechnet im Iran zuletzt weitere rund 38 Mrd. Barrel gefunden wurden (quasi das Rote Tuch schlechthin), dürfte den US-Auguren eher säuerlich aufstoßen. 120 Mrd. Barrel konnte der Islam-Staat ohnehin schon sein Eigen nennen, so daß das neue Ölvorkommen aus US-Sicht gerade den Falschen in den Schoß fällt, es sei denn natürlich, die neuen Nachbarn des Iran könnten sich – wie nun auch immer – einen Zugriff auf diese Beute sichern. Angesichts gewisser politischer und geopolitischer Veränderungen der letzten drei Jahre kann man gar nichts mehr ausschließen.

Die GoingPublic Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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