Tim Sichting und Philipp Neumann, BDO
Tim Sichting und Philipp Neumann, BDO

Während in Deutschland bereits der Herbst gefühlt Einzug hält, leidet Shanghai weiter unter einer enormen Hitzewelle. Unser letzter Beitrag hatte sich mit neuen Hochhäusern in der Volksrepublik beschäftigt. Als kleiner Nachtrag dazu: Am Samstag, dem 3. August 2013 um 9.30 Uhr Ortszeit wurde der letzte Stahlträger der Hauptkonstruktion des Shanghai Centers in Position gebracht. Aktuell ist es 580 Meter hoch und soll im Laufe des nächsten Jahres dann noch auf eine Höhe von 632 Meter ausgebaut werden. Neben Büroflächen wird der Shanghai Tower auch Restaurants beherbergen.

Was man in China in einer normalen Mittagspause gut beobachten kann, ist das Bezahlen mit Coupons oder besser: das Nutzen von Coupons, um einen Rabatt zu bekommen. Dieses Phänomen ist ja auch in Deutschland bekannt, aber in China werden diese Rabatte viel intensiver genutzt. Viele chinesische Kollegen bereiten die Mittagspause akribisch mit dem Ausdrucken von Rabatt-Coupons vor.

Ein Grund ist sicherlich, dass die Idee dieser sogenannten Daily Deals in China schon älter ist. Das gemeinsame Kaufen in Gruppen zur Rabatterzielung ist unter dem chinesischen Namen 團購 Tuángòu (wörtlich: Gruppe und kaufen) bekannt. China kann also Geburtsland dieser Entwicklung angesehen werden.

Grob gesagt funktionieren diese Daily Deals nach folgendem Motto: Es müssen sich genug Käufer einfinden, die ein Gut kaufen möchten. Ab einer bestimmten Anzahl an Käufern bekommen dann alle den versprochenen Rabatt. Dieses System ist nur durch die starke Verbreitung des Internets möglich, da sich auf den Websites der Anbieter in kurzer Zeit sehr viele Käufer zusammenfinden können.

Wie sieht der Markt für diese Daily Deals in China aus? Zunächst einmal lässt sich sagen, dass es sich um einen sehr volatilen Markt, handelt, was auch daran liegt, dass sich entsprechende Websites schnell aufsetzen lassen. Zudem haben in diesem Markt in den letzten Jahren viele Unternehmensübernahmen stattgefunden. Gemäß den Zahlen für das erste Quartal 2013 hat die gesamte Brache in diesem Zeitraum einen Umsatz von umgerechnet circa 1,7 Mrd. USD erzielt. Hierbei sei allerdings angemerkt, dass in dieser Zeit auch das chinesische Neujahrsfest lag und sich viele Chinesen bei ihren Familien befanden und somit überaus häufig Restaurants besucht haben. Darüber hinaus lässt sich der Markt in lokale Angebote (meist Restaurantbesuche, aber auch andere lokale Dienstleistungen) und andere Deals trennen.

Trotz der hohen Volatilität lässt sich eine zunehmende Marktkonzentration erkennen. Das bedeutet, dass über 90% aller Deals über die 10 größten Websites abgewickelt werden. Was auffällig ist, dass es sich bei diesen Top-10-Websites fast ausschließlich um chinesische Unternehmen handelt. Groupon, der große börsennotierte US-Konzern für Daily Deals, kommt mit seinem Joint Venture in China nur auf einen Marktanteil von unter 3%. Marktführer ist die Webplattform Juhuasuan. Diese bietet aber hauptsächlich Produkte an und keine (lokalen) Dienstleistungen an. Der Markt für lokale Services ist wesentlich breiter aufgestellt. Diese stellen aber gleichzeitig den Hauptanteil der Deals dar. Darunter fallen vor allem Restaurantbesuche.

In Shanghai ist der Besuch eines Restaurants eigentlich zurzeit nicht mehr notwendig, wenn man etwas Gekochtes essen möchte. Durch die große Hitze hier – es werden im Moment alle Hitzerekorde der letzten 140 Jahre gebrochen – kann auch direkt auf der Straße gekocht werden.

Zu guter Letzt noch eine Karte, die uns kürzlich aufgefallen ist. south_china-sea_1_464

Sehr interessant finden wir den relativ großen Teil des südchinesischen Meeres, der von China beansprucht wird. In Zeiten, in denen in Indien der erste auch tatsächlich in Indien gebaute Flugzeugträger zu Wasser gelassen wird und Japan einen Hubschrauberträger enthüllt, macht diese Kartendarstellung schon nachdenklich. Pikant erscheint in diesem Zusammenhang auch die Namensgebung des mit 248 Metern längsten japanischen Kriegsschiffes. Der Name „Izumo“ ist schon im Zweiten Weltkrieg durch einen Kreuzer verwendet worden, der als Flaggschiff der japanischen Angriffsflotte in China fungierte. Die erneute Nutzung dieses Namens hat in Chinas Medien umgehend kritische Kommentare ausgelöst.