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Als Gründe für die Verunsicherung werden immer wieder der steigende Geldbedarf der Telekomfirmen sowie „heftige Währungsschwankungen“ genannt. Für die nächste Zeit sei daher mit keiner nachhaltigen Erholung zu rechnen. Man hoffe dagegen auf das Jahr 2001. Die Frage darf erlaubt sein, ob soviel Zweckpessimismus nicht wieder einmal eine Übertreibung darstellt und sämtliche Auguren und Meinungsmacher in eine Bärenfalle tappen läßt. In den vergangenen zwei Börsenjahren kam die Kursrallye schließlich immer dann, wenn keiner mit ihr gerechnet hat. Sind die Gründe für eine Verunsicherung wirklich noch gegeben oder ist es nicht schon höchste Zeit, wieder einzusteigen?

Zu den Fakten: Die Schlacht um die UMTS-Auktionen ist bis auf einige Nebenkriegsschauplätze geschlagen. Bis jetzt wurden etwas mehr als 110 Mrd. Euro für die überteuerten Lizenzen auf den Tisch geblättert, viel mehr dürften es nicht mehr werden. Jetzt sind die Investitionen in Netzwerktechnologie und Sendeanlagen an der Reihe. Ungewiß bleibt, ob die UMTS-Technologie wirklich hält, was man sich von ihr bisher versprochen hat. Die Marktforscher von Durlacher Research zweifeln dies zumindest an, nachzulesen im „m-Commerce Report 2001“. Damit hat UMTS eine große Chance, nach WAP der zweite große Flop im neuen Jahrtausend zu werden. Nichts desto trotz gibt es auch im gebeutelten Telekommunikationssektor noch genügend Chancen: Übertragungskapazitäten werden angesichts neuer multimedialer Anwendungen und einer zunehmenden Datenflut immer knapper. Die Nachfrage nach schnellen Diensten jedoch steigt. Gerade im Festnetzbereich und bei der Glasfasertechnologie besteht daher noch ein riesiges Marktpotential. Auch hier sind zwar Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich, im Gegensatz zum Mobilfunk dürften sich diese jedoch langfristig auszahlen. Für die Telekommunikation sind die Aussichten unter dem Strich daher lange nicht so trostlos wie vielfach dargestellt. Allerdings auch bei weitem nicht so rosig, wie noch vor einigen Monaten angenommen.

Kommen wir zur Währungsdebatte: Der Euro ist auf dem derzeitigen Niveau derart unterbewertet, daß er eigentlich nicht mehr viel weiter fallen kann. Zudem sind auch die letzten Stimmen derer verstummt, die dem Euro Aufwärtspotential einreden wollen. Das deutet auf eine baldige Trendwende hin. Weitere im kommenden Jahr anstehende Zinserhöhungen durch die EZB und eine sich merklich abkühlende US-Konjunktur dürften ein übriges tun, um den Euro zu stärken, ganz zu schweigen von einem voraussichtlich schwachen US-Präsidenten, ob er nun Bush oder Gore heißen mag. Auch von der Rentenseite kommt Entwarnung. Rückläufige Inflation und weiter anhaltendes, wenn auch verhalteneres Wachstum sowohl dies- als auch jenseits des großen Teichs, sprechen für steigende Kurse an den Anleihemärkten. Von der Konjunkturfront droht daher ebenfalls keine Gefahr für den Aktienmarkt.

Für eine nachhaltige Erholung in nächster Zeit sprechen auch die gefüllten Kassen und das prozyklische Verhalten der institutionellen Investoren: Derzeit bereinigen die „Profis“ ihre Bücher zum Jahresabschluß um einige Verlustbringer und bauen andererseits hohe Cash-Quoten auf, die als Polster vor weiteren Verlusten dienen sollen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit werden die großen Fonds jedoch spätestens im Frühjahr wieder auf den fahrenden Zug aufspringen und in den steigenden Markt hinein investieren.

Es sollte also nicht die Frage gestellt werden, ob ein Aufschwung für die Börse bevorsteht, sondern wann er kommt. Das richtige Timing zu erwischen, ist daher die Kunst. Für besonnene Anleger sollte es daher heißen: Zugreifen, bevor es andere tun! Einige Aktien gibt es jetzt teilweise wieder zum Ausverkaufspreis. Jetzt aber in Euphorie zu verfallen, wäre gleichermaßen falsch. Die Hochkurse des NEMAX dürften wohl für eine längere Zeit nicht mehr überboten werden können. Zukünftig werden am Neuen Markt sicherlich „kleinere Brötchen“ gebacken werden. Wichtig zu wissen ist dabei, daß wir keinen „brotlosen“ Zeiten entgegen gehen.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.