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Ein alter Trick, um sich Arbeit zu ersparen, und die Jungs von der Weltbank machen ganz offenbar schon ein paar Jahre Gebrauch davon: 2001 sagte man, ein Goldpreis über 300 US-$ würde die Nachfrage dämpfen. 2002 hieß es, höhere Goldpreise würden die Angebotsseite nachhaltig erhöhen. Für 2003 sah die Weltbank wiederum Kurse unter 300 US-$ voraus, weil Niedrigkosten-Produzenten auf den Plan treten würden. Und jetzt, für 2004 soll der Goldpreis wiederum unter 300 US-$ ausfallen, denn der derzeitige Kurs werde Zentralbankenverkäufe provozieren.

Aha, ein Blick auf einen Chart zeigt, wie viel davon eingetroffen ist.

Fantastisch diese Prognosen, jedes Jahr aufs Neue. Aktuell notiert Gold bei über 380 US-$ in einem seit mindestens zwei Jahren intakten Bullenmarkt und schickt sich an, die alten Zwischenhochs von Anfang des Jahres zu durchbrechen, vielleicht jetzt, vielleicht auch erst etwas später. Soviel zum Unterschied zwischen Theorie und Wirklichkeit.

Zugegeben, auch wir wissen nicht mit Sicherheit, wo der Goldpreis im nächsten Jahr stehen wird; ja, das ist praktisch auch nicht machbar, wenn man nicht mal weiß, welche „Vetospieler“ (wie man sie in der Spieltheorie kennt) beteiligt sind. *) Aber es wirkt schon etwas eigenartig, wie man Jahr für Jahr derart wenig mit den Fakten übereinstimmende Prognosen abgeben kann und darf. Dies ist um so verwunderlicher, als Analysten sich in ihren Weissagungen bekanntlich immer mehr einander angleichen und schließlich immer ein bißchen zu spät dran sind, somit ständig einem Trend hinterherlaufen. Nicht so die Leute von der Weltbank – bitte aufwachen, Leute! Das legt nur einen Schluß nahe: Die Weltbank hat entweder gar keine Analysten oder sie dürfen nicht das schreiben, was sie normal täten.

So oder so, die Herren Wolfensohn und Komparsen sollten das WTO-Treffen dieser Tage im sonnigen mexikanischen Cancún nutzen, um mal gründlich nachzudenken. Sie scheinen ein gewaltiges Problem zu haben, und Gold ist es nicht. Es nennt sich Glaubwürdigkeit bzw. Abhängigkeit – je nachdem.

*) Zum Thema Goldpreismanipulation (bzw. Manipulation an den Märkten insgesamt) sei im Übrigen auf das aktuelle Smart Investor Magazin 9/2003 verwiesen (Test 2 Ausgaben gratis!)

Die GoingPublic Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.