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Der Konkurrenzkampf auf dem Markt der privaten Bau- oder Immobilienfinanzierungen ist seit Jahren knüppelhart. Vor allem bei Sparkassen und genossenschaftlichen Instituten steht der Hypothekenbereich oft für bis zu zwei Drittel, in Einzelfällen sogar drei Viertel der Forderungen gegenüber Kunden. Entsprechend wichtig ist der Deckungsbeitrag, der in dieser Sparte erwirtschaftet wird.

Da sorgt der Gewinnverfall durch die neuen Player am Markt, etwa die ING Groep, für Probleme. Und noch härteren Kampf um jeden Kunden mit akzeptabler Bonität. Branchenexperten zufolge gilt eine Bruttomarge von 0,7 bis 0,8 Prozentpunkten im Hypothekengeschäft als einigermaßen auskömmlich. Derzeit sind aber nur Margen von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten realistisch. Das heißt: Viele Banken, sowohl öffentlich-rechtliche, jene mit genossenschaftlichem Hintergrund als auch privatrechtlich organisierte Institute stehen unter Druck, durch eine Ausweitung der Kundenzahl die Kostenseite durch Skaleneffekte zu entlasten.

Das ist die klassische Zeit der Vermittler. Die Postbank hat BHW akquiriert, und nun bietet die ING Groep für die Interhyp AG stolze 64 Euro, was einem satten Aufschlag von gut 30 % auf den vorherigen Kurs entspricht. Ob der Deal Sinn macht, darf dabei sogar bezweifelt werden, denn damit ist die Unabhängigkeit der Interhyp perdu und damit das größte Argument für Kunden, die Dienstleistung des Online-Maklers in Anspruch zu nehmen. Auf alle Fälle zeigt dies aber die Attraktivität der Baufinanzierungs-Makler. Das ist im Übrigen nicht nur in der Bundesrepublik der Fall, sondern lässt sich auf viele weitere europäische Länder übertragen

Das heißt, dass Spezialisten wie die kürzlich an die Börse gekommene Hypoport attraktiv für eine kleine Übernahme-Spekulation sein könnten. Aber auch die klassischen Finanzvermittler verdienen einen genaueren Blick auf ihr Hypotheken-Vermittlungs-Geschäft, das von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ausgeprägt ist. Für besonders nervenstarke Anleger findet sich auf den europäischen Kurszetteln der eine oder andere einschlägige Dienstleister, der von der aktuellen Situation profitieren könnte.

Stefan Preuß

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