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Das erste Quartal war mit 16 IPOs noch eine Spur verschlafener als der träge Jahresauftakt 2001, als der US-Markt 17 Neuemissionen zählte. Am Ende des Jahres 2001 wurden es dann nicht einmal 100 Unternehmen und damit nur ein Viertel des Durchschnitts der 90er Jahre (ca. 400 IPOs p.a.). Nun kann man das letzte Jahrzehnt, in dem es zugegebenermaßen einen nach oben überschießenden Bullenmarkt gegeben hatte, sicher nicht als Maßstab anlegen.

1982 war der letzte große zyklische Tiefpunkt der Börsen, als US-Aktien mit einem einstelligen KGV sogar unterbewertet waren. Seitdem ist die Anzahl der IPOs unter Schwankungen angestiegen und wurde nur 1987 durch den damaligen Crash unterbrochen. Doch erst 1991 stiegen die Deals wieder an, d.h., der Rücksetzer hat am Aktienmarkt zu einer weit länger anhaltenden IPO-Baisse führte. Vor allem der erlittene Vertrauensverlust kommt als Erklärung in Frage.

Dies ist noch signifikanter, wenn man sich den Bear Market der 70er Jahre ansieht. Nach Schöpfung der Computerbörse Nasdaq im Frühjahr 1971 hagelte es ein Jahr später über 400 Neuemissionen – eine Zahl, die nur 1983, 1986 und dann erst wieder in den 90er Jahren überboten wurde. Nach dem ersten Ölpreisschock und der Baisse der Märkte Mitte der 70er lag der IPO-Markt bis 1982 praktisch brach. Die Zyklizität des IPO-Geschäfts ist also mehr als frappierend, und die Amplituden der Emissionstätigkeit scheinen die jeweils vorherrschende Börsenphase noch zu überzeichnen. Umschwünge scheinen nicht zeitgleich oder zeitnah wahrgenommen zu werden, sondern zeitversetzt, und das teilweise bis zu mehreren Jahren. Vor allem „Crashs“ scheinen das Vertrauen nachhaltig und dauerhaft zu erschüttern, sowohl bei Unternehmen als auch bei Investoren.

Vor diesem Hintergrund ist also selbst bei einem „guten“ Börsenjahr 2002 –, das alles andere als sicher ist – nicht mit einem Kickstart zurück auch nur annäherungsweise in alte Höhen zu rechnen. Das laufende Jahr dürfte daher 90 plus/minus 25 US-IPOs bringen. Die Statistik läßt darüber hinaus auch für die nähere Zukunft nur einen moderaten Aufschwung erwarten, selbst wenn die Börsen sich endlich wieder aufbäumen könnten. Beruhigend ist zumindest der Umstand zu werten, daß IPOs aus schwierigen Phasen in der Regel ein weit längeres Börsenleben vor sich haben als Eintags-Highflyer.

Diesen Beitrag können Sie auch im aktuellen GoingPublic Magazin 06/2002 nachlesen, das heute im Handel erscheint.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.