Gerade habe ich einen Fall selbst erlebt. Eine junge Frau, drei Jahre vor ihrem 30. Geburtstag, schließt einen Vertrag über eine Riester-Rente ab. Zahlt pünktlich ihre Beiträge ein, doch nach zwei Jahren ist noch kaum etwas auf ihrem Vermögenskonto angekommen. Fast alles hat die Versicherungsgesellschaft für sich selbst eingesteckt. Und das wird auch in der Zukunft nicht viel anders aussehen.

Nimmt man den garantierten Rentenanspruch, dann zahlt die Frau 37 Jahre lang ein – und bekommt erst dann mehr heraus als sie eingezahlt hat, wenn sie das 85. Lebensjahr überschritten hat. Nun sollen ja Frauen statistisch durchaus älter werden, doch sich einem derartigen Modell zu unterwerfen, ist wirklich einigermaßen bizarr. Ein groteskes Schurkenstück, was hier im Namen des öffentlichen Wohlmeines aufgeführt wird.

Hinzu kommt in ganz entscheidendem Maße, dass die Vertriebskosten den Staatszuschuss zu diesem Rentenmodell nahezu auffressen. Was für ein volkswirtschaftlicher Schabernack, der hier getrieben wird. Die staatliche Förderung fließt beinahe in Gesamtheit in die Versicherungswirtschaft, und die Versicherten sind gefoppt. Würden wir dieses ganze Versicherungsmodell kippen und jeden Sparwilligen auf ein Sparbuch einzahlen lassen, käme dabei weit mehr heraus. Doch dann würden die Versicherungen ja nicht verdienen.

Doch das ist nur der erste Katastrophenbefund der Riester-Rente. Der zweite besteht darin, dass die Ansparbeträge der Riester-Rente weitgehend in Aktien investiert sind – und sich dadurch schnell einmal binnen eines Jahres halbiert haben. Auch hier wurde anscheinend vollständig auf die Provisionserzielung geschaut, verbunden mit blauäugiger Naivität, denn ein wärmerer Regen als die monatlichen Riester-Beiträge sind für die Fonds- und Versicherungsunternehmen gar nicht zu erdenken.

Ein privates Ansparen allerdings so stark auf die Börse zuzuschneiden, setzt das gesamte Modell dem Scheitern aus. Denn ob derjenige, der jetzt die Mitteilung über seine Ansparsumme bekommt, und sieht, dass das, was nicht von den Provisionen aufgefressen ist, nun in der Finanzkrise halbiert wurde, noch weiterzahlen wird, ist äußerst zweifelhaft.

Und es kommt noch etwas Drittes hinzu, denn mitten im Tiefpunkt der Finanzkrise hat die Union Investment dieser Tage die Reißleine gezogen und 360.000 Riester-Sparer von Aktienfonds in Rentenfonds umgeschichtet. So werden aus Buchverlusten reale Verluste, denen dann natürlich neue Provisionen in Form der Ausgabeaufschläge auf die Rentenfonds gegenüberstehen. Wohl bekommt’s.

Am Ende ist es wieder das gleiche Bild wie immer: Staatliche Fürsorge führt zu nichts. Jedenfalls bringt es denen, für die sie gedacht war, nichts Gutes. Profitieren tun hier ganz andere. Es könnte aber natürlich auch sein, so wird man jetzt einwenden, dass wir alle wesentlich älter werden als heute gedacht und das Versicherungsmodell deshalb etwas Positives hätte. Doch wenn dem wirklich so wäre, sänken sofort die Überschussbeteiligungen, und der Rentner würde durch eine weitere Besteuerung seiner Rente die Schieflage der Versicherungen wieder auffangen müssen. Das Beste, was ein Riester-Sparer also tun kann, ist, seinen Vertrag schnellstmöglich zu kündigen, wenn die Aktien wieder besser stehen. Weg mit diesem Mist! Und selbst in Eigenregie ansparen!

Bernd Niquet

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