Die Wirtschaftspresse ist voll davon. Die besten Durchhalteparolen in unzähligen Varianten, „ Was tun im Abschwung!“ und so weiter. Nett zu lesen, für den, der nicht investiert ist. Dem zitternden Anleger aber dürfte das wenig helfen. Besser sind da schon die Prophezeiungen um den Beginn des nächsten Aufschwungs. Viel falsch machen kann man da eh nicht, weil es ja letztlich doch keiner wirklich vorhersagen kann.

Trotzdem gibt es so etwas wie eine wissenschaftliche Art der Weissagung, das sind dann die Indikatoren. Technische, makroökonomische, der Kreativität sind diesbezüglich wenig Grenzen gesetzt. Einen sehr hohen Unterhaltungswert haben dabei die Stimmungsindikatoren. Was gezeigt wird, ist plastisch und jeder versteht es. Bestes Beispiel: der „Bild“-Indikator, der als Stimmungsindikator bestens für exaktes Timing geeignet sein soll. Wer seine Aktien verkaufte, als die Bild-Zeitung im Frühjahr 2000 mit der Jahrhunderthausse warb, der hätte sich viel Ärger erspart. Ein klassischer Kontraindikator eben, als zielsicherer Anzeiger für die absoluten Hochs im Markt – und die Tiefs.

Gewiefte Investoren rennen deswegen jeden Morgen zum Kiosk, denn die Verkündung des absoluten Tiefpunktes könnte jeden Tag erscheinen. Möglich, daß es auch diesmal wieder der richtige Zeitpunkt sein wird, um einzusteigen. Das Interesse der Investoren dürfte jedenfalls groß sein.

Aber vielleicht ist es dann auch nur eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. Weil viele glauben, daß mit der „Bild“-Schlagzeile von der „Killer-Baisse“ das Ende des Abschwungs endlich eingeläutet wäre, würden wieder Aktien gekauft – und der Bild-Indikator hätte einmal mehr Recht gehabt.

Wenn das aber so ist, dann brauchen wir auf den nächsten Aufschwung nicht länger zu warten. Den Einkaufsmanager-Index kann man nicht beeinflussen, aber die Bild-Zeitung wird jeden Tag neu gedruckt. Warum also nicht der Zukunft etwas vorgreifen und dem Kurssturz ein Ende bereiten, eine einzige Schlagzeile könnte reichen… Also bitte, liebe „Bild“: Mach uns doch den nächsten Aufschwung!

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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