Werbung

Stellen Sie sich vor, Sie würden sich die Planungen großer deutscher Versicherungsgesellschaften zu eigen machen und ebenfalls beschließen, den Anteil zum Beispiel an Private Equity in Ihrem Portfolio drastisch hochzufahren. Sie nehmen an, daß mindestens die Berater der großen Banken, die sich die „vermögenden Privatkunden“ herauszupicken suchen und den Rest des Volkes auch schon mal mit dezenter Hochnäsigkeit abservieren, bei der Suche nach dem passenden Produkt aus dem runden Dutzend aktueller, deutscher Private Equity-Dachfonds helfen können.

Schon der Einstieg des (überraschend zeitnah!) zurückrufenden Bankberaters in das Gespräch läßt stutzen: „Sie suchen eine steueroptimale Geldanlage? Da kann ich Ihnen helfen…“ Pardon, Herr Berater, ich wollte einen Private Equity-Dachfonds, üblicherweise in Form einer rein vermögensverwaltenden, also nicht-gewerblichen KG gehalten, wo Verlustzuweisungen praktisch nicht vorkommen. Ein Mißverständnis oder Übermittlungsfehler der Telefonzentrale vielleicht? Macht nichts.

Doch der Stirnrunzelfaktor schnellt spätestens dann in die Höhe, wenn der Berater fragt, warum Sie ausgerechnet ein solches Produkt wollen und worin Sie dessen Vorteile sehen. Nachdem Sie dem gutbezahlten Beraterbanker / Bankberater ein Kurzreferat über die Chancen internationaler Venture Capital- und Buy-out-Fonds, über Risikostreuung auf 200 und mehr Einzelbeteiligungen, über die historischen Performances von Top-Quartile-Fonds sowie die bescheidenen Einstiegssummen von 20.000 Euro beim Dachfonds gegenüber den üblichen 2 Mio. Euro bei den Zielfonds gehalten haben, kommt die Krönung:

„Wir haben da ein paar ganz attraktive Schiffsfonds, bei denen Sie sich an einem oder sogar mehreren Schiffen beteiligen können. Mehr als 11 % prognostizierte Rendite p.a. …“ Doch wohl theoretische Vorsteuerrendite für Spitzenverdiener, Herr Berater? „Aber nein, auf Basis eines Steuersatzes von lediglich 40 % kalkuliert.“ Aha, aber dennoch eine „vor normalem Steuerabzug“ hochgerechnete, theoretische Rendite, die bekanntlich aufgrund der günstigen Tonnagesteuer bei Schiffsfonds etwas höher auszufallen pflegt.

Vielen Dank für das Gespräch, vielleicht rufe ich noch mal an, wenn ich wieder Lust auf Anlagesatire verspüre.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie das askGoingPublic-Board: Stellen Sie GoingPublic Ihre Fragen oder diskutieren Sie die Fragen anderer User!

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.