Immer mehr mittelständische Unternehmen nutzen die Möglichkeit, sich über Unternehmensanleihen Fremdkapital zu beschaffen und sich damit am Kapitalmarkt zu finanzieren. Im Vorfeld der Anleiheemission sollten die Themen Investorenansprache und Investoreninformation in den Fokus des Mittelständlers rücken. Neben dem rechtlich verbindlichen Wertpapierprospekt und dem mittlerweile von nahezu allen Börsen vorgeschriebenen Ratingbericht stellt ein Credit Research ein weiteres bedeutendes Instrument zur erfolgreichen Investoreninformation und -ansprache dar.

Möglichkeiten zur Risikoeinschätzung für Anleger wichtig

Um Investoren zu überzeugen und für die Zeichnung der eigenen Anleihen zu gewinnen, muss der Emittent den Anlegern die Risikoeinschätzung des Unternehmens und der Unternehmensanleihe ermöglichen – und dies möglichst transparent, einfach und schnell. Hierfür sollte der Emittent potenziellen Investoren folgende drei Unterlagen zur Verfügung stellen:

  1. Wertpapierprospekt (zur rechtlichen Risikoeinschätzung)
  2. Ratingbericht (zur wirtschaftlichen Bonitätseinschätzung auf Basis historischer Daten)
  3. Credit-Research-Bericht (zur wirtschaftlichen Bonitätseinschätzung auf Basis zukunftsgerichteter Analystenprognosen und Einstufung der Anleihe im Marktvergleich)

Im Wertpapierprospekt müssen die möglichen rechtlichen Risiken zum Unternehmen und der Unternehmensanleihe detailliert aufgelistet und beschrieben werden. Anleger erhalten damit beispielsweise klare Informationen zu Eigentumsverhältnissen, möglichen laufenden Rechtsstreitigkeiten sowie die Details zu den Anleihenbedingungen. Somit wird eine rechtliche Risikoeinschätzung für Anleger möglich. Bei öffentlichen Anleihenemissionen ist ein Wertpapierprospekt i.d.R. gesetzlich vorgeschrieben.

Des Weiteren schreiben mittlerweile fast alle Börsen die Bereitstellung eines Emittentenratings zur Bonitätseinschätzung vor. Dem Anleger wird dabei eine gute Risikoeinschätzung des Mittelstandsunternehmens auf Basis historischer Daten ermöglicht, sofern neben der Rating-Note (wie z.B. BBB) zumindest ein Auszug, bestmöglich jedoch der gesamte Ratingbericht zur Verfügung gestellt wird.

Wertpapierprospekt und Ratingbericht sind aus unserer Sicht notwendige, aber noch nicht ausreichende Informationen für die Investoren im Rahmen einer Emission von Unternehmensanleihen. Denn weder der Wertpapierprospekt noch das Rating beinhalten i.d.R. transparente Prognosen über die weitere Entwicklung des Mittelstandsunternehmens. Gerade die erwartete Zukunftsentwicklung ist aber für Investoren besonders wichtig.

Und auch die Analyse und Einordnung der Ausstattungsmerkmale der Anleihe (z.B. Höhe des Zinskupons, Anleihenlaufzeit, Zinszahlungsintervalle, Kündigungsrechte etc.) und der Vergleich zu am Markt bereits gehandelten oder kürzlich begebenen Anleihen („Peergroup-Vergleich“) werden durch den Wertpapierprospekt und das Rating noch nicht ermöglicht.

Quelle: GBC AG

 

Prognosen zur Unternehmensentwicklung

Hier setzt ein Credit-Research-Bericht an. Zum einen werden der Wertpapierprospekt und der Ratingbericht als wichtige Informationsgrundlagen herangezogen. Des Weiteren verarbeitet der Analyst aber zusätzlich zahlreiche weitere Informationen und Erkenntnisse aus eigenen Recherchen und Gesprächen mit dem Management des Mittelstandsunternehmens. So beinhaltet ein Credit Research schließlich insbesondere auch klare Prognosen und Schätzungen über die weitere Unternehmensentwicklung.

Zukünftige Bonität ist entscheidend

Gerade eine fundierte Analyse und Prognose der weiteren Unternehmensentwicklung ist für Anleiheninvestoren selbstredend von besonderer Bedeutung. Denn speziell aus dem zukünftigen operativen Gewinn muss das Mittelstandsunternehmen die Zinszahlungen und auch (falls nicht vorzeitig prolongiert wird) die zukünftige Rückzahlung tragen können. Hierbei sind Kennzahlen wie z.B. prognostizierte Zinsdeckungsgrade (Interest Coverage Ratio) von entscheidender Bedeutung. Dadurch lässt sich auf Basis der Prognosen eine „zukünftige Bonität“ bestimmen.

Im Credit Research ist zudem die geplante Mittelverwendung aus der Unternehmensanleihe ein essenzieller Faktor, und so stellt beispielsweise eine Vor-Anleihen-Betrachtung („Pre-Money“) und Nach-Anleihen-Betrachtung („Post-Money“) eine transparenzfördernde Information für Investoren dar.

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