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Sinn macht eine solche Übernahme allemal. Zu ähnlich sind sowohl das Geschäftsmodell als auch die Strategie. Beide wollen künftig in andere Bereiche wie Musik, Videos und Software hineinwachsen und enger mit dem traditionellen Buchhandel kooperieren. buch.de hat sich zu diesem Zweck die Douglas AG als strategischen Investor ins Boot geholt. Über die Universitätsbuchhandlung Phönix, einer Douglas-Tochter, soll die Vernetzung mit dem stationären Buchhandel bewältigt werden. buecher.de verfolgt die gleiche Strategie, wagt diesen Schritt jedoch bisher aus eigener Kraft.

Auch sonst unterscheidet die beiden Mitbewerber nicht viel mehr voneinander als den Singular vom Plural. Zwar gibt es in der Vertriebsstrategie einige Unterschiede: buch.de betreibt ein eigenes Bücherlager und ist daher etwas unabhängiger gegenüber Marktschwankungen als sein direkter Mitbewerber. Dieser arbeitet dafür eng mit dem Großhändler Libri zusammen, der den Vertrieb übernimmt. buecher.de weist daher eine wesentlich günstigere Kostenstruktur auf. Um sich besser als Vermarkter multimedialer Inhalte zu etablieren, hat sich buecher.de nun in mediantis umbenannt. Die Domain buecher.de bleibt jedoch bis auf weiteres bestehen. Um die Verwechslungsmöglichkeiten noch zu vergrößern, tritt buecher.de in der Schweiz unter der Domain buch.ch auf. Was also spricht noch gegen eine Übernahme oder Kooperation zwischen den beiden Medienvertrieben?

Da wäre zunächst einmal die alte Rivalität unter Mitbewerbern: Die beiden Unternehmen sind fast zum gleichen Zeitpunkt operativ tätig geworden und an die Börse gegangen (buecher.de: 5. Juli 1999, buch.de: 8. November 1999). Im zunächst rein deutschen Kampf im Online-Buchhandel haben sich beide Firmen lange Zeit ein packendes Rennen geliefert, wobei buecher.de von Anfang an die Nase vorne hatte. Während buecher.de bereits Ende 1999 einen Umsatz von 8,4 Mio. Euro erwirtschaften konnte, ist diese Zahl für buch.de allenfalls in diesem Jahr erreichbar. Spätestens seit dem intensivierten Auftritt von Amazon im deutschen Markt im Weihnachtsgeschäft 1999 wurde dieser Kampf jedoch zu einem Nebenkriegsschauplatz degradiert.

Letztlich geht es für beide Unternehmen um das nackte Überleben. Neben Amazon, bol sowie den im Internet vertretenen Musikverlagen haben sich eine ganze Reihe von kleineren Mitbewerbern den wachstumsträchtigen deutschen Markt als Zielscheibe auserkoren. Eine Bereinigung und Bündelung der Kräfte scheint dringend geboten. Zwar will buecher.de-Chef Richard von Rheinbaben ein offizielles Übernahmeangebot erst dann abgeben, wenn das Kursverhältnis 4 zu 1 beträgt, die Voraussetzungen wären jedoch schon jetzt gegeben: Die Firmenkasse bei buecher.de ist mit ca. 25 Mio. Euro liquiden Mitteln gut gefüllt, eine Akquisition von buch.de, das an der Börse eben zu diesem Preis bewertet ist, wäre gewissermaßen aus der Portokasse finanzierbar. Auch der buch.de-Großaktionär Douglas dürfte dem Vorhaben generell nicht abgeneigt sein, da davon letztlich die Tochter Phönix profitieren würde.

Es dürfte nun an der Zeit sein, dem Verwirrspiel ein Ende zu bereiten und das zusammenzuführen, was im Prinzip schon lange zusammengehört.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.