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Das Unternehmen galt dereinst als Star unter den europäischen LifeScience-Werten. Der Stern verglühte allerdings schnell. Vom Börsenliebling mutierte British Biotech zum Börsenstiefkind. Heute versucht das Unternehmen krampfhaft, ein neues Image aufzubauen.

Der Chart von British Biotech läßt das Herz eines jeden Leerverkäufers höher schlagen. Zu besten Zeiten mit 1,9 Mrd. GBP bewertet, ist British Biotech heute nur noch rund 150 Mio. GBP wert. Die Hoffnungen, die Börse und Forscher des Unternehmens gleichermaßen in das Medikament Marimastat gesteckt hatten, wurden bitter enttäuscht. Das vermeintliche Krebsmittel brachte nicht die erwarteten Resultate. Tatsache ist, daß das Medikament bisher noch in keinem Test bessere Ergebnisse erzielt hat als das Kontroll-Placebo. Dennoch hielt das Management über Jahre hinweg an dem Mittel fest. Mittlerweile hat ein neues Management das Ruder übernommen – sollten die nächsten Tests wieder enttäuschen, so wird Marimastat ein Ende bereitet. Außer diesem schier aussichtslosen Krebsmittel gilt die Aufmerksamkeit der British Biotech Forscher noch verschiedenen Antibiotika.

Bereits im Juni hatte British Biotech eine tiefschürfende Reorganisation angekündigt. Von den 230 Beschäftigten werden nur 140 weiterbeschäftigt. Besonders im Forschungsbereich kappte das Management Stellen. Gestern meldete das Unternehmen schließlich Zahlen, die wieder leichte Hoffnung bei den Aktionären aufkommen ließen. Die Aktie stieg von niedrigem Niveau aus knapp 10 %, steht aber noch immer nahe an ihrem Allzeittief. Für das vergangene Geschäftsjahr, das am 30. April zu Ende ging, meldete British Biotech Verluste von 25,4 Mio. GBP gegenüber 39,5 Mio. GBP im Vorjahr und lag damit im Rahmen der Analystenschätzungen.

Das Geld wird British Biotech so schnell nicht ausgehen. Das Unternehmen sitzt auf Reserven von rund 75 Mio. GBP. Die angekündigte Restrukturierung wird dafür sorgen, daß dieser Bestand noch ein paar Jahre hält. Doch eine schlanke Struktur nützt dem Unternehmen nicht viel. Das neue Management muß beweisen, daß es innovative Produkte entwickeln und vermarkten kann. Lichtblick für das Unternehmen ist eine enge Partnerschaft mit Schering Plough. Der Pharmariese hat sich an British Biotech beteiligt und Exclusivrechte für Marimastat erworben. Um einen frischen Start zu signalisieren und Investoren neu zu umwerben denkt British Biotech nun auch über eine Namensänderung nach.

Jean Paul hat einmal gesagt, daß die schlimmsten Fehler begangen werden, wenn man versucht, vergangene Fehler wieder gutzumachen. Bleibt zu hoffen, daß British Biotech diese Weisheit nicht bestätigt. Andererseits kann es ja nicht mehr viel schlimmer kommen.

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