Was ist schief gelaufen? Der Auftrag war doch gedeckt, die Order rechtzeitig erteilt und die Mindestauftragsgröße bei weitem übertroffen. Daran aber dürfte es wohl kaum gelegen haben. „Das System ist schuld“, könnten Sie jetzt in ´68-Manier anklagend erwidern – und hätten damit sogar recht, denn das derzeitige Verfahren, das sogenannte Bookbuilding weist gerade bezüglich der Emissionen am Neuen Markt eklatante Schwächen auf.

Natürlich, gegenüber dem klassischen Festpreisverfahren ist auch das Bookbuilding eine Innovation, aber gerade im Hinblick auf das mehr als große Interesse der Anleger an den Wachstumsunternehmen des Neuen Marktes ist auch mit diesem Verfahren eine marktnahe Emissionspreisfindung nicht mehr gewährleistet.

Während der Bookbuilding-Phase geben institutionelle und später auch private Investoren, meist unter Nennung ihrer Preisvorstellungen, die Zeichnungsaufträge innerhalb der vorher im Pre-Marketing und basierend auf Research-Studien festgelegten Preisspanne ab. Diese laufen schließlich beim Bookrunner im Orderbuch zusammen. Das Orderbuch ermöglicht eine Analyse der Preissensitivität der Nachfrage, die in einer endgültigen Festlegung des Plazierungspreises wie auch einer (meist) qualitätsorientierten Allokation der Aktien mündet.

Der Nachfrageüberhang, der sich bei der Emission von PopNet in Form einer etwa 300 %igen Differenz zwischen Ausgabepreis und Erstnotiz manifestierte, macht die Schwächen des Verfahrens deutlich. Das Emissionskonsortium muß sich die Frage stellen, ob dem betreuten Internet-Dienstleister nicht ein beträchtlicher Teil des möglichen Emissionserlöses entgangen ist. Dem Unternehmen sind 31,25 Mio. Euro Eigenkapital zugeflossen. Wie die Erstnotiz zeigt, wären jedoch auch 80 – 100 Mio. Euro durchaus realisierbar gewesen, ohne die Anleger zu sehr zu „melken“ und einer weiterhin positiven Kursperformance entgegen zu wirken.

Ein Verfahren, das in der aktuellen Situation eine erhebliche Verbesserung bedeuten würde, ist das sog. Auktionsverfahren. Der anstehende Börsengang der Trius AG (Emissionsdatum 9.3.2000)wird auf diese Weise durchgeführt. Dabei können interessierte Anleger während der Zeichnungsfrist ihr Gebot abgeben, das sich an einem wie beim Bookbuilding-Verfahren ermittelten Mindestpreis orientiert. Nach Ablauf der Frist erhalten alle Anleger, beginnend mit dem höchsten Gebot, so lange eine Zuteilung, bis das Emissionsvolumen ausgeschöpft ist. Die Höhe des niedrigsten Gebotes, das zum Zuge kommt, bestimmt dabei den Ausgabepreis.

Ziel dieses Verfahren ist es demnach, die Lücke zwischen Ausgabepreis und Erstnotiz auf ein „erträgliches“ Maß zu reduzieren. Die marktnahe Ermittlung der Preis-Mengen-Funktion unterstützt die Feststellung eines Gleichgewichtspreises. Obwohl die Banken auch bei diesem Verfahren noch an einer Überzeichnung interessiert sind, um die weitere Nachfrage hoch zuhalten, ermöglicht das Auktionspreis-Verfahren eine weit pareto-effizientere Allokation der auszugebenden Aktien, da diejenigen Investoren mit der höchsten Zahlungsbereitschaft zuerst berücksichtigt werden. Ob sich das Auktionsverfahren in Deutschland jedoch durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Die großen Emissionshäuser halten sich bisher noch vornehm zurück.

Exorbitante Zeichnungsgewinne würden mit dem Auktionspreis-Verfahren zwar der Vergangenheit angehören, aber was nützen einem 300 %, wenn man nicht dabei ist.

Die Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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