Wer dachte, daß die Börsen nun eigentlich aufatmen sollen, hat in den letzten Jahren wenig dazugelernt. Das Gegenteil ist vielmehr richtig: Je größer die Unsicherheit, desto weniger förderlich für die Finanzmärkte.

Das Katz- und Maus-Spiel mit Saddam Hussein geht weiter. Noch Sonntag wuchtete sich Außenminister Aziz vor die Kameras und erklärte, daß Irak keinesfalls nachgeben werde – die üblichen Worthülsen eben. In der Nacht auf Dienstag dann die bedingungslose Kapitulation. Wirklich?

Bagdad will Inspektoren wieder ins Land lassen. Großartig. Es ist nicht die Rede davon, daß sie da auch was untersuchen dürfen. Oder vielleicht, ob sie auch wieder rausgelassen werden.

Schon 1998 gab Irak scheinbar nach – ebenfalls unter großen Lobeshymnen für den nimmermüden Generalsekretär Annan, dessen Ausdauer wirklich bewundert werden muß. Sollte er je in Rente gehen, steht zu befürchten, daß er ein geistiges Wrack ist. Weit kamen die Inspektoren damals freilich nicht, und sie wurden wie dumme Schuljungen wieder nach Hause geschickt. Das Spiel auf Zeit rentierte sich aber für Saddam. Der kurze Zeit später erfolgte Militärschlag mit Marschflugkörpern der Amerikaner war vergleichsweise harmlos.

Mit diesem neuen, bekannten taktischen Manöver entzweit Hussein nicht nur die UNO und NATO, sondern er nimmt auch seinem Opponenten im Weißen Haus jeglichen Wind aus den Segeln. Das wird die Stellung von Bush Junior weiter untergraben, vor allem wird es ihm aber den Schwarzen Peter zuschieben. Er ist jetzt der Böse, wenn er die Schlichtung – die natürlich keine ist – als unseriös abtut.

Mit diesem Schachzug wird die Lage nicht besser, sondern schlechter. Die Lager sind gespaltener denn je. Mithin ist die Situation unsicherer denn je. Bushs Militäroperation erscheint aufgeschobener denn je. Was werden ihm die Falken Cheney, Rice et al wohl gesagt haben vor seinem UNO-Auftritt: „Hüte Dich bloß davor, die UNO einzuschalten – es wird in einer Vermittlung enden!“.

Die haben wir jetzt. Damit sind wir ins Jahr 1998 zurückgeworfen. Die Börsen geben die Richtung vor – der Markt hat immer recht – mit dem Dax auf dem Stand von Anfang 1997. Nicht auszuschließen, daß die Zeitreise bis ins Jahr 1991 (Golfkrieg, Teil 1) führen muß.

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Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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