Sie rechnen aufgrund der Leichtbauweise der TubeSolar-Module auch mit einem verstärkten Einsatz auf Gewerbe- und Industriedächern. Wie hoch schätzen sie das Potenzial für TubeSolar in diesem Bereich ein?

TubeSolar-Dachanwendung

Richtig. Wir wollen neben der Agri-Photovoltaik auch den Geschäftsbereich der Solarenergie bei Dachbegrünungen aufbauen. In beiden Bereichen verzeichnen wir gerade eine extrem rege Nachfrage; so erhalten wir mehrfach pro Woche materielle Anfragen von Interessenten. Wir hatten z. B. erst kürzlich den Besuch eines bekannten großen Unternehmens, das sich bei uns erkundigt hat, wie es die Dächer seiner Verwaltungsgebäude und Lagerhallen in Zukunft mit TubeSolar-Modulen ausstatten kann. Da das Unternehmen begrünte Dachflächen hat, ist es sehr schwierig bzw. unpraktikabel dort Flachmodule aufzustellen. Und falls ein Unternehmen keine Grünflächen auf dem Dach hat, bieten unsere Module eben noch den Vorteil der besonderen Leichtbauweise. Dies ist entscheidend, da Unternehmen bei ihrer Dächer-Traglast oft an ihre Grenzen stoßen.

Und bezüglich der Potenzialfrage ist es aktuell so, dass die Nachfrage das Angebot weit überschreitet. Zudem münden die Kundenanfragen alle in langfristige Projekte, sind also über mehrere Jahre ausgelegt. Das wiederum lässt uns die Kapazitätsplanung leichter bewerkstelligen.

Haben sie bestimmte Prioritäten für den geographischen Standort ihrer Fertigungsanlagen?

Neben dem deutschen Markt planen wir durchaus auch für den europäischen Raum etwa in Frankreich oder Italien. Aktuell ist das noch nicht akut, weil wir uns zuerst auf den Aufbau der Fertigung hier in Deutschland konzentrieren wollen. Aber wir haben auch schon Gespräche in den USA geführt und können uns mittelfristig z. B. auch Standorte in Südamerika sehr gut vorstellen. Da die Nachfrage aber weltweit weiter ansteigen wird, werden wir uns keinerlei geographische Restriktionen auferlegen.

Der Ausbau erneuerbarer Energien auf Ackerflächen und Gebäuden wird durch die Ampelkoalition weiter vorangetrieben. Ein Gesetzespaket soll demnach bis Ostern durch das Kabinett gebracht werden. Welche Auswirkungen resultieren daraus für TubeSolar?

Gemäß dem Eckpunktepapier der Bundesregierung soll die Agri-Photovoltaik – also die duale Nutzung von Flächen sowohl für die Landwirtschaft als auch zur Stromerzeugung – grundsätzlich auf allen Ackerflächen möglich sein. Dabei soll unter der Prämisse, dass die landwirtschaftliche Nutzung nur bis zu 15 % durch die Stromerzeugung beeinträchtigt wird, eine Förderung im Rahmen der gemeinsamen EU-Agrarpolitik weiterhin möglich sein. Die Förderung soll im Rahmen des Erneuerbaren Energie Gesetzes (EEG) erfolgen. Die avisierte Umsetzung des Gesetzes im Rahmen des sog. „Osterpakets“ wird den Landwirten Planungssicherheit geben. Wir gehen davon aus, dass dies die Nachfrage nach unserem innovativen Produkt noch weiter erhöhen wird. Unser bisheriges Kapazitätsziel lag bei 250 MW. Aufgrund der starken Nachfrage prüfen wir eine Anhebung dieses mittelfristigen Kapazitätsziels.

Rechnen sie in diesem Zusammenhang auch mit einer erneuten Förderung der Fertigungskapazitäten der TubeSolar AG seitens des Landes Bayern?

Eine Förderung auf Landesebene oder auch durch den Bund würde uns bei dem weiteren Ausbau unserer Fertigung auf jeden Fall helfen. Es geht ja schließlich um ein innovatives Produkt „Made in Germany“, das am Standort Augsburg gefertigt wird. Nicht nur, dass den Erneuerbaren Energien im Allgemeinen die Zukunft gehört, wir machen die ohnehin knappen Flächen doppelt nutzbar.

TubeSolar-Röhre

Anfang letzten Jahres hat sich TubeSolar an der Ascent Solar Technologies Inc., einem Entwickler von Dünnschicht-Photovoltaikmodulen, beteiligt. Wie bewerten sie die Zusammenarbeit mit Ascent Solar und planen sie zukünftig weitere derartige Beteiligungen?

Wir schließen weitere Beteiligungen nicht aus. Bei Ascent Solar handelt es sich für uns nicht nur um eine finanzielle Beteiligung. Vielmehr verfolgen wir eine strategische Zusammenarbeit. Das Unternehmen fertigt über eine spezielle Technologie PV-Dünnschichtfolien, die wir verwenden, und insofern steckt hinter der Beteiligung auch eine Zulieferstrategie. Bisher läuft die Zusammenarbeit mit Ascent Solar sehr gut. Unabhängig davon ist aber auch der Marktwert unserer Beteiligung seitdem deutlich gestiegen.

Herr Mantke, herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 

CFO Felix T. Mantke

Interviewpartner:

Felix T. Mantke

CFO TubeSolar AG

f.mantke@tubesolar.de