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Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zählt zu den industriellen Zentren Europas mit hoher Dichte an Hidden Champions, die häufig in ihrem Bereich Weltmarktführer sind. Am Kapitalmarkt hingegen ist die vom produzierenden Gewerbe dominierte Region sehr deutlich unterrepräsentiert. Das wird auf Sicht auch so bleiben, erwartet Dieter Teufel, Präsident der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, im Interview.

Dieter Teufel
Dieter Teufel

GoingPublic: Herr Teufel, Unternehmen aus Ihrem Kammerbezirk bleiben dem Kapitalmarkt in der Regel fern. Gibt es keinen Investitionsbedarf mehr bei den produzierenden Betrieben?
Teufel: Doch, es wird sogar kräftig investiert. Viele Unternehmen benötigen für ihre Vorhaben aber nur geringe Co-Finanzierungen, da die Familienunternehmen durch sehr behutsame Entnahmen hinreichendes Eigenkapital gebildet haben. Die viel zitierte Kreditklemme kann ich aus unserem Bereich nicht bestätigen. Private, öffentlichrechtliche und genossenschaftlich organisierte Kreditinstitute machen als Hausbanken einen guten Job, wobei die beiden letztgenannten über ihre bewährte Anbindung an die Förderbanken in vielen Fällen bevorzugt werden. Das aktuelle Zinsniveau lässt Unternehmen kaum über alternative Finanzierungsformen nachdenken. Von daher sehe ich auch mittelfristig nicht, dass der Kapitalmarkt
aus unserer Region nennenswert in Anspruch genommen wird. Neue Trends werden aber aufgenommen, Veranstaltungen unserer Kammer zu Crowdfunding oder anderen alternativen Finanzierungsformen in der Startphase stark nachgefragt.

GoingPublic: Spielt eine gewisse Öffentlichkeitsscheu alteingesessener Unternehmen mit, da Aktie oder Anleihe Prospekt- und Berichtspflichten auslösen?
Teufel: Die Unternehmen berichten durchaus offen und transparent, auch wenn manchmal die genauen Ertragszahlen nicht kommuniziert werden. Aus Unternehmersicht spielt aber sicher eine Rolle, dass ja zum Teil erhebliche Kosten für Investor Relations entstehen würden. Auch das Thema Management Attentiveness darf nicht unterschätzt werden, denn Zeit und Konzentration für Vertrieb, Innovationen und Personalentwicklung würden beeinträchtigt.

Thema Nachfolge

GoingPublic: Das Thema Nachfolge wird immer wieder als problematisch dargestellt. Würden gelistete Unternehmen
nicht zumindest auf der Seite der Wertbemessung Dinge vereinfachen?
Teufel: Probleme sehen wir eher im Bereich Erbschaftsteuer. Ich halte das derzeitige Erbschaftsteuergesetz für verfassungsgemäß. Außerdem darf in der Diskussion nicht der Eindruck entstehen, dass es sich um Steuergeschenke an ohnehin Begünstigte handelt. Vielmehr gilt es, den eigentlichen Grund der Verschonung, nämlich die Gemeinwohlwirkung von Betriebsvermögen, in den Vordergrund zu stellen. Eine Besteuerung von Unternehmensnachfolgen würde dazu führen, dass vor allem kleinen und mittelständischen Betrieben Kapital entzogen würde. Geld, das für Innovationen und damit zur Arbeitsplatzsicherung nicht mehr zur Verfügung stünde. Ein Land, das auf einen innovativen Mittelstand angewiesen ist, kann sich eine Erbschaftsbesteuerung, die die Substanz von Unternehmen angreift, schlicht nicht leisten.

GoingPublic: Wie steht der Mittelstand zum geplanten transatlantischen Handelsabkommen TTIP?
Teufel: Wir müssen die Diskussion auf eine sachliche Grundlage stellen. Aus Sicht unserer exportorientierten Wirtschaft, deren wichtigster außereuropäischer Absatzmarkt die USA sind, würde TTIP den transatlantischen Handel beleben und so die Wirtschaft ankurbeln, die Wettbewerbsfähigkeit der Partner stärken und letztendlich neue Arbeitsplätze schaffen. Die Belange unserer mittelständischen Unternehmen müssen im Blick behalten werden. So ist das Streitthema Investitionsschutz
bedeutsam, aber nicht um jeden Preis. In Ländern, die über funktionierende Rechtssysteme verfügen, sind Investoren nicht schutzlos. Die Regulierungsfreiheit der einzelnen Staaten darf nicht ausgehebelt werden. Transparenz im weiteren Prozess ist das oberste Gebot.

GoingPublic: Banken, Börsen und Kapitalmarktteilnehmer stöhnen über die Regelungswut der Aufsichtsbehörden. Kommt das Thema auch im Mittelstand an?
Teufel: Natürlich belastet die Vielzahl an steuerlichen Regelungen, Dokumentationspflichten und gesetzlichen Vorgaben die Unternehmen unter dem Schlagwort Bürokratie enorm. Die Region ist geprägt durch das weltweit wichtigste Medizintechnik-Cluster. Die mittelständischen Unternehmen befürchten durch die geplante EU-Medizinprodukteverordnung Wettbewerbsnachteile. Grundsätzlich werden dieser innovativen Branche durch hohe bürokratische Hürden immer mehr Steine in den Weg gelegt, die die Innovationsstärke ausbremsen.

GoingPublic: Herr Teufel, vielen Dank für das interessante Interview.

Das Interview erschien zuerst im GoingPublic Magazin 12 Ende November. Die Fragen stellte Stefan Preuß.

 

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