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In seiner langjährigen Tradition hat das Bankhaus Metzler schon viele Umbrüche miterlebt. Haben Sie das Gefühl, gut für die Zukunft aufgestellt zu sein, besonders hinsichtlich neuer, digitaler Themen wie Blockchain, künstliche Intelligenz & Co.?

Die Digitalisierung spielt natürlich auch bei Metzler eine Rolle. Wir möchten aber nicht komplett abhängig von den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung sein, sondern sie nur dort nutzen, wo sie uns sinnvoll erscheint – und wo sie zu unserem Geschäftsportfolio passt, das ja z.B. stark auf persönlichen Kundenkontakt ausgerichtet ist. So kommt etwa ein Robo-Advisor, der die Vermögensberatung von Kunden vollständig automatisieren würde, für uns nicht infrage. Im Bereich Absolute Return und Wertsicherung im Asset Management nutzen wir aber schon lange regelgebundene Systeme, die unabhängig von der Marktmeinung prognosefreie Allokationen umsetzen. Trotz der vielen Möglichkeiten der Digitalisierung sollten wir uns immer die Frage stellen, was für den Kunden wichtig ist.

In einer immer digitaleren, automatisierten Welt stellt sich die Frage: Welche Bedeutung haben Werte wie Ethik und Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang?

Nachhaltige Finanzprodukte gewinnen immer mehr an Bedeutung – insbesondere im institutionellen Asset Management, denn die Kunden orientieren sich heute deutlich stärker an ethischen Maßstäben. Wichtig ist aber aus meiner Sicht, diese Werte nicht nur – etwa in den Investmentprozess – zu integrieren, sondern auch im eigenen Unternehmen umzusetzen. Das haben wir z.B. über die Metzler-Stiftung schon seit vielen Jahren gemacht – denn nur wenn Werte glaubwürdig vorgelebt werden, kann ein Unternehmen das Vertrauen der Kunden gewinnen und damit auch erfolgreich sein. Zu einem nachhaltigen Wirtschaften gehört für uns, den Geschäftserfolg bzw. die Leistung unserer Mitarbeiter an der langfristigen Zufriedenheit unserer Kunden zu messen. Konkret heißt das: Wir sind erst zufrieden, wenn es auch der Kunde ist – wenn er bei uns bleibt und uns weiterempfiehlt. Und das zahlt sich langfristig natürlich auch wirtschaftlich aus.

Als Familienunternehmen hat das Bankhaus Metzler den Ruf, langfristig und risikoavers zu planen. Wird das mit einem in der Zukunft liegenden Generationenwechsel auch so bleiben? Schließlich wird die jüngere, „digitale“ Generation oft als risikofreudiger wahrgenommen.

Wir wollen, dass die Bank auch nach weit über 340 Jahren erfolgreich ist – und damit auch unabhängig bleiben kann. Das ist unser erstes Geschäftsziel. Entsprechend führen wir das Geschäft besonders vorsichtig und verzichten auf gewisse gewinnmaximierende Möglichkeiten.  Erste Priorität hat bei uns vielmehr, dass sich die Gewinne über einen längeren Zeitraum solide entwickeln und wir unser Eigenkapital weiter stärken können.

Wir leben aktuell in turbulenten Zeiten, man denke nur an Brexit, den zunehmenden Populismus und die fortschreitende Digitalisierung – wie wichtig ist soziale Verantwortung aus Unternehmersicht in diesen unruhigen Zeiten?

Ich bin mit der Überzeugung aufgewachsen, dass es wichtig ist, sich um gesellschaftliche Fragen zu kümmern, Gutes zu tun und andere Menschen dazu zu motivieren oder mittels finanzieller Zuwendung einen Beitrag zu leisten. Das Engagement für meine Heimatstadt Frankfurt am Main gehört zur Tradition unseres Bankhauses, und ich bin stolz, dass es uns gelingt, sie weiterzuführen. Der Blick über den Tellerrand ist für uns ganz wichtig: Als Wirtschaftsunternehmen sind wir selbstverständlich Teil der Gesellschaft. Wir leben mit ihr und von ihr. Wir können es uns nicht leisten, den Blick vom Gesamtbild abzuwenden, nur angenehme und bekannte Dinge wahrzunehmen. Dies würde unsere Erkenntnisfähigkeit einschränken und damit auch letztendlich unsere Eignung infrage stellen, unternehmerisch richtig handeln zu können.

GoingPublic: Herr von Metzler, wir danken Ihnen für die Antworten auf unsere Fragen und die Zeit, die Sie sich für uns genommen haben.

 Das Interview führten Svenja Liebig und Tim Veigel.

Zum Interviewpartner:

Friedrich von Metzler ist seit 1971 persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA. Die Frankfurter Bank ist auf die Kerngeschäftsfelder Asset Management, Capital Markets, Corporate Finance und Private Banking spezialisiert. Von Metzler ist engagierter Förderer des Finanzplatzes Frankfurt am Main – so war er maßgeblich an der Umwandlung der Frankfurter Wertpapierbörse in die Deutsche Börse AG beteiligt. Soziale Verantwortung prägt sein Handeln: Er gründete 1998 die Albert und Barbara von Metzler-Stiftung, die vorrangig Projekte für Kinder und Jugendliche fördert, und ist noch in weiteren Projekten sozial engagiert.

Dieser Artikel ist eine Vorabveröffentlichung des GoingPublic Magazins (die nächste Ausgabe erscheint am 6.April)

Foto: Bankhaus Metzler