Inwiefern hebt sich FACC von anderen österreichischen Unternehmen ab?

Bezogen auf den österreichischen Kapitalmarkt, sind wir das einzige Luftfahrtunternehmen, das in Österreich notiert ist. Ein weiterer Vorteil, den wir gegenüber anderen Industriezweigen haben, ist die langfristige Planbarkeit unseres Geschäftsmodells. Die Auftragsbücher unserer Kunden stehen im Durchschnitt rund zehn Jahre im Voraus fest. Demnach können wir heute schon ziemlich genau sagen, wie die Lage in den kommenden Jahren sein kann. Diese Langfristigkeit und Visibilität der Luftfahrtindustrie kommt uns demnach sehr zugute. Auch für Anleger ist die Branche sehr interessant, da sie die nächsten fünf bis zehn Jahre gut „vorhersehen“ können. Bei anderen Branchen ist das zum Teil schon schwieriger.

Welche Strategien verfolgen Sie, um auch international bekannter zu werden?

Die Aufgabe des IR-Managers hat sich enorm gewandelt in den letzten Jahren. Jüngst auch bedingt durch MiFID II. In der heutigen Zeit muss man verstärkt selbst aktiv werden, um bei den Aktionären wahrgenommen zu werden. Man muss demnach neue, auch kreative Wege gehen, um Visibilität zu schaffen und seine Equity Story im Markt zu platzieren. Mein Leitsatz lautet deshalb auch: Liquidität kommt von Visibilität. Wir haben in den letzten Monaten gut daran gearbeitet, indem wir auch mal über den Tellerrand geblickt haben. So sind wir nach den USA auch erstmals in Japan auf Roadshow gegangen. Nicht zuletzt, um unsere globale Präsenz am Kapitalmarkt weiter zu stärken. Neue Wege gehen, um Investoren anzusprechen, und neue Märkte erschließen sind sehr wichtige Strategien für uns.

Der Anteil von Privataktionären ist in Österreich – ähnlich wie in Deutschland – schwindend gering. Welche Rolle spielen Privataktionäre dennoch für FACC?

Eine sehr große! Seit mehreren Jahren organisieren wir einen Aktionärstag, der speziell an Privatanleger adressiert ist. Unsere Aktionäre haben somit einmal im Jahr die Möglichkeit, sich aus erster Hand beim Management über die aktuelle Wirtschaftslage von FACC zu informieren und unser Werk vor Ort zu besichtigen. Dieser Aktionärstag ist inzwischen zum größten in ganz Österreich avanciert. Mittlerweile verzeichnen wir fast 300 Anmeldungen – also eine deutlich höhere Präsenz als auf der Hauptversammlung. Auch hier haben wir einen völlig neuen Weg eingeschlagen: So sind wir nicht über den HV-Verteiler gegangen, sondern haben alle wesentlichen österreichischen Depotbanken miteinbezogen und ihnen auch die Möglichkeit geboten, sie vor Ort zu präsentieren. Diese wiederum haben ihre Kunden, die über ein FACC-Portfolio verfügen, darauf aufmerksam gemacht. Ich denke, dieser Aktionärstag bietet einen wichtigen Mehrwert, der unsere Anleger nachhaltig an unser Unternehmen binden kann.

Welche Wachstumsstrategien verfolgen Sie für die Zukunft, und können Sie sich weitere Kapitalmarktmaßnahmen vorstellen?

Die oben angesprochene langfristige Planbarkeit der Branche lässt uns positiv auf die Zukunft blicken. Das Fliegen an sich wird in Zukunft mehr und mehr Bedeutung bekommen; so wird das Flugaufkommen jährlich voraussichtlich um 5% wachsen. Die zivile Luftfahrt braucht in den nächsten 20 Jahren über 40.000 neue effiziente Flugzeuge. Leichtbau und Effizienzsteigerung sind ja genau unsere Kernbereiche, die uns ein solides Wachstum in den nächsten Jahren ermöglichen werden. Zu Ihrer zweiten Frage: Wenn es Bedarf für Kapital geben sollte, werden wir den Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle auch nutzen – das sind ja genau die Vorteile, die eine Börsennotierung bietet

Herr Taverne, vielen Dank für das gute Gespräch!

Das Interview führte Svenja Liebig

Der Artikel erschien zuerst in der April-Ausgabe des GoingPublic Magazins.

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