Die im Jahr 2014 gegründete creditshelf versteht sich als Markt- und Technologieführer im wachstumsstarken Geschäft der digitalen Mittelstandsfinanzierung in Deutschland. Im Juli 2018 feierte das Unternehmen sein Börsendebüt in Frankfurt. Wir sprachen mit dem Management u.a. darüber, was sich seit dem IPO geändert hat und vor welchen Herausforderungen die Finanzbranche in Sachen Digitalisierung steht.

Herr Dr. Thabe, creditshelf ist seit Sommer letzten Jahres an der Frankfurter Börse notiert. Wie lautet Ihr Fazit nach rund sechs Monaten?

Dr. Thabe: Bislang können wir auf jeden Fall eine positive Bilanz ziehen. Wir hatten uns drei Ziele gesetzt, die mit der Börsennotiz verknüpft waren: Erstens wollten wir frisches Kapital einnehmen, zweitens unsere Transparenz erhöhen sowie unsere öffentliche Wahrnehmung steigern und drittens wollten wir die Börsennotiz zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter nutzen. Dies alles ist uns gelungen. Besonders letzterer Punkt war wichtig, denn als börsennotiertes Unternehmen gelingt es einem in der Regel schneller, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Anhand unseres neuen CFOs, Fabian Brügmann, wird dies besonders deutlich.

Herr Brügmann, nach welcher Strategie versuchen Sie, post-IPO neue Investoren

Dr. Tim Thabe und Fabian Brügmann von creditshelf im Gespräch mit GoingPublic-Redakteurin Svenja Liebig
Dr. Tim Thabe und Fabian Brügmann von creditshelf im Gespräch mit GoingPublic-Redakteurin Svenja Liebig

zu gewinnen?

Brügmann: Die Börsennotiz hat viele Folgepflichten – so müssen wir quartalsweise den Anforderungen des Prime Standards in der Berichterstattung gerecht werden. Aber auch nach außen gibt es einiges zu tun. Auch nach dem Börsengang steht das Gewinnen von Investoren für uns mit an erster Stelle – so versuchen wir fortwährend, die Liquidität der Aktie zu erhöhen und die Aktionärsbasis zu verbreitern. Dazu müssen wir rausgehen und die klassischen IR-Formate bedienen, sprich nationale und internationale Roadshows, Calls und Investorenkonferenzen abhalten. Auch die Anzahl der Sell-Side-Analysten wollen wir perspektivisch erhöhen.

Wie ist Ihre Aktionärsstruktur aufgebaut?

Dr. Thabe: Unsere Investoren sind nicht nur auf Deutschland beschränkt. Im Rahmen des Börsengangs haben wir Investorentermine nicht nur in Deutschland, sondern auch vermehrt in Großbritannien und der Schweiz wahrgenommen. Ein Großteil der Investoren kommt demnach aus dieser Region. Besonders im angelsächsischen Raum stößt unser Geschäftsmodell auf viel Zuspruch, nicht zuletzt da der Fintechmarkt speziell in London um einiges stärker entwickelt ist als hierzulande. Mit der Crowdlending-Plattform Funding Circle ist kurz nach uns ein Unternehmen mit vergleichbarem Geschäftsmodell in UK an die Börse gegangen. Demnach kennen die britischen Investoren sich bereits sehr gut aus mit solchen Themen, wie wir sie verfolgen.

Brügmann: Hierbei gilt zu beachten, dass die Ziele Erhöhung der Liquidität und Erhöhung der Qualität der Investorenbasis nicht immer komplementär sind. Natürlich will man als Unternehmen hochqualitative Investoren finden, die auch bereit sind, die Aktie für einen längeren Zeitraum zu halten. Dadurch erhöht sich aber nicht unbedingt die Liquidität. Von daher ist es umso wichtiger, eine Balance zu finden und einen gesunden Mix an Investoren mit an Bord zu haben. Besonders für Retail-Investoren versuchen wir, ein Investment in unsere Aktie so attraktiv wie möglich zu gestalten. Teil unserer Strategie ist es, mit Investmentbanken zusammenzuarbeiten, um die Liquidität der Aktie zu steigern, was sich wiederum positiv auf die Transaktionskosten auswirkt.

Sie haben jüngst bei Kreditanfragen die 1-Mrd.-EUR-Marke geknackt. Welche weiteren Ziele verfolgen Sie noch in nächster Zeit?

Dr. Thabe: Wir wollen unser Kerngeschäft noch weiter ausbauen. An den jüngsten erfreulichen Zahlen sehen wir, dass der Markt riesig ist und es dort noch unheimlich viel Potenzial gibt. Ein Ziel ist u.a., unsere User Experience noch effizienter und schneller zu gestalten, damit der Endnutzer es künftig auf unserer Plattform noch leichter haben wird. Das Thema Digitalisierung ist und bleibt also der Kern unseres Geschäftsmodells.

Brügmann: Genau diese Digitalisierungsstrategie lässt sich auch eins zu eins in die Equity Story einfügen. Das, was wir nach innen leben, muss auch nach außen getragen werden. So schaffen wir nicht zuletzt für unsere Investoren ein großes Identifikationsmerkmal.

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