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Im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin erklärt der Dr. Albrecht Köhler, was das Geschäftsmodell der Schaltbau Holding auszeichnet, von welchen Trends der Markt getrieben ist und welches Potenzial die Gleichstrom-Technik künftig haben wird.

GoingPublic: Herr Dr. Köhler, bitte erklären Sie uns doch kurz & knapp unseren Lesern, was genau die Schaltbau Holding macht?

Die im Prime Standard notierte Schaltbau Holding gehört mit einem Jahresumsatz von rund 500 Mio. EUR und etwa 3.000 Mitarbeitern zu den international führenden Anbietern von Komponenten und Systemen für die mobile und stationäre Verkehrstechnik sowie die Investitionsgüterindustrie. Die Unternehmen der Schaltbau Group mit ihren etablierten Kernmarken Schaltbau, Bode, Pintsch und SBRS entwickeln hochwertige Technik und kundenspezifische Lösungen für Schienenfahrzeuge, Bahninfrastruktur, Straßenfahrzeuge und weitere industrielle Anwendungen.

Was genau ist stationäre Verkehrstechnik?

In unserem Berichtssegment Stationäre Verkehrstechnik treiben wir mit Pintsch als Spezialist im Bereich Leit- und Sicherungstechnik die Digitalisierung der Bahninfrastruktur voran. Zum Leistungsportfolio gehören neben modernster Signaltechnik bei Bahnübergängen auch Stellwerke und Achszählvorrichtungen; aber auch andere technischen Bereiche werden von Pintsch abgedeckt, wie z.B. Rangier- und Fördertechnik.

…und was mobile Verkehrstechnik?

Die mobile Verkehrstechnik wird in der Schaltbau Group durch den Bode Teilkonzern und die SBRS repräsentiert. Hier erzielen wir aktuell rund die Hälfte unseres Konzernumsatzes. Bode ist einer der weltweit führenden Anbieter von innovativen Tür- und Zugangssystemen für Bahnen, Busse, Nutz- und Elektrofahrzeuge und die Nr. 1 in Europa. Auch hier haben wir die technologische Zukunft fest im Blick. Im September hat Bode die erste mit dem Automobilzulieferer Brose gemeinsam entwickelte Studie eines innovativen Zugangssystems für selbstfahrende Kleinbusse (People Mover) vorgestellt. Derartige Systeme werden sich in einigen Jahren für Flottenanwendungen im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Schlüsseltechnologie entwickeln.Die SBRS konzentriert sich neben der Gesamt- und Teilmodernisierung von Zügen insbesondere auf den schnell wachsenden New Mobility Markt. Die Hochleistungs-Schnellladestationen von SBRS eignen sich für den öffentlichen Personennahverkehr ebenso wie für neue Mobilitätsanwendungen, etwa People Mover oder industrielle Shuttles. Aufgrund der steigenden Anforderungen an den Klimaschutz und die Luftqualität von Städten und Kommunen werden die E-Mobility-Lösungen von SBRS immer häufiger nachgefragt. Schon heute gehören wir in Deutschland zu den Marktführern bei der Schnellladetechnik mit Gleichstrom.

Die Gleichstrom-Technologie ist bei Ihnen ein wichtiges Thema. Welche Vorteile bietet Gleichstrom- gegenüber der Wechselstrom-Technologie?

Gleichstrom hat bei uns eine lange Tradition und deshalb freuen wir uns auch über die Renaissance des Gleichstroms, die sich in immer mehr Bereichen zeigt. Der globale Trend der Energieversorgung und -nutzung geht klar in Richtung Gleichstrom. Dieser ist im Vergleich zu Wechselstrom nachhaltiger, weil er sich speichern und rekuperieren lässt. Schon jetzt wird Gleichstrom in der regenerativen Energiegewinnung und in industriellen Versorgungsnetzen genutzt, um Verlustenergie speichern und damit Lastspitzen glätten zu können. Schließlich spielt Gleichstrom natürlich beim Schnellladen von batteriebetriebenen Fahrzeugen, insbesondere im Personennahverkehr, eine herausragende Rolle.Wir sind aufgrund unserer langjährigen Historie im Bahnbereich einer der wenigen Gleichstromexperten weltweit und damit bestens gerüstet für diese neue Energiewelt. Das Schalten unter Gleichstrom muss zusätzlich gesichert werden, weil es keinen Nullspannungsdurchgang wie bei Wechselstrom gibt. Deshalb werden besondere Schalter, Schütze und Steckverbindungen benötigt, die inzwischen schon seit Jahrzehnten zum Portfolio der Schaltbau GmbH gehören. In diesem Berichtssegment Komponenten erzielen wir rund ein Drittel unseres Konzernumsatzes, übrigens mit sehr attraktiven operativen Margen.

Welche Märkte sind für die Schaltbau Holding die größten Wachstumstreiber?

Mit einem aktuellen Marktvolumen von mehr als 9 Mrd. EUR und einer jährlichen Wachstumsrate von rund 9% ist der weltweite OEM-Markt für Regionalzüge und Nahverkehrszüge eines der größten und dynamischsten Segmente im Eisenbahnsektor. Das kürzlich angekündigte größte Investitionsprogramm der deutschen Bahngeschichte wird dann voraussichtlich ab 2022 auch bei uns für zusätzliches Umsatzwachstum sorgen. Bund und Deutsche Bahn wollen ja bis 2030 rund 86 Mrd. EUR allein in die Schieneninfrastruktur investieren. Unmittelbar bemerkbar macht sich das Wachstum aber schon jetzt in den Märkten New Mobility und New Energy, ebenso wie bei den industriellen Gleichstrom-Anwendungen DC-Industry. Mehrere Marktschätzungen gehen hier von durchschnittlich jährlichen Wachstumsraten über 20% in den nächsten Jahren aus.

Ein Megatrend, den Sie mit ihrer Geschäftstätigkeit abdecken, ist der Bereich der E-Mobilität. Hierzulande hat man das Gefühl, dass es nicht richtig vorwärts geht in der Branche. Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Schwachstellen in der Hinsicht?

Die Automobilindustrie steht vor dem Problem, mit enorm hohen Investitionen eine neue Technologie am Markt zu etablieren, mit der sie gleichzeitig ihr jahrzehntelanges Kerngeschäft in Teilen obsolet machen, insbesondere den Verbrenner-Motor mit seinem Antriebsstrang. Deshalb verändert sich die Wertschöpfungskette in dieser Industrie ja auch gerade erheblich. Aus unserer Sicht sind neben Reichweite und Betriebssicherheit auch die Ladeverfügbarkeit und -geschwindigkeit entscheidende Faktoren für die Akzeptanz bei den Konsumenten. Beim Laden und Entladen, sowie beim Wandeln von Wechselstrom in Gleichstrom und vice versa sind wir mit unseren Produkten und Lösungen am Sweet Spot positioniert.

Welche Wachstumsstrategie verfolgen Sie weiterhin (bezugnehmend auf die Kapitalmarktstrategie)?

Nach erfolgreichem Abschluss unserer Restrukturierungsphase und der vollständigen Refinanzierung unseres Fremdkapitals sind wir bestens für unser weiteres organisches Wachstum gerüstet. Dabei wollen wir in den nächsten fünf Jahren in allen operativen Segmenten gut sichtbare Akzente setzen und so unseren Marktwert deutlich erhöhen.

Herr Dr. Köhler, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Das Interview führte Svenja Liebig

Dr. Albrecht Köhler ist CEO der Schaltbau Holding AG. In seiner direkten Verantwortung bei Schaltbau liegen die Ressorts Unternehmensentwicklung, Technik und Kommunikation sowie die Steuerung der Tochtergesellschaften. Seine strategische und operative IndustrieKompetenz hat Dr. Albrecht Köhler vor seinem Eintritt bei Schaltbau über drei Jahrzehnte in mehreren leitenden Vertriebs- und Operations-Positionen gewonnen, unter anderem bei Knorr Bremse, wo er lange Jahre Mitglied der Geschäftsführung der Schienenfahrzeug-Sparte war. Dr. Albrecht Köhler ist promovierter Diplom-Ingenieur der Fachrichtung Maschinenbau

 

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem aktuellen Magazin.