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Die PSI AG, Softwareentwickler und -integrierer für Energieversorger, Industrieunternehmen sowie Infrastrukturbetreiber, blickt in diesem Jahr auf 50 Jahre Firmenhistorie zurück. Wir sprachen mit IR/PR-Leiter Karsten Pierschke über die Höhen und Tiefen der Vergangenheit sowie über die Erfolgsaussichten der Zukunft.

GoingPublic: Die PSI AG feierte in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum. Worauf in den letzten Jahren blicken Sie mit Wohlwollen zurück?

Pierschke: Bei einer so langen Firmenhistorie gab es natürlich viele Höhen und Tiefen. Besonders die IT-Branche hat sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt, vor allem durch fortschreitende Internationalisierung oder den Trend hin zur Standardsoftware. Allein diese Entwicklung war eine sehr prägende Erfahrung. Zu den positiven Highlights zählte aber natürlich auch der Gang an die Börse vor rund 20 Jahren. Damals war das IPO für PSI überlebensnotwendig. Für mich persönlich war der Schritt an den Kapitalmarkt zudem eine enorme berufliche Chance, da ich die IR-Abteilung komplett neu aufbauen und professionalisieren durfte. Insgesamt war die Zeit des Neuen Marktes schon ziemlich aufregend.

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Karsten Pierschke, PSI AG
Was ist Ihnen in negativer Erinnerung geblieben?

Nach dem Niedergang des Neuen Marktes folgten ein paar Krisenjahre, vor allem für Unternehmen aus dem Technologiesektor. Nachdem wir uns ein paar Jahre später langsam wieder durch unsere Neuaufstellung erholt hatten, folgte der nächste Rückschlag durch die Finanzkrise und einen nicht ganz so freundlichen Übernahmeversuch, den wir aber abwehren konnten. Jedoch hat sich seitdem eine Menge zum Positiven hin entwickelt, und wir können mittlerweile die Früchte der Transformation und Internationalisierung ernten.

Welche Vorteile brachte die Börsennotiz mit sich?

Als börsennotiertes Unternehmen steht man viel stärker im Fokus der Öffentlichkeit. Die Aufnahme von Eigenkapital über die Börse war zudem über die letzten Jahre eine gute Kapitalquelle, um das Wachstum des Unternehmens voranzutreiben. Gerade unseren Kernbereich konnten wir damit stärken. Darüber hinaus hat die Börsennotiz uns u.a. auch ermöglicht, einige M&A-Transaktionen auf der Käuferseite durchzuführen – wie z.B. jüngst die Übernahme eines Wettbewerbers im Netzleitsoftwarebereich. Ohne die Börsennotiz wäre dies kaum möglich gewesen.

Was sind aktuell die größten Änderungen und Herausforderungen in der Softwarebranche, besonders hinsichtlich neuer Trends wie KI?

Künstliche Intelligenz ist ein interessantes Stichwort, denn wir nutzen diese bereits seit mehr als zehn Jahren in unseren Produkten. Als wir die Technologie damals neu einsetzten, war KI noch mit enttäuschten Hoffnungen verbunden – weshalb wir das nie großartig nach außen getragen haben. Das hat sich aber inzwischen gewandelt, denn aktuell herrscht ja ein regelrechter KI-Hype. Besonders hinsichtlich der Knappheit der Stromnetzkapazitäten kann sie von sehr großem Nutzen sein – u.a., um mehr erneuerbare Energien einzuspeisen. KI kann dort einen richtigen Nutzen entfalten und stellt weniger eine von vielen befürchtete Bedrohung dar. Besonders im industriellen Bereich, vornehmlich bei Produktions- und Logistikprozessen, wird KI sicherlich noch stark nachgefragt werden.

Welche Trends sind weitere Treiber Ihres Geschäftsmodells?
Eine Gasleitwarte der ÖMV in Auertal im Jahr 1973 (PSI-Mitarbeiter beim Testen).
Eine Gasleitwarte der ÖMV in Auertal im Jahr 1973 (PSI-Mitarbeiter beim Testen).

Wir glauben, dass neben der bereits angesprochenen KI auch die Energiewende ein wichtiger Treiber ist. So beobachten wir derzeit, dass viele Bereiche, wie z.B. der Wärme- oder der Verkehrssektor, immer stärker digitalisiert und elektrifiziert werden. Die einzelnen Sektoren wachsen teilweise immer enger zusammen. Dieser Wandel kann aber nur mit einer funktionierenden IT dahinter funktionieren. Wir sind z.B. mit unserer Software in Depots des öffentlichen Nahverkehrs – Straßenbahnen, Busse etc. – sehr aktiv. Im Zuge des E-Mobilitätstrends wird nun eine komplett neue Infrastruktur benötigt, z.B. durch „Elektrotankstellen“ und Ähnliches. Hier bedarf es natürlich einer entsprechenden IT-Infrastruktur. Wir prognostizieren besonders hier enormes Potenzial, von dem wir durchaus profitieren werden.

Kurzer Blick in die Kristallkugel: Wo sehen Sie PSI in den nächsten 50 Jahren?

PSI hat für die nächsten Jahre sehr erfreuliche Perspektiven. Zwei Säulen sind hier entscheidend: zum einen unser Fokus auf technologische Kernkompetenzen, z.B. Softwareentwicklungen und Softwaretools; zum anderen das Wissen über die einzelnen Branchen und die Prozesse, die dahinterstecken. Diese beiden entscheidenden Aspekte ermöglichen es uns, weiter in den Nischenmärkten zu wachsen und uns international weiterzuentwickeln. Unser technologisches Know-how, vor allem im Bereich KI, möchten wir gezielt nutzen und in Zukunft immer weiter ausbauen. Zugleich wollen wir für unsere Aktionäre weiterhin ein attraktives Unternehmen mit Wertsteigerung bleiben – dazu gehört auch, ein dividendenstarker Titel zu bleiben. Ein hoher Anteil unseres Umsatzes soll dabei aber natürlich auch in Forschung und Entwicklung fließen. In den Nischenmärkten werden wir somit ganz vorne mit dabei sein.

Herr Pierschke, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche viel Erfolg für die nächsten „50“.

Das Interview führte Svenja Liebig und erschien zuerst in der Juni-Ausgabe des GoingPublic Magazins.

Titelfoto: Drei der Gründer (Paul Kruse, Dietrich Jaeschke, Helmut Scharle) bei Testarbeiten beim ersten Kunden „Bochumer Verein“. Dietrich Jaeschke war von 1969 bis zu seinem Ausscheiden aus der PSI im Jahr 2002 durchgehend Geschäftsführer bzw. Vorstand
und damit die prägende Person der ersten Jahrzehnte. Leider ist er schon 2005 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Quelle: PSI AG

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de