Die Innsbrucker Biocrates Life Sciences AG gilt als weltweit führendes Unternehmen im Bereich der Metabolom-Analysen. Und dass, obwohl sich auch Pharma-Riesen wie Roche oder Thermo Fischer auf diesem lukrativen Markt tummeln. Nach der gelungenen Übernahme der Berliner Metanomics Health GmbH sowie einer weiteren Finanzierungsrunde stehen die Zeichen weiterhin auf Wachstum.  

 

Dabei ist unklar, ob dieses Wachstum mittelfristig auch an die Börse führen kann. Man darf getrost davon ausgehen, dass dieser Schritt zumindest erwogen wird, auch wenn seitens des Unternehmens, aber auch von Investoren wie den MIG Fonds diesbezüglich in den vergangenen Wochen keine definitive Aussage zu vernehmen war. Neben der MIG AG, die seit 2006 aus insgesamt 7 ihrer Fonds in Biocrates investiert hat, sind auch der GA Asset Fund sowie neuerdings, seit der Übernahme von Metanomics Health, auch deren Alteigentümer BASF Plant Service als Investoren des Innsbrucker Life Sience-Unternehmens mit an Bord. Rund 2 Mio. neue Aktien wurden im Rahmen der Finanzierungsrunde veräußert.

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Doch was genau ist das Geheimnis der Biocrates AG? Gegründet wurde das Unternehmens im Jahr 2002 als Spin-off der Universität Innsbruck. 2006 brachte Biocrates dann das weltweit erste Metabolomik-Kit auf den Markt. In 2016 erwirtschafteten die Innsbrucker einen Umsatz von 4,74 Mio. EUR.

Konkret geht es um Diagnostik, genauer, um Metabolom-Analysen. Diese werden beispielsweise bei der Analyse von Doping-Proben eingesetzt und könnten in einigen Jahren routinemäßig bei der Diagnose von Krebs, Alzheimer und anderen Krankheiten zum Zuge kommen. Unter Metabolomics versteht man die Analyse von endogenen und exogenen kleinen Molekülen wie Lipiden oder Aminosäuren, den Metaboliten. Immer häufiger werden spezifische Muster von Metaboliten als essentielle Biomarker in der pharmazeutischen und klinischen Forschung etabliert. Diese Signaturen erlauben es Forschern ein besseres Verständnis dafür zu erlangen, wie genetische Veranlagungen im Zusammenhang mit Lifestyle und Umweltfaktoren die Gesundheit der Menschen und ihre Reaktionen auf Therapien beeinflussen. Mit seiner Technologie ist Biocrates in der Lage, über 400 verschiedene Metaboliten in einer Messung nachzuweisen. Im Moment ist kein Unternehmen bekannt, welches eine höhere Leistung vorzuweisen hat.

Global wachsendes Marktpotenzial

Das damit verbundene Marktpotenzial ist enorm. Experten schätzen den Wert des globalen Metabolomik-Markts auf rund 1 Mrd. USD (2016). Doch schon im Jahr 2021 sollen knapp 2,4 Mrd. USD umgesetzt werden, was einer jährlichen Wachstumsrate von rund 15% entspricht. Aktuell wird der Markt noch vom Instrumentenverkauf angetrieben, wobei sich das Prinzip der Standardisierung erst langsam durchsetzt. Auf diesen Trend setzt auch die Biocrates AG mit ihren Kits. Zum einen betreibt das Unternehmen klassische Dienstleistungen, in denen die Proben der Kunden im eigenen haus analysiert und die Ergebnisse anschließend zurückgesandt werden. Einen Großteil des Umsatzes macht Biocrates jedoch mit seinen Kits, die die Kunden vor Ort in ihren eigenen Geräten nutzen können. Aktuell vertreibt Biocrates fünf verschiedene Produkte, die in weit über 100 Laboren weltweit genutzt werden.

Übernahme stärkt internationale Präsenz und Expertise

Mit der Übernahme der Berliner Metanomics Health GmbH ist die Mitarbeiterzahl von Biocrates nicht nur von 40 auf knapp 70 deutlich gewachsen. Das Unternehmen verfügt nun auch über eine etablierte Zweigstelle in Deutschland (eine Verkaufsstelle in den USA existiert bereits seit einigen Jahren). Mit der Übernahme kann Biocrates zudem ein weiteres Feld der Metabolomik-Analyse besetzen: Im Rahmen eines Stoffwechselprofilings richtet sich die Analyse vor allem auf unbekannte Metaboliten. Die komplementären Fähigkeiten und Technologien der vereinigten Unternehmen sollen es der Biocrates AG nun ermöglichen, als Komplettanbieter mit Fokus auf Healthcare und pharmazeutischen Applikationen zu bedienen.

„Gemeinsam verfügen Biocrates und Metanomics Health über das breiteste Technologie- und Produktportfolio der Industrie. Unsere Erfahrung mit zielgerichteten Metabolomics-Profilierungen, kundenspezifischen Assays, zielgerichteten Screening Kits und umfassender Datenauswertung ermöglicht die Erstellung umfassender metabolischer Phänotypisierungen. Darüber hinaus sind wir nach dem Merger in der Lage, Kits sowohl für Diagnostika als auch begleitendende Diagnostika zu entwickeln“, kommentierte Biocrates-CEO Dr. Wulf Fischer-Knuppertz anlässlich der Übernahme.

Exit: Lukrativ in jedem Fall

Der Markt für Metabolomics-Analysen wächst. Ein Big Pharma-Vertreter wie Roche beispielsweise hat im Sommer vergangenen Jahres angekündigt, gemeinsam mit dem Maschinenbauer Hitachi ein Analysegerät für sein modulares Cobas-System entwickeln zu wollen. Vor diesem Hintergrund wäre für die Investoren der Biocrates AG, allen voran die MIG Fonds, auch ein Verkauf an einen strategischen Partner denkbar. Lukrativ dürfte ein Exit in jedem Fall sein.

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