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Kapital ist das Lebenselixier von Unternehmen; es erlaubt ihnen, zu wachsen, zu investieren, neue Marktchancen zu ­ergreifen und sich in Krisenzeiten zu erholen. Der durch die COVID-19-Pandemie verursachte Wirtschaftsabschwung 2020 hat die Finanzlage zahlreicher Unternehmen belastet und ihr Working Capital verringert.

Gleichzeitig hat die Pandemie die Kapitalbeschaffung erschwert, da vielzählige Banken und Investoren einen Anstieg von Zahlungsausfällen und Insolvenzen erwarteten.

Bei einer während der Pandemie 2020 durchgeführten Umfrage unter Private-Equity-Investoren erwarteten nur 27% der Befragten, dass die Investitionstätigkeit in den kommenden Monaten unverändert bleiben oder zunehmen würde. Zahlreiche Banken erließen härtere Kreditvergabestandards, während das Pandemieumfeld die Unternehmensanleihenmärkte unter Druck setzte.

Aber hätte irgendjemand in der Branche zu dieser Zeit im letzten Jahr, als die Pandemie noch einen langen Schatten auf die Weltwirtschaft warf, die Prognose ­gewagt, dass 2021 das Potenzial hätte, alle Rekorde zu brechen?

In den Monaten nach Ausbruch der Pandemie konnte festgestellt werden, dass der Dealmarkt überraschend stark blieb, da massive staatliche Anreize die Volkswirtschaften und Märkte rund um den Globus in Schwung hielten. Aber das Tempo der Erholung war außergewöhnlich und 2021 wird in fast jeder Hinsicht das mit Abstand beste Jahr in der ­Geschichte der Branche.

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Dennoch haben noch während der ­ersten Phase der Pandemie viele Unternehmen damit begonnen, in neuen Märkten und Bereichen nach Möglichkeiten, Innovationen oder Geschäftstransformationen zu suchen. Gleichzeitig prüfen Finanzinstitute neue Kapitalquellen für Investitionen. Geistiges Eigentum oder Intellectual Property (IP) ist hierbei einer der am meisten beachteten Bereiche.

Genauere Betrachtung

In den letzten 30 Jahren ist geistiges ­Eigentum für eine Vielzahl von Unternehmen zu einem bedeutenden Vermögenswert geworden. 1975 machte IP 17% der ­Bilanzen des S&P 500 aus; bis 2019 war der Anteil auf 85% angewachsen. Derzeit vergeben die USA alle drei Jahre etwa eine Million Patente, während China alle zwölf bis 18 Monate etwa eine Million Patente ausgibt.

Unternehmen müssen ihr geistiges ­Eigentum und seinen Wert vollständig verstehen, um es in die Kapitalbeschaffungsbemühungen einbeziehen zu können. Neue Analysetools sowie künstliche ­Intelligenz und maschinelles Lernen ­ermöglichen es, IP-Assets im großen Maßstab zu bewerten.

Einbindung von IP in eine M&A-Transaktion

Eine traditionelle IP Due Diligence findet tendenziell spät im Lebenszyklus der Transaktion statt und prüft mögliche ­Problematiken im Zusammenhang mit ­Eigentumsrechten, Verlängerungsgebühren, Pfandrechten, Ansprüchen Dritter, unzureichenden Nachweisen für IP-Übertragungen, Lizenzen oder laufenden Rechtsstreitigkeiten. Um die Schwierigkeit der Bewertung zu lösen, hat Aon einen Prozess entwickelt, der eine eigene IP-Analyse­plattform nutzt, um die Qualität der IP-Assets schnell und umfassend zu bewerten. Dieser Prozess bewertet Ab­deckung, Chance und Risiko der IP-Assets. Insbesondere Geschäftsgeheimnisse sind zunehmend ein Untersuchungsfeld bei ­einer IP Due Diligence. Studien zeigen, dass häufig Teile der Belegschaft mit einer anstehenden M&A-Transaktion nicht ­zufrieden sind und die Gefahr besteht, dass Geschäftsgeheimnisse entwendet werden. Die Überprüfung der Prozesse und Sicherheitsmaßnahmen innerhalb des Zielunternehmens kann Investoren beruhigen und auch in diesen Bereichen Verbesserungen identifizieren.

Immaterielle Vermögens­gegenstände als Sicherheit

Abgesehen von traditionellen Ansätzen, Kapital im Unternehmen freizusetzen, ­beispielsweise durch Lizenzierung von geistigem Eigentum an Dritte, verstehen die meisten Unternehmen die Bedeutung ihrer IP-Rechte im Rahmen ihres gesamten Unternehmenswerts nicht vollständig.

Zahlreiche Mittelständler erkennen den Wert ihrer IP-Assets nicht wirklich und nehmen eine Betrachtung ausschließlich aus rechtlicher oder bilanzieller Sicht vor.

In der Vergangenheit waren Unternehmen nicht in der Lage, IP-Assets als ­Sicherheiten bei der Kreditaufnahme – ob im Rahmen einer M&A-Transaktion oder außerhalb – angemessen zu nutzen. Das hat sich nun geändert.

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Beispielsweise können schnell wachsende Unternehmen ihre IP-Portfolios ­nutzen, um Kredite für Wachstumskapital zu besichern. Der Vorteil: Diese Art von Darlehen bietet im Vergleich zur traditionellen Eigenkapitalfinanzierung eine nicht-verwäs­sernde Kapitalquelle zu wettbewerbsfähigen Preisen. Zudem haben Unternehmen die Möglichkeit zur Aufnahme weiterer Fremdkapitalfinanzierung durch Bereitstellung neuer Sicherheiten.

Eine deutliche Ausweitung der Kreditkapazitäten ist für diesen Markt zu sehen, ebenso wie eine steigende Nachfrage der Kreditnehmer nach dieser Option.

Aon hat vor Kurzem eine versicherungsgestützte Kreditlösung entwickelt, die den Weg zu Wachstumskapital eröffnet, ohne die Eigentumsrechte und den Wert für ihre Gründer und Investoren zu verwässern. Das Angebot versetzt den ­Anwender mittels einer proprietären IP-Analyseplattform in die Lage, IP-Vermögenswerte zu beurteilen und zu bewerten. Dieser Ansatz wird von einigen branchenführenden Versicherern unterstützt. Damit lässt sich ein (neuartiger) Versicherungsschutz arrangieren, um (zusätzliche) ­Sicherheiten für einen Kreditgeber auf ­Basis des IP-Portfolios bereitzustellen. Durch das Vertrauen des Kreditgebers in die immateriellen Sicherheiten (basierend auf dem Versicherungsschutz) stehen die Türen für Kreditgeber offen, sich risiko­arm zu engagieren und Unternehmen ­Kapital zur Verfügung zu stellen, das ­zuvor als unerreichbar galt. IP und immaterielle Vermögenswerte werden auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil des Unternehmenswerts sein. Es ist zu erwarten, dass sich die IP-gesicherte Kreditvergabe ­weiterentwickelt.

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Mit diesem Ansatz sollten Geschäfte in der Größenordnung von 1 Mrd. USD pro Jahr ermöglicht werden. Um dies zu realisieren, sind kontinuierliche Investitionen in geistiges Eigentum auf der Ebene des Kreditnehmers sowie ein kontinuierliches Engagement von Versicherern und Kreditgebern erforderlich.

Es wird sich zunehmend lohnen, zu ­verstehen, wie Technologie die Wett­bewerbslandschaft verändert und was ­Unternehmen tun können, um hieraus ­Kapital zu schlagen. Investoren müssen verstehen, wie sie die zugrunde liegende Technologie – inklusive des IP-Portfolios –, die sie erwerben möchten, beurteilen können, damit sie Chancen und Risiken mit Zuversicht übernehmen können.

Ausblick

Die Umwandlung von immateriellen Vermögenswerten in einen greifbaren, materiellen Wert bleibt weiter Herausforderung und Antrieb für alle Akteure. Wichtig ­hierbei sind länderübergreifende Teams und der enge Austausch mit Kunden in der Region. Organisationsstrukturen sollten beweglich, flexibel und lösungsorientiert sein. Die Frage, wie durch Versicherungslösungen Schutz und Sicherung von ­Investitionen in Unternehmen gewährleistet werden, die künftig marktbestimmend und durch ihr enormes geistiges Eigentum zu weiterem Fortschritt aller beitragen werden, wird ein ständiger Anreiz für weitere Innovationen in der Zukunft sein.n

Zum Autor
Ulf Cramer ist Managing Director und Head of DACH M&A- and Transaction Solutions bei Aon. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung im Finanzdienstleistungssektor kam er von AIG zu Aon, wo er das Trade-Finance-Geschäft für Nordeuropa sowie die Entwicklung und das Wachstum des Trade-Finance-Geschäfts im deutschsprachigen Raum, in den Benelux-Ländern und in Skandinavien leitete. Cramer begann seine Karriere bei der Deutschen Bank, bevor er zur Schweizer Bank Julius Bär, NY, und dem französischen Kreditversicherer Coface wechselte.