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Dr. Thomas Stiefel, CEO, biosyn Arzneimittel GmbH

Von Dr. Thomas Stiefel, CEO, biosyn Arzneimittel GmbH

Der Fortschritt ist eine Schnecke: Das Glykoprotein Keyhole limpet hemocyanin (KLH) wird aus der Hämolymphe der kalifornischen Meeresschnecke Megathura crenulata gewonnen. Dieser Wirkstoff hat ein hohes therapeutisches Potenzial. Zum einen senkt er die Rezidivrate (Rückfallrate) beim Harnblasenkarzinom, zum anderen dient dieses hochmolekulare Glykoprotein als Trägermolekül für verschiedene Antigene in neuen Impfstoff-Generationen. Es ist bereits in Ländern wie Holland, Österreich, Argentinien, Südkorea auf dem Markt.

Der erste Erfolg eines solchen Impfstoffs wurde in einer Phase-III-Studie der Firma Biovest International, Inc. (Worcester, MA, eine Tochtergesellschaft der Accentia Biopharmaceuticals, Inc.,) bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom erreicht: Die mit dem KLH-haltigen Impfstoff behandelte Gruppe überlebte signifikant länger.

Das Protein wird durch die (nicht tödliche) Punktion der Meeresschnecken in Kalifornien gewonnen, vorgereinigt und anschließend bei der biosyn Arzneimittel GmbH in Fellbach hochgereinigt. Inzwischen konnte die Gensequenz aufgeklärt und zum Patent angemeldet werden. Damit ist in Zukunft auch die gentechnische Herstellung des rekombinanten Proteins denkbar.

Weltweit erstes GMP-Herstellungsverfahren
Um das KLH in der pharmazeutischen Forschung einsetzen zu können, musste zunächst ein GMP-Herstellungsverfahren entwickelt werden. Der Wirkstoff Immunocyanin, eine Präparation aus Untereinheiten des Hämocyanins, wird aus der Hämolymphe der kalifornischen Meeresschnecke Megathura crenulata isoliert.

Die erste Stufe – Gewinnung der Hämolymphe – findet in der GMP-Herstellungsanlage in Carlsbad in Kalifornien statt, die Reinigung und Aufbereitung zum Arzneimittel in der ebenfalls dem GMP-Standard entsprechenden Produktionsanlage in Fellbach bei Stuttgart. Biosyn hat in das transatlantische Projekt und in die Schnecke über zwei Jahrzehnte Forschung und Entwicklung sowie Investitionen im Millionenbereich gesteckt.

Giant Keyhole Limpet, eine Schnecke aus der Familie der Schlüssellochschnecken (Megathura crenulata) Foto: biosyn Arzneimittel GmbH

Ökologisch, innovativ: das blaue Serum der Schnecke         
Bis zu 15 Jahre alt sind die Meeresschnecken, wenn sie von Spezialtauchern vor der kalifornischen Küste aus dem Meer geholt werden. Um diese Schnecken sammeln und ihr Serum durch Punktion gewinnen zu dürfen, ist die Genehmigung der kalifornischen Fischereibehörde Voraussetzung.

Die pro Produktionsgang etwa 500 Schlüssellochschnecken sind zwei Wochen zu Gast bei der biosyn-Corporation in Carlsbad in Kalifornien. Dort leben sie in Spezialbecken (eigens entwickelte Aquarien-Anlage) zur Reinigung auf Diät, dann wird ihnen nach einer Kältenarkose über den geeisten Fuß, mit dem sie sich am Untergrund festsaugen und fortbewegen, Serum entnommen. Die fehlende Flüssigkeitsmenge wird wieder aufgefüllt, womit, ist ein Firmengeheimnis. Nach den zwei Wochen kehren die Schnecken unbeschadet zurück ins Meer.

Das aus einer Schnecke gewonnene Immunocyanin (MMUCOTHEL) reicht in etwa aus, um einen Patienten mit Harnblasenkarzinom ein Jahr zu behandeln. Die blaue Farbe stammt von Cu-Atomen, die am aktiven Zentrum des Hämocyanins den Sauerstoff binden. Hämocyanin ist in der Meeresschnecke für den Sauerstofftransport in die Gewebe zuständig.

Quelle: biosyn Arzneimittel GmbH

Rezidivprophylaxe bei oberflächlichen Blasenkarzinomen
In der Bundesrepublik Deutschland erkranken ca. 28.750 Menschen pro Jahr an einem Blasenkarzinom. Es tritt bei Männern häufiger auf (Männer : Frauen= 2,5 : 1) bei einer Risikozunahme mit dem Alter (7. Lebensdekade). Das Harnblasenkarzinom steht auf dem 4. Platz der Tumorlokalisationen des Mannes (nach Prostata, Lunge, kolorektalen Karzinomen).1)

Sie werden bei Routineuntersuchungen oder durch Blut im Harn des Patienten entdeckt und treten zu 95% als oberflächliche Urothelkarzinome auf. Der Standard der ersten therapeutischen Maßnahme besteht in der transurethralen Resektion (TURB) der oft papillomartig wachsenden malignen Tumore der Harnblase. 75 bis 85% der Blasenkarzinome zeigen die postoperativen Stadien pTa, pT1 oder CIS.

Urothelkarzinome der Harnblase neigen häufig dazu, Rezidive zu bilden mit Verschlechterung im Stadium und im Grading. 70% der T1 Tumore der Harnblase rezidivieren innerhalb von drei Jahren nach TURB. Dem versucht man therapeutisch durch die intravesikale Instillation zytostatisch oder immunologisch wirksamer Substanzen entgegenzuwirken.

Moderne Impfstoff-Forschung: Immunocyanin als Trägermolekül
Therapeutische Impfstoffe gegen die großen Geiseln der Menschheit wie Krebs oder Morbus Alzheimer stehen derzeit im Fokus der weltweiten Pharma-Forschung. Das aus Immunocyanin hergestellte VACMUNE dient als Trägerstoff für moderne Impfstoffe und ist damit immer wieder an entsprechenden Forschungsprojekten der Big Pharma beteiligt. Im Fokus der Forschungen: Hirntumore, allgemeine Tumore, Bluthochdruck, Alzheimer.