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Amgen zählt zu den größten unabhängigen Biotechunternehmen der Welt und ist seit über 25 Jahren in Deutschland vertreten. Im Interview spricht Dr. Roman Stampfli, VP & General Manager bei der Amgen GmbH, über den deutschen Biotech-Standort, die Fortschritte in der Wirkstoffpipeline und die zunehmende Bedeutung von Biosimiliars.

 

Plattform Life Sciences: Herr Dr. Stampfli, nach der aktuellen Studie „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2018“ von Boston Consulting Group und VFA Bio sind im vergangenen Jahr in Deutschland erstmals mehr Biotechmedikamente zugelassen worden als chemisch synthetisierte Wirkstoffe. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Stampfli: Der Branchenreport zeigt die zunehmende Bedeutung der medizinischen Biotechnologie und macht auch die Stärken des Biotech-Standortes Deutschland deutlich. 2017 war ein sehr aktives Jahr, insgesamt wurden 23 Biopharmazeutika neu zugelassen. Das waren mehr als je zuvor in einem Jahr und erstmals auch mehr als chemisch-synthetische Medikamente. Zehn dieser Wirkstoffe waren Biosimilars, also Nachahmerpräparate von Biopharmazeutika nach Ablauf des Patentschutzes.

Das sind gute Nachrichten für die Patienten, die Ärzte und das Gesundheitssystem, weil mit jedem neuen Produkt bessere Therapieerfolge erzielt werden können. Für Amgen spielt das als Pionier der

Biotechnologie, der vor knapp 40 Jahren gegründet wurde, natürlich eine besondere Rolle und ist ein weiterer Ansporn für uns.

 

Welchen Stellenwert hat die deutsche Niederlassung für Amgen? Was sind die besonderen Stärken?

Amgen Deutschland ist die größte Niederlassung außerhalb der USA und hat einen hohen Stellenwert im gesamten Konzern. Auf der einen Seite ist Deutschland der zweitgrößte Absatzmarkt weltweit nach den Vereinigten Staaten. Zum anderen besitzen wir hier auch die wichtigsten Forschungsaktivitäten außerhalb des amerikanischen Heimatmarktes. Rein organisatorisch sind wir in Deutschland mit zwei Gesellschaften vertreten: Die Amgen GmbH ist für Marketing und Vertrieb sowie für klinische Studien, Zulassungen und Regulierungen zuständig. In der Firma Amgen Research Munich haben wir unsere deutschen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten gebündelt. Natürlich gibt es auch Synergien zwischen der Amgen GmbH und Amgen Research Munich und wir positionieren uns zusammen als forschendes pharmazeutisches Unternehmen. Wir fördern auch gemeinsam Talente aus den Naturwissenschaften etwa mit dem Deutschlandstipendium oder dem Scholar Programm der Amgen Foundation.

 

Ein wichtiger Meilenstein für den Ausbau des F&E-Standorts Deutschland war für Amgen 2012 die Übernahme von Micromet für 1,16 Mrd. USD. Welches Fazit ziehen Sie heute?

Die Übernahme von Micromet – übrigens bis heute eine der größten Investitionen für Amgen außerhalb der USA – ist eine echte Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen, das einst als Spin-off aus der LMU München hervorgegangen ist, ist längst als zentraler Bestandteil von Amgen Research Munich in unsere internationalen F&E- Aktivitäten eingebettet und leistet einen sehr wichtigen Beitrag für den gesamten Konzern. Denn mehr als 50% der onkologischen Wirkstoffkandidaten in unserer Pipeline kommen aus der von Micromet entwickelten BiTE-Plattform, die für „Bispezifische T-Zell Engager-Antikörpertechnologie“ steht.

Diese Technologie bietet einen innovativen Ansatz in der Behandlung von Krebs. Sie zielt darauf ab, die T-Zellen des Körpers dazu zu bringen, gezielt die Krebszellen zu attackieren und so den programmierten Zelltod der Krebszellen – und nur der Krebszellen – auszulösen. Das ermöglicht Medikamente, die wirksam bei der Bekämpfung von Tumoren und gleichzeitig gut verträglich für den Patienten sind. 2015 ist das erste Arzneimittel aus der BiTE-Plattform auf den Markt gekommen, ein bispezifisches Antikörperkonstrukt zur Behandlung von akuter lymphatischer Leukämie.

 

Was spricht aus Ihrer Sicht generell für den Biotech-Standort Deutschland?

Wie das Beispiel Micromet zeigt, weist der Biotech-Standort Deutschland eine hohe Innovationskraft auf. Gerade in forschungsintensiven Hightech-Branchen wie der Entwicklung von Biopharmazeutika kommt es besonders auf hochqualifizierte und motivierte Menschen an, die Innovationen hervorbringen. Und hierzulande gibt es zahlreiche gut ausgebildete und engagierte Naturwissenschaftler, herausragende Universitäten und Forschungsinstitute. Das alles sind wichtige Standortfaktoren für Amgen. Hinzu kommt ein funktionierendes Patentrecht zum Schutz des geistigen Eigentums. Die Politik muss aber auch darauf achten, dass sie diese Innovationskraft in Deutschland erhält und weiterhin unterstützt.

 

Welche Fortschritte gibt es in der Wirkstoffpipeline von Amgen? Was sind die wichtigsten Indikationsgebiete?

Zuletzt hatten wir eine Reihe von Medikamenten in der Hämatologie und Kardiologie auf den Markt gebracht, darunter auch pädiatrische Indikationen zu bestehenden Medikamenten. Ansonsten haben wir eine gut gefüllte Pipeline und vor allem in der Onkologie sehr viele Wirkstoffkandidaten in Phase I und II. Die Onkologie und Nephrologie sind bis heute die wichtigsten Indikationsgebiete für Amgen, gemessen an der Anzahl der Produkte. Aber wir haben uns im Laufe der Zeit auch zunehmend diversifiziert, sodass wir inzwischen auch immer stärker in der Kardiologie, der Osteoporose-Behandlung und in der Inflammation werden.

 

Welches Potenzial sehen Sie bei Biosimiliars– Nachahmerpräparaten von Biopharmazeutika? Welche Strategie verfolgt Amgen in diesem Bereich?

Neben der Entwicklung neuer Biopharmazeutika wird für Amgen auch die Produktion von Biosimiliars zunehmend wichtiger. Denn die Bedeutung von Nachahmerprodukten nimmt in den Gesundheitssystemen weltweit zu, weil diese zu einer Nachhaltigkeit bezüglich der Kosten beitragen.

Die Produktion von Biosimiliars ist wesentlich komplexer als die Herstellung von Generika chemisch-synthetischer Medikamente. Da wir nicht nur im F&E-Bereich, sondern auch im gesamten Produktionsprozess von Biopharmazeutika über eine große Expertise verfügen, war es nur folgerichtig, in diesen Wachstumsmarkt einzusteigen. Bislang haben wir bereits drei Zulassungen für Biosimilars erhalten. Ein onkologisches Nachahmerpräparat ist bereits auf dem Markt verfügbar. Mitte Oktober wird ein weiteres im Bereich der entzündlichen Erkrankungen dazukommen.

Darüber hinaus haben wir sieben weitere Wirkstoffe in der Pipeline und verfügen damit über das mit Abstand größte Biosimiliar-Portfolio in der Pharma-Industrie.

 

Ende 2017 haben Sie eine Umfrage unter der deutschen Bevölkerung zum Thema „Einstellungen zu Wissenschaft, Forschung und medizinischen Innovationen“ durchgeführt. Was waren die wichtigsten

Ergebnisse?

Für die Studie wurden in unserem Auftrag 1.000 Deutsche repräsentativ vom arktforschungsinstitut Toluna zu den Themen medizinischer Fortschritt und Biopharmazeutika befragt. Zentrales Ergebnis: 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen. Doch wem das Thema näher erklärt wird, der reagiert positiv darauf. Nach der Studie wünschen sich die Bundesbürger mehr Aufklärung über die Wirkung und Herstellung von Biopharmazeutika.

 

Herr Dr. Stampfli, vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

Das Interview führte Markus Hofelich.