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Nach der erfolgreichen CE-Zertifizierung des ersten Nanotherapeutikums NanoTherm, wurde es still um die Berliner MagForce. Nach einem Personalwechsel im Vorstand und einer erfolgreichen Kapitalerhöhung im März 2013 will das Unternehmen nun erneut durchstarten. Wir haben Frau Prof. Dr. Tawfik auf der 16. MKK zu NanoTherm, der neuen Glioblastom-Studie und zu den Vermarktungsproblemen der Vergangenheit befragt.

Going Public: Frau Prof. Tawfik, Sie kamen im Oktober 2012 zu MagForce. Was genau ist Ihre Aufgabe im Unternehmen?

Tawfik: Ich kam bereits im Mai 2011 als Leiterin Klinische Forschung & Entwicklung zu MagForce. Seit Oktober 2012 bin im Vorstand der MagForce tätig. Als Chief Medical & Operating Officer bin ich für das medizinische und operative Geschäft rund um die NanoTherm Therapie verantwortlich, also insbesondere die Entwicklung und Etablierung der Therapie.

Going Public: Wie genau funktioniert die NanoTherm Therapie?

Tawfik: NanoTherm ist eine Dispersion von superparamagnetischen Eisenoxid-Partikeln im Nanomaßstab mit einem Durchmesser von ca. 15nm (Anm. d. Red.: 1 nm ist 1 Milliardstel Meter). Die Eisenoxid-Partikel tragen eine spezielle, patentierte Beschichtung, die dafür sorgt, dass die Partikel direkt nach der Injektion agglomerieren und so ein fest umgrenztes Depot im Tumor ausbilden. Entsprechend werden in einem minimal-invasiven Eingriff eine Reihe von Depots der NanoTherm® Partikel im Tumor instilliert (Anm. d. Red.: unter Instillation bezeichnet man die Verabreichung von flüssigen Arzneimitteln, diese verbleiben im Gegensatz zur Infusion am Ort der Gabe und wirken dort lokal). Nach einer Simulation der erzielbaren Temperaturverteilung im Tumor und angrenzendem Gewebe mittels unserer hierfür entwickelten Software NanoPlan wird der Patient im NanoActivator einem alternierenden Magnetfeld ausgesetzt. Dieses Magnetfeld ändert seine Polung 100.000 Mal pro Sekunde (100kHz)  und regt so die magnetischen Kerne der Nanopartikel zu Schwingungen an. Diese Schwingungen erzeugen die nötige Hitze im Tumor und lassen die Krebszellen absterben. Durch Einstellen der Magnetfeldstärke lässt sich dabei die Wärmeentwicklung und somit der therapeutische Effekt variieren.

Going Public: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass sich trotz CE-Zertifizierung die NanoTherm Therapie bisher nicht weitreichend in der Onkologie durchsetzen konnte. Was macht die Vermarktung so schwierig?

Tawfik: NanoTherm ist kein Diagnostikum, es fällt zwar in die Gattung Medizinprodukt, ist aber ein Therapeutikum, das zudem noch in den Körper des Patienten eingebracht wird. Ein wichtiger Aspekt, dem MagForce bei der Entwicklung zunächst keine ausreichende Bedeutung beigemessen hatte, ist die Akzeptanz der Ärzte. Ärzte haben die Therapiehoheit, das bedeutet, dass sie bei der Entwicklung neuer Therapien involviert werden müssen. Sie müssen ihre Expertise und ihre Bedenken mit einbringen und eine innovative neue Therapie aktiv mittragen. Ohne die Involvierung dieser führenden Meinungsbildner lässt sich keine neue Therapie etablieren. Zudem müssen die Geräte den Ärzten in den Kliniken zur Verfügung stehen, damit diese ihre Erfahrungen in der Anwendung der Therapie sammeln können.. Indem wir in der nun geplanten neuen Studie die führenden Meinungsbildner  in die Therapie integrieren und ausreichend Aktivatoren in den Kliniken aufstellen, wollen wir der NanoTherm Therapie den Weg in die medizinischen Gesellschaft ebnen.

Going Public: Handelt es sich bei der neuen Studie um eine multizentrische Studie, wann startet die Patientenrekrutierung, wie viele Patienten werden eingeschlossen und wann erwarten Sie erste Ergebnisse?

Tawfik: Ja, es handelt sich um eine multizentrische Studie. Die ersten Studienzentren, die an den Start gehen, sind die Universitätskliniken Berlin (Charité), Münster, Kiel, Gießen und Düsseldorf. Im Laufe des Jahres 2014 folgen dann die weiteren Zentren. Innerhalb von 2 Jahren planen wir, 285 Patienten mit wiederkehrendem Glioblastom zu rekrutieren. Als finaler Studienendpunkt wird die Überlebensrate der therapierten Patienten nach einem Jahr definiert. Erste Studienergebnisse könnten dementsprechend in ca. drei Jahren erwartet werden.

Going Public: Glauben Sie, dass die Barmittel von rund 18 Mio. Euro aus der Kapitalerhöhung im März bis zur Generierung erster Umsätze bei MagForce ausreichen oder werden Sie weiteres Kapital benötigen?

Tawfik: Zur Durchführung der neuen Studie würden die 18 Mio. EUR sicher ausreichen. Verschiedene strategische Szenarien, die wir natürlich auch innerhalb der Führungsgremien diskutieren, wie z.B. eine Ausweitung in weitere Indikationen könnten aber für die nächsten fünf Jahre auch weitere Finanzierungsszenarien bedingen. Unser CEO, Ben Lipps, ist hier strategisch federführend.  (Anmerk. d. Red.: Ben Lipps war Vorstandsvorsitzender bei Fresenius Medical Care und hat nach seinem Ausscheiden bei der Firma den Vorstandsvorsitz bei MagForce übernommen).

Going Public: Können Sie uns sagen, welche Investoren an der jüngsten Kapitalerhöhung bei MagForce beteiligt gewesen sind?

Tawfik: Im Wesentlichen wurde die Kapitalerhöhung von Family Offices und strategischen Investoren aus dem europäischen Ausland und den USA gezeichnet.

Going Public: Herzlichen Dank, Frau Prof. Tawfik, für das interessante Gespräch.

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