„Translationale Medizin im digitalen Zeitalter“

Über 150 Teilnehmer: Erstes DigiMed Bayern Symposium beleuchtet Möglichkeiten der P4 Medizin

Bildnachweis: Angelo Esslinger.

Über 150 Teilnehmer trafen sich zum DigiMed Bayern Symposium „Translationale Medizin im digitalen Zeitalter“ am 6. November im Deutschen Herzzentrum München. Zusammen mit nationalen und internationalen Impulsgebern diskutierten sie über die Chancen der Digitalisierung in der Medizin – für Patienten, das Gesundheitssystem und die Wirtschaft. Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml würdigte das Leuchtturmprojekt „DigiMed Bayern“ zur P4-Medizin, das der Freistaat mit 22,5 Mio. EUR fördert. Dabei hob sie insbesondere das große Potential für die anwendungsorientierte klinische Forschung und die Gesundheitsversorgung hervor.

Fokus auf Atherosklerose

Im Rahmen des Pilotprojekts DigiMed Bayern zur P4-Medizin mit Fokus auf die Volkskrankheit Atherosklerose fand das erste Symposium „Translationale Medizin im digitalen Zeitalter“ statt. Die Veranstaltung beleuchtete in unterschiedlichen Sessions das breite Spektrum der Digitalen Medizin: Vom ethisch wie rechtlich verantwortungsbewussten Umgang mit personenbezogenen Patientendaten über Digitalisierung in der klinischen Forschung bis hin zum Ökosystem der digitalen Gesundheit.

Leuchtturm-Projekt in der Personalisierten Medizin

Gesundheitsministerin Melanie Huml betonte: „Mit ‚DigiMed Bayern‘ fördern wir ein international bedeutendes Leuchtturm-Projekt der Personalisierten Medizin – am Beispiel der Volkskrankheit Atherosklerose.“ Man wolle medizinische Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und mit Hilfe von digitalen Technologien auswerten.

„Die Erkenntnisse aus dem Projekt DigiMed Bayern auch auf andere Erkrankungen zu übertragen und somit deren Prävention und Therapie zu verbessern, ist das nachhaltige Ziel von DigiMed Bayern“, so Prof. Horst Domdey, Geschäftsführer der BioM Biotech Cluster Development GmbH, welche die geschäftsführende Leitung des Pilotprojektes innehat. „Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Experten dieses Symposiums ist hierzu ein erster, aber extrem wichtiger Schritt.“

Auf dem Weg zum smarten Krankenhaus

Im seinem Keynote-Vortrag stellte Prof. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen die Blueprints für den Weg vom klassischen zum smarten Krankenhaus vor. Werner überführt seit 2015 das Universitätsklinikum Essen mit der Umsetzung des Leitgedankens „Smart Hospital“ in eine Krankenhaus-Struktur der Zukunft. Dabei wird das Wohlbefinden von Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden explizit in den Mittelpunkt der klinischen Prozesse gestellt.

Auch eine Frage der Ethik

Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war die Diskussion zu gesellschaftlichen, ethischen, rechtlichen und politischen Aspekten der digitalen Medizin, moderiert von Prof. Reiner Anselm vom Lehrstuhl für Systematische Theologie und Ethik der LMU München. Hier ging es um die Frage, wie die Gesellschaft mit sensiblen, personenbezogenen Daten umgeht bzw. umgehen soll und wer letztendlich den Umgang mit medizinischen Daten verantwortet. Die durchaus kontroverse Diskussion verdeutlichte die Problematik dieses Themas.

Anwendung von KI sorgt für Fortschritte

In der Session „Digitalisierung in der klinischen Forschung und Versorgung“ zeigten die Referenten, welch enorme Fortschritte in den Bereichen Bioinformatik, Diagnostik und Patientenstratifizierung durch die Digitalisierung und die Anwendung von KI bereits erreicht wurden. Doch sei das Potenzial noch nicht gänzlich genutzt oder ausgeschöpft.

Die Felder des Ökosystems

Zum Abschluss der Veranstaltung führte Dr. Dominik Pförringer (MRI, TUM) das Publikum durch die unterschiedlichen Felder des Ökosystems der digitalen Gesundheit und diskutierte mit den Keyplayern aus der Wirtschaft. Diese stellten bereits implementierte Lösungen vor, wie etwa App-basierte Softwares zur Prozessoptimierung in der medizinischen Versorgung sowie technische Lösungen zur doppelten Pseudonymisierung für die Nutzung klinischer Daten in der Forschung.

Das nächste DigiMed Bayern Symposium ist für Ende 2020 geplant.