PantherMedia 1077253Das Jahr war gut gestartet für die Biotechnologie und die Bilanz zur Jahresmitte spricht für die anhaltende Stärke der Branche. Vor allem in der Onkologie, das hatte schon das diesjährige ASCO Meeting in Chicago gezeigt, führt die Aufklärung von wichtigen Stoffwechselwegen zu immer wirksameren Substanzen gegen Tumore aller Art. Doch auch bei den seltenen Erkrankungen, den so genannten „Orphan Diseases“, gibt es zunehmend innovative Ansätze. Ein Trend, der auch der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zu verdanken ist. Dank des jüngsten Kindes der Zulassungsbehörde – dem „Breakthrough Status“ – der erst 2012 das Licht der Welt erblickte, wagen sich auch zunehmend kleine Unternehmen an die Waisenkinder der Branche. Um den „Breakthrough Status“ können sich innovative Therapien für bisher nur unzureichend behandelbare Krankheiten bewerben und erhalten nach Genehmigung eine beschleunigte Zulassung und viele andere Vorzüge. Im letzten Jahr hat die FDA mit 39 Zulassungen so viele neue Wirkstoffe genehmigt wie zuletzt vor 15 Jahren. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten die aktuellen Übernahmefantasien, die auch die Kurse befeuern, für einige Unternehmen bald Realität werden. Pharmacyclics konnte vom „Breakthrough Status“ seiner BTK-Inhibitoren schon finanziell profitieren. Auf Grund des neuen Status hofft Pharmacyclics auf eine FDA-Zulassung noch in diesem Jahr und konnte auch Johnson & Johnson davon überzeugen,das im Rahmen einer Allianz stattliche 1,1 Mrd. USD in die weitere BTK-Inhibitor-Entwicklung steckt.

Kursgewinne haben tragfähige Basis

Im Gegensatz zu früher haben die Kursgewinne der jüngsten Zeit ein tragfähiges Fundament. Neben sinkender Volatilität der Aktien locken Profitabilität, einträgliche Renditen und ein überdurchschnittliches Wachstum bei immer mehr US-Biotech-Unternehmen. Ein Blick auf den S&P 1500 zeigt, die beste Performance erzielten in den vergangenen drei Jahren die dort gelisteten Biotech-Unternehmen. Der Biotech-Subindex weist mit 7,7% eine doppelt so hohe Rendite wie der breitere S&P 1500 auf. Marshall Gordon, ein Kenner der US-Biotech-Szene und Analyst bei ClearBridge Investments New York, ist von der weiterhin positiven Performance des Sektors überzeugt, dafür sorge seiner Einschätzung nach schon der doppelt so schnelle Umsatzanstieg im Vergleich mit den im S&P 1500 gelisteten Firmen. Die Stärke des Sektors hat sogar der globalen Finanzkrise getrotzt, während die Unternehmen des S&P 1500 2009 einen Umsatzeinbruch von rund 10% hinnehmen mussten, zog der Umsatz bei den Biotechnologie-Unternehmen im Krisenjahr um 7,2% an. Die 14 im S&P 1500 gelisteten Biotechnologie-Unternehmen, wozu auch Gilead Sciences und Celgene gehören, verzeichneten in den letzten drei Jahren ein Umsatzplus von 48%, während der Gesamtindex lediglich ein Plus von 21% erzielte. Analysten gehen für das laufende Jahr von einem weiteren Wachstumsplus von mehr als 9% für Biotechnologie-Unternehmen aus, das ist mehr als doppelt so hoch als die Schätzungen für den breiten S&P 1500.

Übernahmefantasien sind real

Während den innovativen Life Science Unternehmen ein rasantes Wachstum prognostiziert wird, leiden viele der großen Pharmaunternehmen an sich leerenden Pipelines und wachsenden Umsatzeinbußen durch auslaufende Patente. Alleine in den Vereinigten Staaten werden bis 2018 Medikamente im Wert von mehr als 100 Mrd. USD ihren Patentschutz verlieren. Die Übernahmefantasien der Investoren sind demnach nicht ganz unbegründet, was auch eine von Bloomberg erstellte Marktstudie bestätigt. Demnach wurden in M&A Aktivitäten des Branchensektors in den letzten drei Jahren 85 Mrd USD investiert, Sanofi hat für Genzyme die gigantische Summe von 20,1 Mrd. USD auf den Tisch gelegt (Lesen Sie dazu auch das Interview mit Prof. Dr. Jochen Maas und Dr. Mark Brönstrup von Sanofi-Aventis Deutschland GmbH – ).

In den letzten sechs Monaten wurden bereits 21 Mrd. USD für M&A Aktivitäten in der Biotechnologiebranche ausgegeben, laut Bloomberg sind das schon 12% mehr als im Gesamtjahr 2012. Börseninsider gehen deshalb von weiteren hochkarätigen Übernahmen aus, aktuelle Gerüchte spekulieren mit dem Kauf von Alexion durch den Schweizer Pharmariesen Roche. Wohl ein wichtiger Grund, weshalb sich der Kurs von Alexion in den letzten drei Jahren verdreifacht hat. Neben den Fusionsfantasien treiben auch hohe Kaufvolumina großer und kleinerer Fondsgesellschaften die Kurse vieler Biotechnologie-Firmen. So stieg beispielsweise das Fondsvolumen des UBS EF Biotech (ISIN LU0069152568/WKN 986327) im 2. Quartal von 373 Mio. EUR (Stand: 31.03.2013) auf rund 600 Mio. EUR. Das Volumen des Franklin Biotech Discovery Fund kletterte um ca. 25 Mio. auf aktuell 345 Mio. EUR. Der BB Biotech Fund (ISIN LU0255977455/WKN A0J4DP) von Bellevue Asset Management sammelte in Q2 etwa 5,5 Mio. EUR ein und verfügt nun über ein Volumen von 22,4 Mio. EUR.

Ideenreich aber mager finanziert, Biotech in Deutschland

Mit den Erfolgen der börsennotierten US-Biotechnologie Unternehmen können einige deutsche Life Science Firmen durchaus mithalten, zumindest wenn es um die Kreativität der Forschungsansätze geht. Leider sind viele dieser kreativen Ideen noch immer mager finanziert und Investments sind fast ausschließlich über Beteiligungsgesellschaften möglich. Kleinanleger können deshalb meist nicht direkt am Erfolg solcher Unternehmen partizipieren. Hier bieten sich Investment in einen erfolgreichen Biotech Fund oder eine Beteiligungsgesellschaft wie BB Biotech als Lösung an. Anderenfalls bleiben interessierten Anlegern nur die wenigen börsennotierten Unternehmen der Branche. Das Papier der Schweizer Biotech-Experten kletterte in den letzten sechs Monaten immerhin von 77,70 auf 103,70 EUR. Das in der Medizintechnik tätige Drägerwerk bescherte seinen Anlegern im letzten halben Jahr einen Gewinn mehr als 10%. Das Papier des Medizin-Software Unternehmens MevisMedical legte im gleichen Zeitraum von 8,45 auf 12 EUR zu. Von den alten Hasen in der Branche überzeugte in den letzten sechs Monaten die Morphosys AG, die einen Kursanstieg von 32,60 auf 52,20 EUR bieten kann. Auch Anleger des Assay-Herstellers Biotest dürfen sich über einen ordentlichen Kursgewinn von 49,90 auf 65,60 EUR freuen und auch das kleine Unternehmen Symrise blickt mit einem Kursanstieg von 26,36 auf 33 EUR auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr.