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Bildnachweis: wifor 2020.

Life Science Nord veröffentlichte heute die aktuellen Kennzahlen zur Wirtschaftskraft der industriellen Gesundheitswirtschaft in Norddeutschland. Dr. Sandra Hofmann vom Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR stellte diese im Rahmen einer Online-Veranstaltung vor. Die Einordnung vor dem Hintergrund der gegenwärtigen COVID-19 Krise übernahm Clustermanager Dr. Hinrich Habeck basierend auf einer kürzlich erfolgten Umfrage unter den Branchenakteuren zu den Auswirkungen der Pandemie. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz und der Hamburger Wirtschaftssenator Michael Westhagemann nahmen aus landespolitischer Sicht Stellung zum Umgang mit der Krise, Unterstützungsmaßnahmen und Zukunftsperspektiven.

Wie steht die industrielle Gesundheitswirtschaft in Hamburg und Schleswig-Holstein wirtschaftlich da? Wie entwickeln sich Beschäftigtenzahlen und Exporte? Und welche Ausstrahleffekte in andere Wirtschaftsbereiche gibt es? Gerade in Zeiten der COVID-19 Pandemie ist diese Frage nicht einfach zu beantworten, denn die Krise setzt alle bisherigen Parameter außer Kraft und bringt ungeahnte Herausforderungen mit sich.

Im Auftrag des norddeutschen Branchennetzwerks Life Science Nord hat das Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR nun die neuesten Kennzahlen zur Entwicklung der Branche im Zeitraum von 2016 bis 2018 ermittelt. Der „ökonomische Fußabdruck des Clusters Life Science Nord“ wurde am 23. Oktober bei einer Online-Veranstaltung vorgestellt. „Auch bei der inzwischen dritten Datenerhebung zeigen die Indikatoren Bruttowertschöpfung, Erwerbstätige und Exporte, dass sich das Cluster Life Science Nord im betrachteten Zeitraum von 2016 bis 2018 auf einem Wachstumskurs befunden hat und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Norddeutschland ist”, fasst Dr. Sandra Hofmann, Forschungsleiterin internationale Sozialpolitik bei der WifOR GmbH, die Ergebnisse der Studie zusammen.

 

Solides Wachstum und hohe Strahlkraft des Clusters

Demnach ist die direkte Bruttowertschöpfung im betrachteten Zeitraum jährlich um 3% gewachsen und auf 5,0 Mrd. € gestiegen. Auch die Zahl der Erwerbstätigen erhöhte sich zwischen 2016 und 2018 um 4,8% auf 52.800 Beschäftigte. Damit besitzt das Cluster eine hohe Strahlkraft und sichert in der Region Wertschöpfung und Arbeitsplätze über die eigentliche Branche hinaus: Auch die Bruttowertschöpfung je Einwohner ist von 979 € im Jahr 2016 auf 1062 € in 2018 gestiegen. Deutschlandweit liegt das Life Science Nord Cluster damit auf dem dritten Platz (hinter Baden-Württemberg und Hessen). Ein Plus kann die Branchenregion auch bei den Exporten verzeichnen: Sie sind auf 6,6 Mrd. € gestiegen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 5,6% entspricht. Der Anteil an den Gesamtexporten der Wirtschaft liegt bei 5,1% (2016: 4,7%).

 

Corona-Pandemie beeinflusst die industrielle Gesundheitswirtschaft deutlich

Da die Kennzahlen aufgrund der Datenlage jeweils für das vorvergangene Jahr berechnet werden, sind die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in das Ergebnis nicht eingeflossen. Clustermanager Dr. Hinrich Habeck nahm daher eine Einordnung anhand einer Umfrage vor, die das Clustermanagement kürzlich unter den Branchenakteuren durchgeführt hatte, um ein aktuelles Stimmungsbild zu erhalten: “Der Anteil der Betriebe, die von einem Umsatzrückgang betroffenen sind, hat sich im Vergleich zu unserer ersten Umfrage im April 2020 mit circa 50% deutlich verringert. Rund ein Drittel der Unternehmen verzeichnen aktuell sogar eine Steigerung des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr.” Es gebe einen leichten Aufwärtstrend und verhalten optimistische Zukunftserwartungen, resümierte Habeck. Allerdings sei klar, dass diese Einschätzung aufgrund der unvorhersehbaren und sehr dynamischen Entwicklung der Pandemie-Lage nur ein punktuelles Stimmungsbild sein könne und für viele Akteure der Branche öffentliche Unterstützungsmaßnahmen weiter notwendig seien.

 

Politische Unterstützung in der Krise notwendig

“Unsere Maßnahmen in der akuten Krise haben sich vor allem um die Themen Sofort- und Überbrückungshilfen, Sicherung von Arbeitsplätzen durch Kurzarbeitergeld und Härtefallfonds gedreht”, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz. “Wir haben als Reaktion auf die Engpässe bei der Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung eine neue Fördermöglichkeit zum Aufbau von PSA-Produktion in Schleswig-Holstein auf den Weg gebracht. Ich sehe trotz aller Widrigkeiten auch Chancen in der aktuellen Situation: digitaler Wandel und neue Arbeitsmodelle werden enorm angeschoben. Viele Unternehmen überzeugen mit großem Einfallsreichtum.“

Michael Westhagemann, Senator der Behörde für Wirtschaft und Innovation in Hamburg, fügte hinzu: “Die Liquidität der Unternehmen und die Sicherung der Arbeitsstellen hat für uns weiterhin große Priorität. Hier haben sich Maßnahmen, die Netzwerk-Strukturen innerhalb der Cluster weiter zu stärken, als hilfreich erwiesen und zu raschen Erfolgen geführt. Ein gutes Beispiel dafür ist die schnelle Vermittlung von Arbeitskräften zwischen den verschiedenen Branchen, die teilweise von Kurzarbeit oder aber Fachkräftemangel betroffen waren. Es ist mehr als sinnvoll Kompetenzen zu bündeln, eng zusammenzuarbeiten, sich zu vernetzen und damit auch wichtige Innovationen voranzutreiben.“

Beide Politiker waren sich einig, dass diese Maßnahmen zukünftig – auch entlang akuter Bedarfe – noch weiter ausgebaut werden müssten. Vor allem die Aufrechterhaltung und Unterstützung der Innovationskraft müsse sichergestellt werden, um den Herausforderungen der Krise entsprechend begegnen zu können und die Wirtschaftskraft des Clusters weiterhin zu sichern. Schon 2018 wurde das Cluster mit dem Gold-Standard ausgezeichnet.