Bildnachweis: Bomedus.

Schmerzfreiheit ohne Tabletten auf Rezept – daran arbeitet Bomedus. Mittels einer gezielten Neuromodulation beeinflusst die Technologie des Unternehmens das sogenannte Schmerzgedächtnis bei Schmerzpatienten – ein bis dato fehlender, elementarer Baustein einer jeden multimodalen Schmerztherapie.

In Zukunft soll die Technologie nicht mehr nur einer kleinen Gruppe von Betroffenen zur Verfügung stehen, sondern möglichst vielen der insgesamt 15 Mio. chronischen Schmerzpatienten in Deutschland. Um dies zu erreichen, startet Bomedus eine Crowdfunding-Kampagne auf Seedmatch. Insgesamt möchte das Unternehmen über das Crowdfunding bis zu 500.000 EUR einsammeln.

Privater Schicksalsschlag ausschlaggebend

Die Idee entstand durch einen Schicksalsschlag in der Verwandtschaft, welcher bei einem jungen Menschen zur Beinamputation und zu täglichen starken Phantomschmerzen führte. „In meiner Forschungsgruppe pain reduction haben mein Team und ich uns bereits mit der Beeinflussung der Schmerzweiterleitung durch elektrische Impulse beschäftigt“, sagt Arzt und Gründer Tobias Weigl. „Durch den Schicksalsschlag habe ich aus einer neuen persönlichen Perspektive miterleben müssen, dass die Schmerztherapie oftmals leider nur unzureichend ist und die Medikamente auch zu Nebenwirkungen führen. Dies war ein gewaltiger Motivationsschub, den fehlenden Baustein der Schmerztherapie zu entwickeln und somit chronische Schmerzen wie auch den Schmerzmittelbedarf zu reduzieren.“

Spin-off der Uniklinik Bonn

In 2012 gründete Weigl zusammen mit dem Chefarzt der Anästhesiologie des Universitätsklinikums Bonn, Andreas Hoeft, und zwei weiteren Personen die Bomedus GmbH als Spin-off der Uniklinik Bonn. Sie entwickelten eine Technologie, mit der es gelingt, ein krankhaft verändertes Schmerzempfinden, das Schmerzgedächtnis, zu beeinflussen mit dem Ziel, dieses wieder zu normalisieren. Mittlerweile gibt es sieben verschiedene CE-zugelassene und patentierte Produkte für verschiedene Körperteile. Mit dem durch das Funding erworbene Kapital möchte Bomedus ihre Marketing- und Vertriebsaktivitäten ausbauen sowie den nächsten Schritt zur Erstattungsfähigkeit gehen.

Das Schmerzgedächtnis löschen

Die von Bomedus entwickelte Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS) ist das erste und bislang einzige Therapieverfahren, mit dem selektiv A-δ-Fasern („Schmerzfasern“) nicht-invasiv, d.h. ohne Operation, stimuliert werden können. Bei regelmäßiger Stimulation können morphologische Veränderungen im schmerzverarbeitenden System bei chronischen Schmerzen normalisiert bzw. kann ihnen vorgebeugt werden – eine generelle Schmerzüberempfindlichkeit soll reduziert werden.

„Patienten legen das Schmerzband, ähnlich einer Bandage, an die betroffene Stelle und steuern mithilfe einer Fernbedienung die Impulsstärke“, erklärt Tobias Weigl. Über feine Polyamidfäden gelangen niederfrequente Stromreize gezielt an die relevanten Schmerzfasern, die sogenannten Small Fibers, die sich direkt in der obersten Hautschicht befinden. Bei regelmäßiger Anwendung werden nicht nur akute Beschwerden auf ein Normalmaß reduziert, auch das Schmerzgedächtnis wird sukzessive überschrieben.