Bildnachweis: Jennewein Biotechnologie GmbH.

Die Jennewein Biotechnologie GmbH produziert seltene funktionelle Zucker für den Einsatz in unterschiedlichen Anwendungsbereichen wie zum Beispiel der Ernährung, Pharmakologie und Dermatologie. Das Unternehmen gilt als führend im Bereich der Produktion von seltenen Monosacchariden sowie komplexen Oligosacchariden und schickt sich an, den chinesischen Markt zu erobern.

 

Plattform Life Sciences: Herr Dr. Jennewein, vor wenigen Tagen hat Jennewein Biotechnologie eine Kooperation mit der chinesischen Yili Group bekanntgegeben. Worum geht es in der Zusammenarbeit genau?

Jennewein: In der Zusammenarbeit mit der Yili Group geht es in erster Linie darum, eine neue Säuglingsnahrung und auch andere Milchprodukte zu entwickeln, die auf den chinesischen Markt zugeschnitten sind. Wir werden im Bereich Forschung & Entwicklung kooperieren, um so zunächst gemeinsam eine Säuglingsnahrung zu produzieren, die humane Milch-Oligosaccharide enthält. Wir freuen uns, dass auch die chinesischen Eltern und ihre Kinder von den Vorteilen der HMOs, wie zum Beispiel der Ausbildung eines gesunden Mikrobioms oder dem Schutz vor bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten, profitieren.

 

Warum ist der chinesische Markt so wichtig für Jennewein?

Mit mehr als 50% globalem Markanteil ist der chinesische Markt mit Abstand der bedeutendste Markt für Säuglingsnahrung. In China werden heute zudem die höchsten Preise für Säuglingsnahrung bezahlt. Deshalb ist dieser Markt prädestiniert für die Einführung von innovativen Produkten. Bedingt durch die frühere Ein-Kind-Politik und der Auffassung der chinesischen Gesellschaft, dass Ihre Kinder mit allen anderen Kindern in direkter Konkurrenz stehen, sowie der damit verbundenen allumfassenden Förderung des eigenen Kindes, möchten die Eltern dem Säugling den bestmöglichsten Start ins Leben gewährleisten. Somit ist der chinesische Säuglingsnahrungsmarkt heute der mit Abstand der interessanteste Markt überhaupt und deshalb so wichtig für die Entwicklung von Jennewein Biotechnologie.

Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich mit dem Markteintritt in China?

Der chinesische Markt ist in vielerlei Hinsicht anspruchsvoll: im Besonderen aus regulatorischer Sicht. Z.B. waren von einigen Jahren noch mehrere hundert chinesische Säuglingsnahrungsproduzenten am Markt. Durch die stark angezogenen Qualitätsrichtlinien der Zentralregierung ist heute nur noch eine sehr überschaubare Gruppe sehr volumenstarker Unternehmen am Markt. Einer dieser nun entstandenen großen Anbieter ist Yili.

 

Plant Jennewein auch das Geschäft in anderen Ländern auszubauen?

Das Säuglingsnahrungsgeschäft ist mit wenigen Ausnahmen ein sehr globales Business. Aktuell gibt es hier 4-5 internationale Anbieter und einige, die wir als lokale Champions bezeichnen. Deshalb war unsere gesamte Strategie schon von Beginn an auf ein globales Geschäft ausgerichtet. Wir haben bereits in anderen Regionen dieser Welt, wie dem wichtigen US-Markt und ausgewählten europäischen Ländern, humane Milch-Oligosaccharide eingeführt. Aktuell arbeiten wir an Zulassungen und dem jeweiligen Markteintritt in Ländern wie Australien & Neuseeland, Indonesien oder Brasilien. Zumeist arbeiten wir hier zusammen mit den großen international agierenden Unternehmen aber auch mit kleinen lokalen Champions (ein Beispiel ist hier der Südkoreanische Markt).

 

Neben den Humanen Milch-Oligosacchariden (HMO) setzt Jennewein auf weitere Produkte der industriellen Biotechnologie. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Jennewein Biotechnologie wurde für die Herstellung und Kommerzialisierung von HMOs gegründet, und wir sind sicherlich eines der wenigen Biotechnologie-Unternehmen, die erfolgreich das ursprünglich verfolgte Konzept umsetzten konnten. Wir waren die Allerersten, die im Jahr 2015 2‘-Fucosyllactose auf den Markt gebracht haben, was bis dato als unmöglich angesehen wurde. Heute befassen wir uns mit Themen wie der weiteren Optimierung von Säuglingsnahrungsprodukten und auch Anwendungen von HMOs außerhalb der Säuglingsnahrung (z.B. medizinische Ernährung oder dem Mikrobiom). Neben den HMOs produziert Jennewein Biotechnologie seltene Zucker wie z.B. Fucose oder Sialinsäure. Diese Produkte finden Anwendung ebenfalls in der Nahrungsmittelindustrie, aber auch in der Herstellung von Medikamenten.

 

Herr Dr. Jennewein, herzlichen Dank für das Interview.