Die NVision-Technologieplattform ermöglicht die Echtzeit-Visualisierung und Analyse von Stoffwechselprozessen auf zellulärer Ebene, die dem Fortschreiten von Krebs zugrunde liegen. Möglich wird dies durch „Quanten-Zucker“, ein physikalisch verändertes, zuckerbasiertes Stoffwechselprodukt, das NVision in einem eigens entwickelten Gerät „polarisiert“. Die gesammelten Echtzeitinformationen könnten Krebsbehandlungsmethoden und ein breites Spektrum anderer hochwirksamer klinischer Anwendungen verbessern.

 

NVision, ein Ulmer Quantentechnologie-Unternehmen, hat einen sogenannten „Polarisator“ entwickelt, ein Gerät, das die Sensitivität zuckerbasierter, nicht-radioaktiver und natürlicherweise im Körper vorkommender Stoffwechselprodukte (wie beispielsweise Pyruvat) für die magnetische Detektion in einem Magnetresonanztomografen (MRT) um mehr als das 10.000-fache verstärkt. Dieser „Quanten-Zucker“, also „signalverstärkte Moleküle“, können nach der Injektion in den menschlichen Körper im Rahmen einer Standard- MRT-Bildgebung sichtbar gemacht werden.

MRT-Bildgebung ohne NVision-Technologie. Copyright: NVision Imaging Technologies GmbH
MRT-Bildgebung ohne NVision-Technologie. Copyright: NVision Imaging Technologies GmbH
MRT-Bildgebung mit NVision-Technologie. Copyright: NVision Imaging Technologies GmbH
MRT-Bildgebung mit NVision-Technologie. Copyright: NVision Imaging Technologies GmbH

Präzise Erkennung von Stoffwechselveränderungen

Bisher konnten MRTs nur anatomische Informationen auf Gewebeebene liefern, aber keine Stoffwechselinformationen auf Zellebene. Das schränkt das Verständnis vieler Krankheiten, einschließlich Krebs, sehr ein. Schließlich treten Stoffwechselveränderungen in Tumoren viel früher als anatomische Veränderungen (wie bspw. Veränderungen der Tumorgröße) auf. Durch die NVision-Plattform lassen sich Stoffwechselveränderungen schnell und präzise erkennen und analysieren. „Das ermöglicht eine wesentlich verbesserte Wirksamkeitsabschätzung einer Krebsbehandlung als das in der Vergangenheit möglich war: Auf der Grundlage bisheriger Standard-MRT-Protokolle ist sie erst nach Monaten, mit der NVison-Plattform wäre sie nun innerhalb weniger Tage möglich“, so NVision-CEO Sella Brosh, M.D.

Plattform für Spinphysik-gestützte MRT stößt auf weltweites Interesse

NVision wurde von weltweit führenden Experten der Spinphysik gegründet, darunter Prof. Dr. Jelezko (Quantenpolarisation) und Prof. Dr. Plenio (Quantenbiologie) von der Universität Ulm, die beide zu den weltweit am häufigsten zitierten Physikern gehören, sowie Prof. Dr. Alex Retzker, renommierter Experte für Quantensignalverstärkung und Spinphysik (Hebrew University). Die Plattform von NVision ist laut Unternehmen bei Krankenhäusern unterschiedlicher Größen, Arztpraxen mit MRT-Bildgebungseinrichtungen und führenden Forschungslaboren weltweit auf großes Interesse gestoßen. Kürzlich wurde die Plattform an der TU München einem Publikum von 50 Fachleuten renommierter, internationalen Krebszentren, darunter Cambridge (UK), MD Anderson und Memorial Sloan Kettering Cancer Center (USA) und DKFZ (Heidelberg) vorgeführt. Aktuell wird die Plattform durch einen führenden niederländischen Entwickler und Hersteller von High-End-Systemen und Produkten in ein kommerzielles Produkt umgewandelt, dessen Auslieferung Anfang 2024 (präklinischer Einsatz) bzw. 2025 (klinischer Einsatz) beginnen soll.

NVisions Polarisationsplattform: Polarisator und Bildgebungsmittel für Echtzeit-Einblicke in den Zellstoffwechsel (Lieferung ab Anfang 2024) (mit MRT im Hintergrund). Copyright: NVision Imaging Technologies GmbH, shutterstock

NVision auf Expansionskurs

NVision wird durch Investoren aus den USA, der EU und Israel, sowie durch öffentliche Mittel unterstützt. Insgesamt hat NVision bis April 2023 öffentliche Gelder in Höhe von 16,4 Millionen Euro und private Gelder in Höhe von 30,6 Millionen Euro erhalten. Das Unternehmen beschäftigt derzeit über 50 Mitarbeiter aus mehr als 10 Ländern. Allein in den letzten zwei Jahren hat NVision über 20 neue Mitarbeiter eingestellt und damit sein Team und seine Fähigkeiten weiter verstärkt. Nun wächst das Unternehmen aus seinen bisherigen Räumlichkeiten an der Universität Ulm heraus und zieht daher in einen größeren Neubau im Ulmer Wissenschaftspark 3 um, der 800 Quadratmeter Labor- und Bürofläche bieten wird. Der Umzug ist für die zweite Jahreshälfte geplant – und für die nächsten Quartale ist eine weitere Expansion in benachbarte Räumlichkeiten angedacht.

Anerkennung für Game-Changer-Potenzial

In der Vergangenheit erhielt NVision bereits mehrere Anerkennungen, so war es u. a. der Gesamtsieger des Innovationsradarpreises 2022 der Europäischen Kommission (branchenübergreifend und aus über 300 Bewerbern, die in der Vergangenheit EU-Fördermittel für Forschungs- und Innovationsprojekte erhalten haben). Von CB Insights wurde es als einer von neun „game-changers“ bezeichnet.

Visualisierung eines zukünftig möglichen Labors für hyperpolarisierte MRT. Copyright: NVision Imaging Technologies GmbH, shutterstock

Gemeinsam mit renommierten akademischen und industriellen Partnern wie der Technischen Universität München, Siemens Healthineers und anderen wird NVision im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 17,8 Millionen Euro geförderten Projekts “QuE-MRT” die Krebsbildgebung vorantreiben. Darüber hinaus wird NVision Teil des Kompetenzzentrums Quantencomputing Baden-Württemberg werden. NVision war ebenso Co-Koordinator eines Hauptprojekts im Rahmen des „EC Quantum Technologies Flagship“, eine der größten Forschungs- und Innovationsinitiativen Europas, die Wissenschaftler und Ingenieure aus Hochschulen und Industrie sowie künftige Nutzer von Quantentechnologien zusammenbringt.

Das Team von NVision ist auf über 50 hochqualifizierte Mitarbeiter aus mehr als 10 Ländern angewachsen, wobei mehr als 60 % der Mitarbeiter einen Doktortitel besitzen. Copyright: Jochen Scheuer

„Die Erfassung von Stoffwechselinformationen mit MRTs hat das Potenzial, die Art und Weise, wie wir diagnostizieren und Behandlungen auswählen, in vielen Bereichen der Medizin zu verändern. Bei dieser metabolischen Magnetresonanzbildgebung geht es nicht mehr nur um das ‚Aussehen‘ von Tumoren, sondern darum, wie sie sich tatsächlich verhalten und funktionieren.“ so Sella Brosh abschließend.

Kurzprofil NVision (21.04.2023):

Gründung: 2015
Unternehmenssitz: Ulm, Deutschland
Sektor: MedTech, Herstellung wissenschaftlicher und technischer Instrumente
Anzahl Mitarbeiter: 55
Internet: https://www.nvision-imaging.com/

Autor/Autorin

Urs Moesenfechtel
Redaktionsleiter at GoingPublic Media AG | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.