Dass Deutschlands Investoren hinsichtlich der Finanzierung junger Unternehmen eher zurückhaltend sind, ist kein Geheimnis. Im Vergleich mit den USA und Israel sieht Deutschland ziemlich schlecht aus. Doch das soll sich nun ändern: führende Industrieunternehmen, die bayerische Wirtschaftsministerien und sogar Finanzminister Schäuble wagen einen Vorstoß in Richtung besserer Finanzierung von Jungunternehmen. Mit dem Ziel, den Dialog zwischen der Old und der New Economy zu fördern und passende Unternehmensstrategien zusammen zu bringen, geht am 13. und 14. Mai in Berlin die „Best of Both“ (BOB) an den Start. Über eine Milliarde EUR hat die deutsche Großindustrie an Start-ups und junge Unternehmen zu vergeben. Doch weil sich die Suche nach der passenden Gelegenheit oder dem perfekten Start-up oftmals schwierig gestaltet, bringt die „BOB“ nun die Interessenten an einen Tisch.

Gemeinsam präsentieren sich u. a. die Geldgeber Bertelsmann, Siemens, Daimler, Deutsche Post, Evonik, Bosch sowie der Company Builder Project A Ventures  in Berlin, wo sie auf interessante Companys aus aller Welt treffen werden. Während des zweitägigen Marathons werden rund 100 Industrieunternehmen aus allen Branchen auf 200 Gründer und Jungunternehmer aus Europa und dem Rest der Welt treffen. Die Geschäftsideen aus allen Branchen, darunter die Innovationssektoren Smart Energy, Internet, Mobile & Commerce und BioMedTech, aber auch Engineering und Media & Marketing dürfen nicht fehlen, hoffen auf gute Deals. Hervorgegangen aus dem ehemaligen “Spitzentreffen der deutschen Wirtschaft”, findet von der SWAB GmbH gegründete “Best of Both Berlin” dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Mitveranstalter ist seit 2014 die Euroforum Deutschland SE in Kooperation mit dem Handelsblatt. Weitere Informationen finden Interessiert hier: www.bestofbothberlin.com

Finanzminister Schäuble plant Steuererlass
Bis zu Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist der Finanzierungsnotstand in deutschen Jungunternehmen bereits vorgedrungen. Laut einem Artikel in der WiWo plant Schäuble deshalb einen Steuererlass, um das Investitionsklima für innovative Start-ups in Deutschland zu verbessern. Der Fokus liegt dabei primär auf einer Steuerbefreiung des staatlichen Investitionszuschusses für Wagniskapital. Dies, so Schäuble in der WiWo, hätte Auswirkungen auf den Fördereffekt, der sich dadurch um bis zu 80 Prozent erhöhen würde. Schon nach der Sommerpause will der Finanzminister einen entsprechenden Gesetzentwurf präsentieren. Dieser sehe vor, dass Steuervorteile sogar rückwirkend ab Januar 2014 geltend gemacht werden können. Staatssekretär Michael Meister weist in einem Schreiben an den grünen Abgeordneten Thomas Gambke auf den Verbesserungsbedarf der durch Venture Capital finanzierten Innovationsunternehmen hin.

So würden laut Daten des Finanzministeriums lediglich 0,02 Prozent des BIP in Form von Wagniskapital investiert. Im vergangenen Jahr waren dies magere 674 Mio. EUR. Damit liegt Deutschland, obwohl es in Europa glänzend aufgestellt ist, noch hinter Großbritannien mit 0,04% und Schweden mit 0,05% des BIP. Weit abgeschlagen ist Deutschland dagegen im Vergleich mit den USA, die mit 0,17% fast zehn mal soviel Venture Capital vergeben, und Israel, das mit 0,39% des BIP Spitzenreiter ist. Vor allem in der frühen Phase der Unternehmensentwicklung sind Bankdarlehen in Deutschland Mangelware, woraus Finanzierungslücken resultieren, die sogar zu einer Einstellung des Geschäftes bei aussichtsreichen Ideen und erfolgversprechenden Innovationen führen können.

Laut BVK schnitt Bayern in 2013 in Sachen Risikokapital deutlich besser ab als der Rest Deutschlands. Jetzt planen die Bayern einen 250-Millionen-Euro-Fonds.
Laut BVK schnitt Bayern in 2013 in Sachen Risikokapital deutlich besser ab als der Rest Deutschlands. Jetzt planen die Bayern einen 250-Millionen-Euro-Fonds.

Bayerische Wirtschaftsministerin Aigner setzt auf Wachstumsfonds
Die bayerische Wirtschaftsministerien Ilse Aigner sind nicht nur einen Mangel in frühen Stadien sondern vor allem auch im fortgeschrittenen Stadium – also wenn es um Expansion oder eine internationale Vermarktung von Produkten geht. Wie der Bund, so will auch Bayern endlich Maßnahmen zur Abhilfe in die Wege leiten. Aigner plant zur Verbesserung der Finanzierung bayerischer Start-Ups mit innovativen Technologien und hohem Wachstumspotenzial einen eigenen „Wachstumsfonds Bayern“ mit einem Zielvolumen von immerhin 100 Mio. EUR.

Dabei sollen etwa 30 Mio. EUR vom Freistaat Bayern kommen, die restlichen 70 Mio. EUR soll die LfA Förderbank Bayern beisteuern, deren Tochter „Bayern Kapital“ den Fonds auch verwalten soll. Bei größeren Finanzierungsvolumina ist auch eine Kooperation mit privaten Wagniskapitalgebern angedacht. Langfristig soll so für bayerische Start-ups ein Finanzierungsvolumen von bis zu 250 Mio. EUR zur Verfügung stehen und vor allem die Wachstumsphase der Unternehmen fördern. Bayern schneidet zwar in Sachen Wagniskapital im Vergleich mit anderen Bundesländern gar nicht schlecht ab – 2013 flossen etwa 202 Mio. EUR Risikokapital in bayerische Start-ups, so Daten des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK).

Aigner will die gute Position aber weiter ausbauen, denn international fällt der Vergleich mit anderen Ländern eher mau aus. Nach Bayern folgen Berlin (184 Mio. Euro), Baden-Württemberg (75 Mio. Euro) und NRW (55 Mio. Euro), doch die internationalen Zahlen zeigen, Deutschland hat immensen Aufholbedarf. Um weiterhin einen Spitzenplatz in der Welt einzunehmen, muss Deutschland umdenken und viel Geld in die Hand nehmen. Dazu sucht Aigner nun Gespräche mit institutionellen Investoren (Banken, Versicherungen, Versorgungskassen, Stiftungen) in Bayern, um zu eruieren, wie sich hierzulande mehr Wagniskapital gewinnen ließe. Bisher fließt leider noch ein Großteil des Geldes in innovative Unternehmen im Ausland. Wie Schäuble, so sieht auch Aigner Handlungsbedarf in Sachen Rahmenbedingungen und will gemeinsam mit Berlin Vorschläge für die im Juni stattfindende Wirtschaftsministerkonferenz vorbereiten. Hier das Informationsmaterial zum Wachstumsfonds downloaden:

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.