Rund 200 M&A-Verantwortliche aus Konzernen und mittelgroßen Unternehmen diskutierten auf dem 12. Deutschen Corporate M&A-Kongress in München anhand von Praxisbeispielen und Vorträgen zu den M&A-Prozessen über nationale und grenzüberschreitende M&A unter deutscher Beteiligung.

Betrachtet man die einzelnen Industriesegmente, so hat die Pharmabranche weltweit Rang eins erklommen, gefolgt vom Technologie-, Medien- und Telekom-Sektor, erklärte Prof. Dr. Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions e.V.. Fünf der zehn größten Unternehmenstransaktionen werden in der Pharmabranche getätigt. Als bestes Beispiel verwies der Verbandsvorsitzende Lucks auf Bayers Übernahme des Consumer-Geschäftes von Merck USA.

Über die Flexibilität bei Transaktionsstrukturen in der Pharmabranche referierte Dr. Jochen Gann, Head of Corporate Finance and M&A, bei der Boehringer Ingelheim GmbH. Anschaulich erklärte er das Business-Modell Pharma: Die Chance, dass ein Medikament letztendlich auf den Markt gebracht wird, läge bei 7%. War das Verhältnis von chemischen und biochemischen Produkten im Jahr 2010 noch ausgeglichen, sei der Anteil an biochemischen Produkten 2014 auf über 78% gestiegen. „Dieser Trend wird weitergehen, da auch die Krankheiten immer komplexer werden“, sagte Gann.

Insgesamt gab es im Jahr 2014 für die M&A-Märkte viele positive Neuigkeiten: Europa überraschte durch ein starkes zweites Quartal, das den Vergleichszeitraum vom Vorjahr um Faktor drei übertraf. Damit war dies das stärkste Quartal seit der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite 2008.  „Zwar hat sich der M&A-Markt deutlich erholt, dennoch ist die siebte M&A-Welle, auf die die Fachleute warten, die auf einem grundlegenden Paradigmenwechsel fußt und die einen langfristigen, globalen Auftrieb verspricht, immer noch nicht erkennbar“, so Lucks.

Der Tenor aus den Vorträgen war, dass M&A-Prozesse immer komplexer und zeitlich länger werden. Dadurch erhöhe sich der Aufwand für M&A-Dienstleister – so würden diese zweifach von der Marktentwicklung profitieren: neben der Erholung des Marktes auch durch höhere Umsätze in den einzelnen Projekten. Vor dem Hintergrund der steigenden Kosten würden auch mittelständische Unternehmen zunehmend auf hauseigene M&A-Expertise setzen.

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