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Die zunehmende Digitalisierung des Gesundheitswesens verspricht Kosteneinsparungen und eine bessere Befriedigung der unterschiedlichsten Patientenbedürfnisse. Wirkstoffe können anhand personalisierter Daten schneller entwickelt und Medikamente rascher und zielgerichteter verabreicht werden. Vorsorge, Diagnose und manche Therapie können von Betroffenen selbst in die Hand genommen werden. Trotzdem gibt es Zweifel. Denn viele Menschen stehen der Digitalisierung skeptisch gegenüber.

 

Viele Nutzer und Betroffene verbinden das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen zumeist mit Wearables und Gesundheits-Apps auf ihrem Smartphone. Diese können Beispielsweise Körperdaten erheben und so Handlungsempfehlungen für ein gesünderes Leben geben, sei es im Bereich Ernährung oder sportlichen Aktivität. An erster Stelle stehen Dabei Apps gegen mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Features für einen gesünderen Lebensstil und Überwachungen von Diabetes-Erkrankungen.

Eine Frage der Persönlichkeit

Was auf den ersten Blick nützlich erscheint (und in vielen Fällen wohl auch ist), setzt jedoch voraus, dass Menschen einen Teil ihrer Persönlichkeit freigeben, nämlich private und sensible Daten. Und hier scheiden sich die Geister, lassen sich Zweifel am korrekten und sicheren Umgang doch beileibe nicht aus der Welt schaffen. Wie sehr sind Menschen bereit, ihre sensiblen Daten zu offenbaren? Treffen Wearables & Co. überhaupt den Nerv der Interessierten?

Wie die Beratungsgesellschaft BearingPoint unlängst herausfand, nutzt nur knapp jeder fünfte Deutsche sein Smartphone und nicht einmal jeder zehnte ein Wearable zur Überwachung und Optimierung seiner Gesundheit. Zahlen, die überraschen, klingt der Boom um digitale Spielzeuge zur Gesundheitsfürsorge doch nach mehr.

Ewige Hemmschwelle Datenschutz

Eine wesentliche Hemmschwelle scheint dann auch der Datenschutz zu sein. Denn noch immer befürchtet eine klare Mehrheit der Nutzer, dass ihre persönlichen Daten bei der Nutzung digitaler Hilfsmittel nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt sind. Das Schlagwort von den „disruptiven Innovationen“ kann denn auch nicht letztlich überzeigen. Der Wunsch nach technischer Weiterentwicklung ist zwar vorhanden. Ein allzu großes Vertrauen scheinen die Deutschen etwa Roboter, Mikrochipimplantate und Organe aus dem 3D-Drucker nicht zu haben, so die Verfasser der Studie „Jetzt und in Zukunft. Smarte Gesundheit in Deutschland startet (noch) nicht durch“.

Soll heißen: Digitale Revolution bitte gern, aber nicht automatisiert! Und auch Maßnahmen der künstlichen Intelligenz werden immer noch gerne in Verbindung mit Menschen gesehen: Das Vertrauen der Deutschen in ihre Ärzte scheint ungebrochen. Ihnen gegenüber sind große Teile der Bevölkerung (85%) bereit, auch sensible Daten preiszugeben. Ganz im Gegensatz zu Pharmaunternehmen, Herstellern oder Softwarefirmen, die sich seit geraumer Zeit um eine Verbesserung der digitalen Gesundheitsvorsorge und Behandlung bemühen.

Können Daten korrekt ausgewertet werden?

Viele Nutzer haben darüber hinaus Zweifel daran, dass digitalisierte Hilfsmittel oder Maßnahmen der künstlichen Intelligenz die gesammelten Daten richtig auswerten können. Was, wenn Computer & Co. Die falschen Schlüsse ziehen? Ein fälschlicherweise optimaler oder kranker Gesundheitszustand diagnostiziert würde, inklusive der damit (nicht) verbundenen Behandlungen? Entsprechendes könnte zudem weitreichende finanzielle Auswirkungen haben, nämlich steigende Kosten für den Patienten für Behandlungen und Krankenkassenbeiträge wie auch das gesamte Gesundheitssystem. Gesammelte Daten müssen demnach nicht nur sicher sein, sie müssen zudem auch korrekt ausgewertet werden.

Fazit

Was also ist zu tun? Denn die technologische Weiterentwicklung schreitet bekannter Maßen in Riesenschritten voran. Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind aus dem Gesundheitssystem von morgen und teilweise auch dem von heute nicht mehr wegzudenken. Fakt ist, bei aller Automatisierung, das Vertrauen in den Menschen, sprich den behandelnden Arzt ist ungebrochen. Zöge man denn auch einen Mediziner hinzu, sind laut BearingPoint 61% der Befragten bereit, einer Diagnose zu vertrauen, die mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurde.

Schlussendlich ist es eine Frage von Vertrauen. Daten müssen sicher gesammelt und korrekt ausgewertet werden. Die Nutzung von Wearables und Co. Muss für den Betroffenen einen sichtbaren Nutzen erzeugen. Ärzte und Mediziner müssen für ihre Patienten Brücken bauen und ihnen die Vorteile der Digitalisierung vor Augen halten. Pharmaunternehmen und Softwarefirmen müssen Innovationen verständlich kommunizieren, Krankenkassen die finanziellen Vorteile als Folge einer digitalen Gesundheitsprävention noch stärker in den Vordergrund stellen.

Es ist ein Sammelsurium an Notwendigkeiten. Entscheidend aber bleibt das Vertrauen, welches am Ende nur einer geben kann: Der Patient selbst.

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