Werbung

Eine pflegebedürftige Person stürzt, hat sich verirrt oder droht wundzuliegen – das sind Situationen, vor denen sich viele Pflegende fürchten. Um vorzubeugen, ist eine hohe physische Präsenz erforderlich, die gleichzeitig für Pflegende wie Betroffene eine enorme psychische Belastung darstellt. Das Sensormodul moio.care soll hier für Entlastung sorgen. Das System wurde aus einer Idee der Diakonie Neuendettelsau in einem Forschungsprojekt des Spitzenclusters Medical Valley EMN entwickelt. Daraus entstanden ist das Fürther Start-up MOIO GmbH, das zur Finanzierung der Markteinführung nun eine Crowdfunding-Kampagne auf aescuvest.de gestartet hat.

Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt stark an

Rund 2,6 Mio. pflegebedürftige Menschen leben in Deutschland, jährlich steigt diese Zahl hierzulande um weitere 48.000 an. Mehr als zwei Drittel der Betroffenen werden zu Hause versorgt – die meisten von ihnen durch Angehörige. Circa 60% leiden an demenziellen Veränderungen, der Hauptursache für Pflegebedürftigkeit.

Ob in der häuslichen oder in der stationären Betreuung, die psychische und zeitliche Belastung der Pflegenden ist enorm. Dabei zeichnet sich bereits heute ab, dass sich die Situation gesamtgesellschaftlich noch verschärfen wird: Aufgrund des stagnierenden Angebots von professionellen Pflegekräften droht in den nächsten Jahren eine gravierende Versorgungslücke. Um diese zu schließen, sind neue Formen der Arbeitsteilung zwischen allen Beteiligten – Familie, Angehörigen und Pflegefachkräften – notwendig, um Menschen effizient und nach ihren individuellen Bedürfnissen zu versorgen.

Sensormodul wird am Rücken befestigt

Hier will das moio.care System ansetzen und mehr Freiheit für die Gepflegten wie die Pflegenden schaffen: Es besteht aus einem extrem flachen, flexiblen und weichen Sensormodul, das in einer elastischen Pflastertasche am Rücken befestigt wird. „Das TeleCare-System informiert Pflegende, falls konkreter Handlungsbedarf besteht, sodass Pflegebedürftige und Pflegende nicht permanent und unmittelbar räumlich aneinandergebunden sind“, erläutert MOIO-Geschäftsführer Jürgen Besser. Kontroll- und Routineaufgaben würden vereinfacht. Das entlaste die Pflegenden und führe zu höherem Schutz der Pflegebedürftigen.

Mit umfangreichen Funktionen ausgestattet

In der ersten Entwicklungsstufe soll das moio eine Vielzahl an Funktionen erfüllen: Virtuelles Geofencing alarmiert die Kontaktpersonen, wenn desorientierte Menschen definierte Zonen verlassen. Die gezielte Lokalisierung ermöglicht es im Notfall, die Position eines Menschen genau zu ermitteln. Beschleunigungs- und Lagesensoren senden ein Signal bei Sturzerkennung oder wenn sturzgefährdete Personen aus dem Bett aufstehen wollen. Zudem werden Pflegende informiert, falls ein definiertes Intervall bewegungslos verstrichen ist; so wird Wundliegen verhindert (Dekubitusprophylaxe). Zusätzlich kann der Sensor auswerten, wann und wieviel sich der Träger bewegt hat und das daraus ermittelte Aktivitätsprofil gibt so beispielsweise Aufschluss über den Kalorienbedarf. Um Fehlalarme zu vermeiden, kontrolliert das System eigenständig, ob es auch tatsächlich am Körper getragen wird. Alle Daten werden vom Modul lokal gesammelt und nur im definierten Bedarfsfall an einen Datenserver gesendet. Dieser informiert dann die Pflegenden, zum Beispiel über eine Nachricht an ein Smartphone.

Marktreife bis Ende 2019 geplant

Innerhalb der kommenden anderthalb Jahre soll das System zur Marktreife gebracht und im zweiten Halbjahr 2018 die Zulassung als Medizinprodukt beantragt werden. Für die anstehenden Entwicklungsschritte und die Vorbereitung der Markteinführung des moio.care-TeleCare-Systems werden nach eigenen 250.000 EUR benötigt.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.