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Einer der Top-Referenten: Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Quelle/Rechte: MCC

Die Gesundheitsversorgung stellt eine der größten Herausforderungen der Zukunft dar, auch und vor allem in Deutschland. Nichts schreitet so rasant voran wie der medizinische Fortschritt, gleichzeitig steigen die Kosten einer zunehmend von Hightech abhängigen Gesundheitsversorgung unaufhaltsam. Hinzu kommt der demographische Wandel, wir Deutsche werden nicht nur immer älter, wir produzieren auch immer weniger Nachkommen. Eine Kombination, die nichts Gutes erwarten lässt. Schlagworte wie Zweiklassenmedizin und zweitklassige Pflege sind keine Zukunftsszenarien, sie sind bereits bittere Realität. Chronisch Kranke und Pflegebedürftige spüren die Auswirkungen des Kostendrucks bereits am eigenen Leibe und das jeden Tag aufs Neue. Gefragt sind intelligente Lösungen, die auch in Zukunft eine bezahlbare und für jeden verfügbare Gesundheitsversorgung sicherstellen können.

Telemedizin auf dem Vormarsch

Erkannt haben die Insider aus Pharmazie, Medizintechnik und Politik, die sich vor Kurzem auf der Health 3.0 in Düsseldorf zum Austausch trafen, die Problematik schon einmal. Diskutiert wurden schwerpunktmäßig die Themen Innovation in der Medizin, Sicherstellung der Qualität und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus wurden die Veränderungen, die Telemedizin und Internet mit sich bringen, auf das Arzt-Patienten-Verhältnis durchleuchtet. Immer mehr IT-basierte Unternehmen und Produkte drängen in den Markt und wollen evaluiert und hinsichtlich ihrer Notwendigkeit für eine effiziente Patientenversorgung verlässlich eingeschätzt werden. Gesundheitsleistungen der Zukunft werden nicht mehr auf Arztpraxen und Krankenhäuser begrenzt sein sondern über mobile Geräte von jedem Ort aus zu nutzen sein. Dies ist keine Zukunftsmusik sondern schon großflächig einsetzbar, einzig an der Akzeptanz und der Datensicherheit hapert es noch. Zudem erfordert die Nutzung solcher Einsparpotenziale mündige Patienten.

Problem Datensicherheit

Die Anzahl von mobilen Applikationen, den so genannten Apps, im Gesundheitsbereich ist schon jetzt unüberschaubar. Die Evaluierung der verschiedenen Tools ist deshalb oberste Priorität. Nur wenn sich Patienten auf die korrekte Erfassung und Anzeige der Daten und sinnvolle Empfehlungen verlassen können, werden diese Dienste zu Einsparungen führen. Nur wenn die Produkte sicher und valide sind, wird das eintreten, was Gerd Stürz, Managing Partner Life Sciences, Healthcare & Chemicals bei Ernst & Young (EY), einem Förderer der Konferenz, skizziert: „Im Idealfall werden Patienten durch Informationen und Anreize zu einem proaktiven Teil der Wertschöpfungskette“. Das Internet und die mobilen Dienste bieten schon heute die Möglichkeit, medizinische Versorgung effizienter zu gestalten, Probleme bereiten aber noch immer die Qualitätskontrolle und das Problem der Datensicherheit. Die Datensicherheit ist wohl eine der größten Herausforderungen im Bereich der Telemedizin und der Vernetzung. Patienten müssen durch entsprechende Maßnahmen vor der Nutzung ihrer Daten durch Unbefugte, wie Arbeitgeber oder Versicherungen, geschützt werden.

Patient sollte oberste Priorität haben

Wenn dies gelingt, bieten die aktuellen Entwicklungen die auf der Konferenz skizzierte Möglichkeit, radikale Veränderungen in der medizinischen Versorgung umzusetzen. Fügen sich Werte und Technologien für eine effizientere Wertschöpfung neu zusammen, nennen Fachleute dies „Disruptive Innovations“. Um auch im Gesundheitswesen eine solche radikale Veränderung zu erreichen, so Frank Kumli, Director Advisory Services bei EY, muss Gesundheitsversorgung als ganzheitliche Versorgungskette betrachtet werden – von der Prävention über die Früherkennung bis zur Therapie und weiterführenden Behandlung. Deutschland – und NRW als Modell-Region – treibe diese Veränderung bereits durch eine Vielzahl von Projekten und Pilotmodellen voran. Eine flächendeckende Umsetzung dieser Projekte wäre der nächste Schritt. Dabei sollte man bei aller Optimierung und Kosteneinsparung aber die wichtigsten Personen der Versorgungskette nicht außer Acht lassen, die Patienten und deren oftmals sehr individuellen Bedürfnisse. Genau hier hat unser Gesundheitssystem bisher leider versagt, denn unsere Krankheiten sind so individuell wie unsere Gene und lassen sich nicht immer in kostengünstige Schemata pressen. Wenn dies gelingt, können neue Technologien tatsächlich Verbesserungen bewirken – zum Wohle Aller.

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