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Bildnachweis: GEMoaB.

Plattform Life Sciences: Wie kam es zur Gründung von GEMoaB und welche Idee stand dahinter?

Prof. Ehninger: „Zusammen mit dem Tumorimmunologen Prof. Michael Bachmann habe ich 2011 GEMoaB gegründet. Ich selbst war bis vor zwei Jahren Klinikdirektor der Hämatologie und Onkologie der TU Dresden. In unseren Laborarbeiten sowie dem Sonderforschungsbereich haben wir gelernt, wie man Abwehrzellen wieder beibringt was sie zu tun haben: Die so genannte „redirection of t-cells“. Hier haben wir Patente entwickelt, die dann mit in die Ausgründung von GEMoaB übernommen wurden. Neben den beiden in Entwicklung befindlichen bi-spezifischen Antikörpern fokussieren wir uns hauptsächlich auf zelluläre Immuntherapien.“

 

Das in Dresden ansässige biopharmazeutische Unternehmen entwickelte sich schnell zu einer äußerst ehrgeizigen Forschungs- und Entwicklungsorganisation mit einzigartigen und proprietären Immuntherapieplattformen und einer umfangreichen präklinischen und klinischen Pipeline. Ziel ist es, Immuntherapien der nächsten Generation für die Behandlung von Krebspatienten mit einem hohen medizinischen Bedarf zu entdecken, entwickeln, herzustellen und zu vermarkten. Michael Pehl und Prof. Gerhard Ehninger kennen sich schon lange und so wurde der Experte im Bereich onkologischer Arzneimittelentwicklung im Juli 2019 zum CEO der “small biotech company“.

 

Prof. Dr. Gerhard Ehninger, Mitgründer und CMO, GEMoaB
Michael Pehl, CEO, GEMoaB

 

 

 

 

 

 

Plattform Life Sciences: Die CAR-T Zelltherapie verspricht große Hoffnung für viele Krebspatienten. Bitte erläutern Sie die besondere Technologie sowie den Wirkungsmechanismus. Was ist GEMoaBs Alleinstellungsmerkmal?

Prof Ehninger: „Gentechnologisch veränderte T-Zellen, sogenannte CAR-T Zellen, haben einerseits ein Erkennungsmerkmal, den Rezeptor, auf der Zelloberfläche und andererseits im Zellinneren eine Art Verstärkermechanismus (Turbo). Wenn nun das gentechnologische Produkt in den Körper gelangt und dort aufgrund des Verstärkungseffekts überschießend reagiert, können lebensbedrohliche Situationen entstehen. Wir haben uns entschlossen das System zu entkoppeln, indem wir an die Oberfläche des Rezeptors ein Erkennungsmerkmal, das sonst im Körper nicht vorkommt, festlegen. Zusätzlich verabreichen wir ein Kupplungsmolekül, das sogenannten Targeting Modul, das einerseits an den Rezeptor der CAR-T Zelle bindet und gleichzeitig an die Zielstruktur des Tumors. Das Targeting Modul dient als Aktivator und wird über eine Langzeitinfusion, beispielsweise über 24 Tage, gesteuert. Wird diese abgesetzt, wird dadurch auch die Reaktion der CAR-T Zelle relativ schnell, also binnen 20 bis 30 Minuten, wieder „ausgeschaltet“. Dadurch ist es uns nun auch möglich Zielstrukturen auf dem Tumor anzugehen, die üblicherweise auch lebensnotwendige Funktionen erfüllen, wie zum Beispiel die Blutbildung. Auf Basis dieses Prinzips konnten wir mit dem von Stand heute bereits zeigen, dass das Konzept sowohl im Tiermodell als auch bei Patienten wirksam ist, Leukämien eliminieren kann und aufgrund der An- und Ausschaltfunktion Nebenwirkungen zeitnah gestoppt werden können. In dieser Technologie ist GEMoaB führend und macht den Mechanismus steuerbar und somit auch beherrschbar.“

Pehl: „Durch die Nutzung des Kupplungsmechanismus muss nicht für jedes Tumor-Antigen wieder eine neue CAR-T Zelle hergestellt werden, sondern nur jeweils ein neues Targeting Modul, das als Adapter dient. Somit verfügen wir bei unserer UniCAR Plattform über eine enorme Flexibilität, um einerseits verschiedene Antigene auf der Zelle, oder über sogenannte T-Zell-Rezeptoren oder TCR’s auch Proteinstrukturen im Zellinneren anzugreifen. Darüber hinaus bietet das schnelle An- und Abschalten vor allem in soliden Tumoren mit weit verbreiteten Antigenen, die auch im gesunden Gewebe vorkommen, den Vorteil, eine ganz feine Steuerung vornehmen zu können, um Akut- und Langzeittoxizitäten zu vermeiden. Mit den initial bei Patienten mit AML generierten Daten konnte diese rasche An- und Abschaltfunktion auch erstmalig klinisch bestätigt werden: Wenn der CAR-T abgeschaltet wird, ist auch die Nebenwirkung nach kurzer Zeit nicht mehr vorhanden.“

 

GEMoaB hat für die Produktion der CAR-T Zellen eine bevorzugte Partnerschaft mit seiner Schwesterfirma Cellex geschlossen, einem weltweit führenden Hersteller von hämatopoetischen Blutstammzellprodukten und einem führenden europäischen CMO für CAR-T-Zellen, der in diesem Bereich mit mehreren großen Biotech-Unternehmen zusammenarbeitet.

 

Plattform Life Sciences: In welcher Entwicklungsstufe befinden sich die Produktkandidaten? Planen Sie das weitere Vorgehen selbständig oder in Zusammenarbeit mit strategischen Partnern?

Prof. Ehninger: „Mit Hilfe von UniCAR können wir hunderte von Strukturen im Körper angehen und sind auch bei möglichen Resistenzen flexibel und können schnell reagieren indem wir das Targeting Modul einfach wechseln. Daher bezeichnen wir unsere Technologie auch als Plattformtechnologie. Momentan führen wir eine Phase IA Studie für UniCAR-T-CD123 bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) durch, und haben hier sehr ermutigende Ergebnisse in Bezug auf Wirksamkeit und Schaltbarkeit erhalten. Darüber hinaus ist noch in diesem Jahr der Start einer zweiten UniCAR Studie gegen PSMA (prostate membrane antigen) bei Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren geplant. Hier ist die Schaltbarkeit besonders wichtig, da PSMA auch auf einigen anderen Körperstrukturen, sowie wichtigen physiologischen Vorgängen (etwa Gefäßbildung) vorkommt. Außerdem ist arbeiten wir bei unserer zweiten zellulären Immuntherapie-Plattform RevCAR mit Intellia zusammen, einer Crispr-Cas Firma aus Boston, die die Rechte für vier Oberflächenstrukturen erworben haben. Hier kombinieren wir unsere proprietären Technologien und Kompetenzen mit denen unseres Partners Intellia, um transformative allogene zelluläre Immuntherapien gegen vielversprechende Ziele in der Onkologie und bei entzündlichen Erkrankungen zu entwickeln. Zudem haben wir auch eigene Targeting Module für die Kombinationstherapie im Auge. Hierbei wollen wir uns unter anderem die Checkpoint-Inhibitoren des Tumors zu Nutze machen. Durch Hochfahren der Oberflächenstruktur PD-L1 kann die Tumorzelle die Abwehrzellen sehr stark ausbremsen und die T-Zellen somit nahezu lähmen. Dieses Antigen direkt anzugehen bietet uns eine universelle Zielstruktur für UNiCAR, die auf nahezu allen Tumorzellen vorkommt.“

Pehl: „Wir haben ganz bewusst bislang nur strategische Partnerschaften gewählt, die auch ein Alleinstellungsmerkmal bieten, wenn es um innovative Plattformtechnologien geht. Intellia, aber auch Cellex sind hierfür gute Beispiele. Auch für die Zukunft ist uns bei der Auswahl von strategischen Partnerschaften besonders wichtig, dass diese wissenschaftlich gut zu uns passen.“

 

Plattform Life Sciences: GEMoab ist auf Kapitalsuche. Wie ist der Stand der Dinge? Wie sehen die Prognosen aus?

Pehl: „Der Werdegang von GEMoaB ist sicherlich außergewöhnlich, denn die Firma hat sich bislang weitgehend aus sich selbst und über die globale Partnerschaft mit Bristol-Myers Sqibb, das heißt über die Entwicklung von zwei bi-spezifischen Antikörpern, finanziert. Aus eigener Kraft drei Plattformtechnologien zu generieren, ein exzellentes Team aufzubauen, den GMP-Prozess zu entwickeln, extrem viel zu publizieren und drei, bald vier eigene Pipeline Assets in Phase-I-Studien zu bringen ist eine Leistung, die sicherlich nicht vielen jungen Unternehmen gelingt. Momentan befinden wir uns in intensiven Gesprächen mit deutschen und europäischen Investoren und sind zuversichtlich, diese an Bord holen zu können. Der Plan ist eine Finanzierungsrunde in Höhe von 35-40 Mio. USD. Die Finanzierung soll für mehrere Projekte verwendet werden:

  1. Die UniCAR-TCD123 Phase IA Studie bei AML soll nach relativ rascher Dosisfindung und entsprechenden regulatorischen Interaktionen nunmehr in eine Phase IB Studie überführt und auch außerhalb von Deutschland durchgeführt werden.
  2. Die erste UniCAR Studie bei soliden Tumoren, UniCAR PSMA, soll zeitnah gestartet werden und auch hier soll im Anschluss an die Phase IA Dosisfindung eine internationale Phase IB Studie angeschlossen werden.
  3. Darüber hinaus wollen wir mit Hilfe unserer Investoren auch unsere Pipeline weiter entwickeln, denn wir denken, dass die Zukunft den allogenen zellulären Immuntherapien gehört.

Mit unserem tollen Team in Dresden gehen wir davon aus, die kommenden Herausforderungen gut meistern zu können. Da wir planen in den nächsten 12 Monaten unser klinisches Programm massiv auszuweiten und auch außerhalb von Deutschland durchzuführen, müssen wir das bestehende Team wahrscheinlich an der einen oder anderen Stelle noch klug aufstocken.“

 

Prof. Ehninger: „Allogene Spenderzellen machen die Anwendung von UniCAR noch universeller, da sie aufgrund mehrerer Merkmale auf viele Patienten passen. Manchmal ist aufgrund der Schwere der Erkrankung oder aufgrund der Dringlichkeit der Behandlung (eine CAR-T Zellproduktion dauert ca. 14 Tage) auch keine eigene autologe CAR-T Zellproduktion mehr möglich. Daher liegt die langfristige Idee bei allogenen UniCAR-Ts, die dann mit beliebigen Zielmolekülen verbunden werden können und dem üblichen off-the-shelf Konzept der pharmazeutischen Industrie so sehr nahekommt.“

 

 

Plattform Life Sciences: Ein Ausblick: Wo steht GEMoaB in den nächsten zwei bis drei Jahren?

Pehl: „In den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren möchte GEMoaB klar zeigen, dass das UniCAR-T System bei hämatologischen Malignomen und soliden Tumoren gut funktioniert und ausreichend Daten bei AML für UniCAR CD123 Studie sammeln, um im Anschluss eine pivotale Studie durchzuführen. An diesem Punkt werden wir dann wieder versuchen neue Investoren zu gewinnen und im Weiteren wäre dann auch ein IPO zur künftigen Finanzierung denkbar. An welcher Börse dieser dann stattfinden wird entscheiden die Marktanalyse und schlussendlich auch die Eigentümer, Partner und Investoren – jedoch wäre ein möglicher amerikanischer Börsengang zweifelsohne attraktiv. Diesen Punkt zu erreichen wäre ein echter Meilenstein für GEMoaB und somit werden die nächsten zwei Jahre sehr spannend für die Entwicklung der Firma. Die unsere UNiCAR-Plattform ist absolut einmalig und mit dem möglichen „game changer“ in der Hand ist es unsere Verpflichtung die Entwicklung weiter voranzubringen, um schwer erkrankten Patienten fundamental helfen zu können.“

Prof. Ehninger: „Unser Ziel ist es, eine voll integrierte Firma mit den richtigen strategischen Partnern für eine weltweite Verbreitung zu werden und auf der anderen Seite die Kontrolle über die wissenschaftliche und klinische Entwicklung zu behalten, um so die Forschung in die richtige Richtung zu treiben und schwerkranken Patienten zu helfen. Und so viel lässt sich vielleicht schon verraten: Wir sind in engem Austausch mit großartigen, langfristig strategisch und wissenschaftlich denkenden möglichen Partnern, die unsere Vision unterstützen.“

Plattform Life Sciences: Herr Prof. Ehninger, Herr Pehl, vielen Dank für das sehr interessante Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Das Interview führte Nicole Unger.