Die Münchener UGISense AG entwickelt Antisense Wirkstoffe in Zusammenarbeit mit industriellen Partnern auf der Grundlage ihrer proprietären Ugimer Technologie. Das Unternehmen konnte kürzlich eine weitere Finanzierungsrunde abschließen und setzt auf weitere Kooperationen.

 

Plattform Life Sciences: Bitte stellen Sie uns das Unternehmen UGISense vor. Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Die UGISense AG entwickelt in Kollaboration mit industriellen wie auch akademischen Partnern Antisense-Medikamente. Dabei soll das Potential ihrer propietären Antisense-Technologie (Ugimere) ausgeschöpft und erweitert werden. Ugimere wurden entwickelt, um die bisherigen Grenzen anderer Antisense-Technologie wie eingeschränkte Verfügbarkeit und Sicherheit zu überwinden. Ugimere sind beispielsweise, anders als die derzeit meist verwendeten Schwefel-haltigen Antisense-Technologien, nicht immunogen, sie zeigen keine Leber-Toxizität und ihre Anwendung ist nicht auf Leber- oder lokale Applikation begrenzt. Derzeitige Projekte bestehen in den Bereichen Onkologie, metabolische Erkrankungen, muskuläre Dystrophien und peripheren Neuropathien.

Welche Idee steht hinter UGISense und wie kam es zur Gründung?

Antisense-Wirkstoffe greifen sehr früh in die Krankheitsentwicklung ein. Sie reduzieren die Entstehung von Krankheit verursachenden Proteinen, indem sie bereits deren Vorläufer, die sogenannte Boten-RNA, bekämpfen. Die eröffnet ein großes Potential zur Entwicklung bislang unbehandelbarer Krankheiten, bei denen etwa das auslösende Protein nicht zugängig war.

Die Entwicklung eines Antisense-Medikamentes ist allerdings sehr kapital- und zeitintensiv. Wird dies von einem BioTech-Unternehmen im Alleingang vorangetrieben müssen alle verfügbaren Ressourcen dafür aufgewendet werden. Zudem ist die Entwicklung mit einem hohen Ausfallrisiko verbunden. Diese Erfahrung musste die inzwischen geschlossene ugichem GmbH machen, die die Ugimer-Technologie ursprünglich entwickelt hatte.

Das Potential der Ugimere erschien uns, den Hauptentwicklern, einigen Alt-Investoren sowie dem Lead Discovery Center GmbH so vielversprechend, dass wir einen Neuanfang wagen mussten.

Als Businessmodell haben wir uns allerdings für ein Kollaborationsmodell entschieden. Wir glauben, dass durch die dabei entstehenden Synergismen der schnellste Weg für die Medikamentenentwicklung auf Basis unserer Technologie gegeben ist.

Die UGISense AG bleibt dabei fokussiert auf ihre Kernkompetenz und kann in mehreren Kollaborationen aktiv werden.

Wie hoch schätzen Sie das Marktpotenzial in Ihrem Segment?

Das Journal „The Scientist Magazine“ vom Dezember 2016 geht von einem Antisense-Therapeutika-Markt für 2022 von 4,6 Mrd. USD aus. Die UGISense AG möchte sich daran einen signifikanten Anteil sichern.

UGISense hat nach einer Seed-Finanzierung vor zwei Jahren nun eine erneute Finanzierungsrunde abschließen können. Wie wollen Sie das frische Kapital einsetzen?

Während es die Seed-Finanzierung der UGISense ermöglichte, operativ zu werden, Synthesekapazitäten zu schaffen, Projektpartner zu finden und erste Kollaborationen zu starten, sollen in dieser Finanzierung in den einzelnen Projekten weitere überzeugende Daten und POCs kreiert werden, die es erlauben, Ugimere in den jeweiligen Bereichen auszulizensieren. Darüber hinaus sollen neue Kooperationen eingegangen werden, um das Projektportfolio weiter auszubauen.

Ein Ausblick zum Schluss: Wo steht das Unternehmen UGISense AG in fünf Jahren? Gibt es Pläne für weitere technische Innovationen, eine Auslizensierung an einen strategischen Partner oder vielleicht gar einen Börsengang?

Ziel der UGISense ist es, ihre Technologie zunächst in einzelnen Indikationen oder Krankheitsbereichen auszulizensieren. Das sollte in fünf Jahren passiert sein. Wir denken, dass wir dann bereits vor einem Exit stehen. Ein Börsengang ist sicher eine mögliche Exit-Option. Wahrscheinlicher ist es aus heutiger Sicht allerdings, dass sich einer unserer Pharmapartner die gesamte Technologie-Plattform sichern will.

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