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Der Gesundheits- und Pharmamarkt wird sich durch die Digitalisierung massiv wandeln. Nur die innovativsten Unternehmen werden den Selektionsprozess erfolgreich überstehen. Digital aktive Patienten nehmen die Gesundheitsversorgung in die eigene Hand, verlangen nach innovativen Gesundheitsprodukten „beyond the pill“ und entscheiden maßgeblich über deren Erfolg oder Misserfolg. Von Oliver Kirst

Die Digitalisierung in der Pharmaindustrie ist keine theoretische Vision mehr, sondern längst handfeste Realität: Digitale Anwendungen werden heute entlang der gesamten Pharma-

Wertschöpfungskette eingesetzt. Sei es die Nutzung genetischer Daten zur personalisierten Medizin, digitalisierte Prozesse in Produktion und Distribution, digitale Lösungen zum Schutz vor Medikamentenfälschungen oder eben digitale Gesundheitsprodukte, die von der Prävention über die Früherkennung bis hin zur Therapie neue Versorgungsoptionen bieten, von denen Patienten schon heute profitieren können.

Gesundheitsversorgung in den Händen der Patienten

Mit dem Smartphone trägt der Patient heute seinen virtuellen Gesundheitsexperten in der eigenen Tasche, bestimmt den Behandlungsprozess aktiv mit und integriert seine individuelle Gesundheitsversorgung digital in seinen Alltag – von der Prävention bis hin zu Therapie und Nachversorgung. Der Patient nimmt somit seine Gesundheit in die eigenen Hände und findet spätestens mithilfe von „Dr. Google“ und in sozialen Medien umfangreiche

Informationen zu nahezu allen Krankheiten.

Die digitale Transformation führt bei Nutzern und Patienten zu einer kontinuierlich wachsenden Erwartungshaltung, die Potenziale der Digitalisierung auch im Gesundheitswesen intensiver nutzen zu können.

Denn digital aktive Patienten sind stärker involviert („souveräner“), fordern mehr Mitsprache und bestimmen selbstbewusst entscheidend mit über Erfolg oder Misserfolg eines digitalen Gesundheitsproduktes.

Aktuelle Befragungen im Rahmen des EPatient Survey an über 20.000 „Gesundheitssurfern“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen jedoch, dass sich die Nutzer häufig im Informationsdschungel verloren fühlen. Es gibt bereits heute deutlich über 100.000 Gesundheits-Apps – von einfachen Lifestyle-Apps über Gesundheitstagebücher bis hin zu zertifizierten, evidenzbasierten digitalen Medizinprodukten.

So strukturiert die derzeitigen Prozesse in der Arzneimittelentwicklung von der Zulassung bis hin zur Nutzenbewertung sind, umso mehr stecken diese Prozesse im Bereich Digital Health noch in den Kinderschuhen fest.

Oliver Kirst, Servier: „Es gibt bereits eine Vielzahl digitaler Gesundheitsprodukte, die unter dem Begriff Digital Health zusammengefasst werden können.“ Bild: Servier

Wichtige Orientierung bietet daher der Nachweis, dass ein Digital-Health-Produkt zertifiziert und dessen Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen worden ist. „Lotsenfunktionen“ können Ärzte, Digital-Influencer, Fachgesellschaften, Unternehmen oder Selbsthilfegruppen übernehmen – wenn verlässliche Rahmenbedingungen klar definiert sind.

Von Information zum Wissen: neue Geschäftsmodelle „beyond the pill“

Klassische Techunternehmen wie Google, Apple, Facebook & Co. wandeln sich zunehmend zu einer neuen Generation von Gesundheitsanbietern, die über immense Mengen an Nutzer-Gesundheitsdaten und Diagnostik-Know-how verfügen. Auch wenn Kernkompetenzen zur Entwicklung evidenzbasierter Therapien noch bei Pharma- oder Biotechnologieunternehmen liegen, werden diese neuen Wettbewerber die Dynamik des digitalen Umbruchs weiter beschleunigen.

Um die veränderten Patientenbedürfnisse zu bedienen, bieten Pharmaunternehmen wie Servier bereits heute innovative, ganzheitliche Gesundheitslösungen „beyond the pill“ an, die den Patienten in den Mittelpunkt stellen und dessen Krankheitsbild vollumfänglich betrachten. Dazu gehören zum Beispiel zertifizierte, evidenzbasierte digitale Medizinprodukte in der Therapie von Depressionen.

Versorgungslücke bei Depressionen: Digital Health kann helfen

Allein in Deutschland leiden über 6 Mio. Menschen an Depressionen. Betroffene brauchen schnelle Hilfe: Neben einer rein medikamentösen Behandlung sollte auch eine Psychotherapie berücksichtigt werden.

Tatsächlich erhalten jedoch nur rund 10% aller Patienten mit einer akuten Depression eine geeignete Psychotherapie. Die durchschnittliche Wartezeit bis zu deren Beginn beträgt nicht selten sechs Monate. Dies ist für einen depressiv Erkrankten ein unvorstellbar langer Leidenszeitraum.

Rasche Hilfe können Online-Therapieprogramme bieten, wenn deren Wirksamkeit durch wissenschaftliche Studien belegt ist, wie zum Beispiel bei deprexis®24. Das datenschutzkonforme und individualisierte Online-Therapieprogramm führt über einen Zeitraum von drei Monaten einen interaktiven Dialog mit dem Anwender. Die signifikante antidepressive Wirksamkeit von deprexis®24 wurde in elf wissenschaftlichen Studien in Deutschland mit mehreren Tausend Patienten nachgewiesen. Dabei wird sowohl die Lebensqualität als auch die Leistungsfähigkeit verbessert. Das als Medizinprodukt CEzertifizierte Programm basiert auf anerkannten Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und wurde von Ärzten und Psychotherapeuten mit entwickelt. [1]

Klare politische Rahmenbedingungen für Digital Health gefordert

Betrachtet man die aktuelle Situation, so ist es zwingend notwendig, zeitnah klare politische Rahmenbedingungen zu schaffen. Mit dem E-Health-Gesetz hat der Gesetzgeber einen ersten wichtigen Schritt unternommen, um den Bereich Digital Health zu implementieren. Das übergeordnete Ziel sollte dabei jedoch nicht verloren gehen: Patienten die bestmögliche Versorgung mit digitalen sowie herkömmlichen Therapien zu ermöglichen.

Daher müssen politische Rahmenbedingungen und Erstattungsregeln etabliert werden, bei denen die Patienten im Mittelpunkt stehen. Digitale Gesundheitsprodukte können bestehende Versorgungslücken schließen und zu einer effizienteren, oft sogar auch kostengünstigeren Gesundheitsversorgung in Deutschland beitragen – wie Untersuchungen am Beispiel Depressionen gezeigt haben. [2]

Im Hinblick auf deutlich kürzere Innovationszyklen im Vergleich zu klassischen Arzneimitteln müssen digitale Innovationen fair bewertet, auskömmlich vergütet und zeitnah in die Regelversorgung aufgenommen werden. Grundvoraussetzungen für eine eindeutige Differenzierung sind eine durch Studien belegte Wirksamkeit, eine Zertifizierung, ein klar belegter Nutzen für Patienten sowie höchste Datensicherheit. Damit sind eine Qualitätssicherung und ein „Zukunfts- und Innovationscheck“ gefordert. Ein zeitgemäßes E-Health-Gesetz 2.0 könnte hierzu beste Chancen bieten.

Pharmaunternehmen wie Servier greifen die Potenziale von Digital Health auf und gehen damit bereits heute auf die aktuellen Bedürfnisse der Patienten ein. Nun müssen klare gesetzliche Rahmenbedingungen die Qualitätskriterien und Rechtsansprüche der Patienten verbindlich regeln, um eine bestmögliche flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.

ZUM AUTOR

Oliver Kirst ist Geschäftsleiter der Servier Deutschland GmbH. Der studierte Pharmazeut ist seit 1992 in nationalen und internationalen Führungsfunktionen im Unternehmen tätig.

[1] Informationen zu den Studien unter www.deprexis24.de.

[2] Gräfe V, Greiner W (2017): The Journal of The International Society for Pharmacoeconomics and Outcomes Research. 20(9): A714.

Über den Autor

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